Oper

Hänsel und Gretel

Engelbert Humperdinck

Märchenoper in drei Bildern Nach der Dichtung von Adelheid Wette

Premiere 9. Dezember 2006

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

 
Info
  • 19:00 – 21:15 Uhr
  • Pause nach 60 Minuten

  • Ort:  Semperoper Dresden

  • Werkeinführung (kostenlos)
  • 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung im Opernkeller

  • Führungen in der Semperoper
    Info
    • 14:00 – 16:15 Uhr
    • Pause nach 60 Minuten

    • Ort:  Semperoper Dresden

    • Werkeinführung (kostenlos)
    • 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung im Opernkeller

    • Führungen in der Semperoper
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    • 18:00 – 20:15 Uhr
    • Pause nach 60 Minuten

    • Ort:  Semperoper Dresden

    • Werkeinführung (kostenlos)
    • 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung im Opernkeller

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      • 15:00 – 17:15 Uhr
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      • Ort:  Semperoper Dresden

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      • 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung im Opernkeller

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      • 19:00 – 21:15 Uhr
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      • Ort:  Semperoper Dresden

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      • 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung im Opernkeller

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        • 14:00 – 16:15 Uhr
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        • 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung im Opernkeller

        • Führungen in der Semperoper

          Im Märchenwald treffen mit den armen Geschwister, die sich im Wald verlaufen, und der bösen Knusperhexe vertraute Figuren aufeinander. Die Geschichte spitzt sich im berühmten Haus aus Lebkuchen zu, das außen zwar süß, innen aber eine Todesfalle ist. 1893 schuf Engelbert Humperdinck auf der Grundlage der Brüder Grimm die wohl berühmteste Märchenoper des Musiktheaterrepertoires. In der Inszenierung von Katharina Thalbach wird diese Vorlage durch weitere Figuren aus den Grimm’schen Märchen angereichert und so zu einem Fest für die ganze Familie gestaltet. Rotkäppchen, Schneewittchen und der böse Wolf entführen Kinder wie Erwachsene auf eine musikalische Reise, an deren Ende der Untergang des Hexenreiches und damit der Sieg des Guten stehen – verkündet von den entzauberten Lebkuchenkindern: »Erlöst, befreit, für alle Zeit«.

          Handlung

          Es war einmal. Nein, es ist immer noch das beliebteste Märchenstück der Operngeschichte. Schon die Entstehung dieser Oper erklärt, warum sie auf Kinder wie auf Erwachsene gleichermaßen einen unwiderstehlichen Zauber ausübt: Die Schwester des Komponisten, Adelheid Wette, entwarf eine Adaption des Märchens der Gebrüder Grimm für eine häusliche Theateraufführung im Familienkreis. Humperdinck vertonte zu diesem Zweck zunächst nur einige Verse. Doch später ließ ihn die Idee, aus dem Märchenstoff eine große Oper zu machen, nicht mehr los. Ergebnis dieser geschwisterlichen Zusammenarbeit ist eine einzigartige Kombination von poetischer Naivität und musikalischem Tiefgang.
          Adelheid Wette erzählt die bekannte Geschichte mit einigen Ergänzungen. Bei ihr wird die kindliche Phantasie zum Hauptthema des Märchens. Schon zu Beginn der Oper überwinden Hänsel und Gretel die drückende Armut mit Spiel und ausgelassenem Tanz – sehr zum Ärger der heimkehrenden Mutter. Die schickt die Geschwister in den Wald zum Beerenpflücken. Die Kinder verirren sich und müssen die Nacht in der Wildnis verbringen. Das Sandmännchen verhilft ihnen zu einem tiefen Schlaf, in dem die 14 im Abendsegen beschworenen Schutzengel der Kinder vom Himmel hernieder steigen. Am Morgen werden sie vom Taumännchen geweckt und entdecken das phantastische Haus der Hexe. Die ist zunächst sehr lieb zu den Kindern, schließlich ernährt sie sich von Menschenfleisch. Ihr kannibalischer Plan geht natürlich nicht auf. Die Kinder halten zusammen und überwinden die böse Alte: Durch einen Trick der beiden landet sie selbst im Backofen. Der Vater, in verständlicher Sorge um das Wohl seiner Kinder, findet sich am Tatort ein, als der Sieg über das Böse schon errungen ist. Mit dem Tod der Hexe endet auch die Verzauberung zahlreicher weiterer kindlicher Opfer, die nun aus Lebkuchenfiguren zurück in ihre menschliche Gestalt verwandelt werden. «Hänsel und Gretel» passt ganz besonders gut in das Repertoire der Semperoper. Diese Oper stellt gewissermaßen das Bindeglied zwischen der musikalischen Sprache Richard Wagners und der unseres Hauskomponisten Richard Strauss dar. In Humperdincks Person überschneiden sich die Biografien der beiden so eng mit Dresden verbundenen Meister: Er arbeitete zeitweise als Assistent in Bayreuth und hat hier sogar ein Stück des «Parsifal» instrumentiert. Richard Wagner war mit der Arbeit zufrieden und übernahm sie in seine Partitur. Und der junge Richard Strauss wiederum dirigierte die Uraufführung von »Hänsel und Gretel« 1893 in Weimar. «Wahrlich ein Meisterwerk erster Güte, seit langer Zeit etwas, was mir imponiert hat. Welch herzerfrischender Humor, welch köstlich naive Melodik, welche Kunst der Feinheit in der Behandlung des Orchesters, welch prachtvolle Polyphonie ...» äußerte er enthusiastisch. Und tatsächlich gibt es Stellen in dieser Oper, die Strauss nicht hätte besser komponieren können.
          So bietet die Neuinszenierung von »Hänsel und Gretel« sowohl dem Opernkenner als auch dem Operneinsteiger Gelegenheit, die Wirklichkeit mit den Mitteln der Phantasie neu zu entdecken.

          Märchenwald. Theaterwelt.

          Ein Gespräch mit der Regisseurin Katharina Thalbach

          Sie inszenieren eine Märchenoper: Lassen Sie in diese Arbeit eigene Erfahrung als Mutter einfließen?

          Katharina Thalbach Ich bin und war immer viel von Kindern umgeben. Ich liebe es einfach, mit Kindern zu spielen und sie beim Spielen zu beobachten. In meiner Arbeit, egal ob als Schauspielerin oder Regisseurin, schöpfe ich natürlich stark aus den eigenen Phantasien und den Erfahrungen, die ich in meinem relativ reichen Leben gemacht habe. Meine Mutter hat irrsinnig viel mit mir gespielt. Vorzugsweise Rollenspiele, die sich durch die ganze Wohnung zogen, mit unheimlichen Begegnungen. Und mit meiner Großmutter habe ich Puppenstube gespielt, was ich übrigens auch mit meiner Enkeltochter tue. Jeder hat sein Puppenhaus und wir spielen zusammen. Diese Tradition hat sich also in meiner Familie erhalten.

          »Hänsel und Gretel« ist eine Oper, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen lieben, letztere schätzen sie aber auch wegen ihrer nicht gerade kindlichen Musik.

          Katharina Thalbach Ich glaube, diese Oper ist absolut für Kinder geeignet, weil die Sprache relativ naiv ist. Und die Musik ist so komponiert, dass man die Sprache sogar verstehen kann, was ja auch nicht selbstverständlich ist. Ein großer Vorteil ist, dass die Kinder diese Geschichte kennen, schon allein durch das Kinderlied »Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald«. Man muss ihnen nicht erst umständlich erklären worum es geht Höchstens irritiert die Kinder, dass da auf einmal gesungen wird, und dass zwei Erwachsene, noch dazu zwei Frauen, Hänsel und Gretel spielen.

          Wann haben sie das erste mal »Hänsel und Gretel« in der Oper gesehen?

          Katharina Thalbach Mit fünf Jahren. Das war ein sehr eindrückliches Erlebnis. Mit dem Theater war ich ja durch meine Eltern sehr vertraut. Aber Oper! Das hatte mit einer gewissen Heiligkeit zu tun, die mir gefallen hat, wie in einer Kirche: Alles klingt groß und sieht auch so beeindruckend aus. Und dazu ist es eine Geschichte, die ich gut kannte. Das fand ich schon toll.

          Sie strahlen auf der Probe viel Humor aus – eine Fähigkeit, die Sängerinnen und Sänger zu öffnen und zum freien Spiel zu animieren. Ist Humor für sie eine Arbeitsmethode?

          Katharina Thalbach Ich lache einfach irrsinnig gern – und ich bringe auch andere Leute gern zum Lachen. Ich halte Lachen für etwas äußerst Befreiendes. Humorlose Leute sind mir suspekt. Was mich bei mir selbst und in der Arbeit mit den Darstellern interessiert, ist ein Zustand von Angstfreiheit. Und den erreiche ich am besten durch Lachen. Wer angstfrei ist, der kann auch mal Fehler machen oder übertreiben, und damit kann ich dann als Regisseurin arbeiten.

          Für das Waldbild haben Sie sich etwas Besonderes einfallen lassen. Wie ist die Idee vom Märchenwald entstanden?

          Katharina Thalbach Ezio Toffolutti und ich hatten schon vorher viele Erfahrungen mit dem Wald gesammelt. Im »Schlauen Füchslein«, das wir 2000 in Berlin und vor kurzem noch einmal in Zürich gemacht haben, war der Wald voller Bilder: Durch großartig gemalte Blumen und Bäume in verschiedenen Größen und Varianten, die von allen möglichen Tieren bevölkert sind. Bei »Macbeth«, unserer ersten gemeinsamen Arbeit, bestand der Wald aus Seilen. Dann hab ich mit Ezio »Wie es Euch gefällt« inszeniert, und da haben wir einen Wald aus beweglichen, rohen Holzstöcken entworfen. Die Holzstöcke konnte man in Schienen bewegen und damit ganz verschiedene Formen herstellen. Jedenfalls hatten unsere Wälder immer ein Eigenleben. Bei »Hänsel und Gretel« sollte der Wald etwas Unheimliches haben, wie ein Labyrinth. Ein Wald, der Hänsel und Gretel Angst macht. Und so sind wir auf diese starke Stilisierung gekommen, die schwarzen Hänger, durch die das Unheimliche in der Bewegung des Waldes liegt. Aber das war mir eigentlich auch noch zu wenig. Ich dachte, es wäre sehr schön, wenn Hänsel und Gretel nicht allein wären. Ich wollte einen richtigen Märchenwald, der unheimlich, aber faszinierend ist. So kam dann der Gedanke, dass ich Grimmsche Märchenfiguren einbaue, die mit dem Wald zu tun haben, unsichtbar für Hänsel und Gretel – wodurch es wieder ein sehr lebendiger Wald wird. Am Ende der Oper werden Hänsel und Gretel bei uns noch einmal von den Märchenfiguren aus dem Wald gerufen. Die beiden gehen dann, nach den Erfahrungen, die sie gemacht haben, wieder zurück in die Märchenwelt. In dieser Welt haben sie ihre Kämpfe bestanden, und in diese Welt wollen sie dann auch wieder zurück.

          Ist die Märchenwelt auch eine Theaterwelt?

          Katharina Thalbach Absolut. Beide, das Märchen genauso wie das Theater, sind bevölkert von wunderbaren Wesen. Meine erste Regiearbeit war »Macbeth». Da hat Shakespeare auf wunderbare Weise eine »Märchenebene« mit Hexen und Geistern mit einer realistischen, ja sogar historisch-politischen Welt zusammengeführt. Und dadurch ist wirklich aufregendes Theater möglich. Ich habe es einfach gern, wenn auf der Bühne was los ist! Nun gibt es bei einer so bekannten Oper wie »Hänsel und Gretel« starke Erwartungen beim Publikum… Ich gehe beim Inszenieren eher von meinen eigenen Erwartungen aus. Ich bin ja auch sehr »altmodisch«, insofern glaube ich, von den Erwartungen des Publikums gar nicht so weit entfernt zu sein. Ich habe mit Ezio zusammen versucht, alles, was vorgegeben ist, zu erfüllen, aber natürlich mit einer eigenen Ästhetik: Es gibt ein essbares Haus mitten in einem Candyland, aber es ist halt kein klassisches Pfefferkuchenhaus. Du kannst ja heute Kinder nicht mehr mit Lockmitteln wie Mandeln oder Äpfeln kommen. Das ist heute eher für Latzhosenträger oder gesundheitsbewusste Menschen interessant. Also haben wir, gerade was das Hexenhaus betrifft, vielleicht nicht die klassische Phantasie bedient, aber doch alles, was diese Oper braucht, in eigene Bilder übersetzt.

          Am Ende der Oper äussert der Vater noch einmal die Moral der Geschichte »Merkt des Himmels Strafgericht: Böse Werke dauern nicht. Wenn die Not aufs höchste steigt, Gott der Herr sich gnädig zu uns neigt!« haben sie einen Bezug zu dem religiösen Aspekt, der bei »Hänsel und Gretel« immer wieder durchschimmert?

          Katharina Thalbach Hänsel und Gretel wurde ja erst nicht von Gott geholfen, sondern sie helfen sich selbst. Das Religiöse in diesem Text ist eher der Romantik zu verdanken. Die Kinder beten den Abendsegen und bestellen sich die Schutzengel, die ja dann auch kommen. Aber die Engel bewahren die Kinder nicht davor, dass sie bei der Hexe in Lebensgefahr geraten. Niemand hilft ihnen, sie müssen sich selber befreien. Insofern halte ich die Worte des Vaters mehr für den konventionellen moralischen Zeigefinger. Deswegen ist mir ja auch wichtig, dass Hänsel und Gretel am Schluss ihren eigenen Weg gehen. Die beiden treffen die Entscheidung zurück in die Märchen- oder Theaterwelt zu gehen, zurück in eine Welt, in der die Fantasie lebendig ist.

          Das Gespräch führte Hans-Georg Wegner

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