Oper

Der goldene Drache

Peter Eötvös

Musiktheater Libretto von Roland Schimmelpfennig nach dem gleichnamigen Theaterstück, eingerichtet von Peter Eötvös

Premiere 13. Dezember 2019

In deutscher Sprache

 
Info

  • Werkeinführung (kostenlos)
  • 25 Minuten vor Beginn im Oberen Foyer von Semper Zwei
    Info

    • Werkeinführung (kostenlos)
    • 25 Minuten vor Beginn im Oberen Foyer von Semper Zwei
      Info

      • Werkeinführung (kostenlos)
      • 25 Minuten vor Beginn im Oberen Foyer von Semper Zwei
        Info

        • Werkeinführung (kostenlos)
        • 25 Minuten vor Beginn im Oberen Foyer von Semper Zwei
          Info

          • Werkeinführung (kostenlos)
          • 25 Minuten vor Beginn im Oberen Foyer von Semper Zwei
            Info

            • Werkeinführung (kostenlos)
            • 25 Minuten vor Beginn im Oberen Foyer von Semper Zwei

              Im Thai-China-Vietnam-Schnellrestaurant »Der goldene Drache« begegnen sich Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: zwei Stewardessen, Hans, ein alter Mann und seine Enkeltochter sowie die Betreiber des Restaurants. Und während im Restaurant fröhlich geplaudert und das Pat Thai Gai mittelscharf und die Thai-Suppe Nummer sechs bestellt werden, spielen sich in der winzigen Küche Dramen ab: Ein junger Chinese ohne Aufenthaltsgenehmigung hat Zahnschmerzen, aber keine Krankenversicherung. Inmitten dampfender Woks ziehen ihm seine Landsleute deshalb kurzerhand den faulen Zahn, der in hohem Bogen durch die Luft fliegt und in der Thaisuppe eines Gastes landet. Peter Eötvös’ 2014 uraufgeführte Kammeroper beginnt als skurrile Komödie, entwickelt sich jedoch bald zur rabenschwarzen Groteske, in der sich die Schicksale der einzelnen Personen durch einen Zahn miteinander verbinden.

              Wenn Sie einen Vorstellungsbesuch mit Ihren Kindern oder Enkeln planen, empfehlen wir ein Mindestalter von 16 Jahren.

              Handlung

              Erster Teil
              Im Thai-China-Vietnam-Restaurant »Der goldene Drache«. In der winzigen Küche kochen fünf Asiaten im Akkord. Der kleinste von ihnen krümmt sich vor Zahnschmerzen. Vorne im Restaurant nehmen die Stewardessen Inga und Eva Platz. Über dem Restaurant besucht eine junge Frau ihren Großvater. Im Restaurant bestellt der Nachbar, der Lebensmittelhändler Hans, wie immer die Nummer 103. Der Kleine schreit vor Schmerzen. Er ist in Deutschland, um seine Schwester zu suchen, aber er hat kein Geld und keine Papiere. Ein Zahnarztbesuch ist unmöglich.

              Die Ameise sammelt den ganzen Sommer über Vorräte, während ihre Nachbarin, die Grille, nur musiziert. Als der Winter einbricht, bettelt die Grille bei der Ameise um etwas zu Essen. Aber die Ameise weist sie zurück. 

              Der Zahn des Kleinen ist schon schwarz. Seine Landsleute beschließen, ihm den Zahn in der Küche mit einer Rohrzange zu ziehen.

              Zweiter Teil
              Über dem Restaurant »Der goldene Drache« eröffnet die junge Frau ihrem Freund, dass sie schwanger ist. In der Küche fliegt der gezogene Zahn des Kleinen in hohem Bogen durch die Luft und landet im Wok.

              Die Ameise hat eine Geschäftsidee: Sie vermietet die Grille an andere Ameisen. Die Ameisen vergewaltigen die Grille. Zu den Kunden der Grille gehört auch der Großvater der jungen Frau aus dem Haus des »Goldenen Drachen«. 

              Im Restaurant findet die Stewardess Inga in ihrer Suppe den halb verfaulten Zahn des kleinen Chinesen. Die Zahnlücke des Kleinen hört nicht auf zu bluten.

              Dritter Teil
              In der Zahnlücke des Kleinen sitzt seine besorgte Familie aus China, die wissen will, ob er seine Schwester schon gefunden hat. Im Lebensmittelladen ertränkt der Freund der Enkeltochter seinen Frust über deren Schwangerschaft gemeinsam mit Hans.

              Der Lebensmittelhändler überlässt dem jungen Mann die Grille. Das Treffen eskaliert. Der junge Mann macht die Grille kaputt.

              In der Küche des »Goldenen Drachen« verblutet der Kleine. Seine Schwester hat er nicht gefunden. Die vier anderen Asiaten wickeln die Leiche in einen Teppich und versenken sie im Fluss. Auf der Brücke steht die Stewardess Inga mit dem Zahn des Kleinen. Sie wirft ihn in den Fluss.

              Parallelwelt Asia-Restaurant

              Ein Gespräch mit Regisseurin Barbora Horáková Joly über die Oper von Peter Eötvös

              Liebe Frau Horáková Joly, vorne im Restaurant »Der goldene Drache« plaudern die Gäste, hinten in der Küche spielen sich Dramen ab. Ein Bild für die heutige Welt?

              Barbora Horáková Joly Wir leben in Zentraleuropa in einer Art Blase, in der es uns sehr gut geht. Aber auf der restlichen Welt ist nicht alles rosarot und viele Menschen riskieren ihr Leben für ein besseres. Unser Stück könnte wohl kaum aktueller sein. Wir sollten versuchen, andere Menschen zu verstehen und nicht gleichgültig sein gegenüber deren Schicksal und gegenüber der Tatsache, dass es Not, illegale Arbeit und Ausbeutung gibt, die Menschen in den Tod treiben.

              Peter Eötvös’ Oper wurde 2014 uraufgeführt, Sie hatten sich bereits früher mit der Vorlage, Roland Schimmelpfennigs Drama von 2009, beschäftigt. Was hat Sie daran interessiert?

              B.H.J. Ich fand die Geschichte von »Der goldene Drache« damals wie heute dringend und wichtig. Fasziniert haben mich an diesem Stück der Spaß am Spiel, das Sich-Hineinbegeben in das Schicksal anderer, die Tatsache, dass es allen Charakteren mal
              gut und mal schlecht geht und natürlich die Idee, dass ein Schauspieler bis zu fünf verschiedene Rollen spielen kann. Als ich die Oper dann auch noch hörte, war ich begeistert! Alles ist präzise notiert und die Rollenwechsel vollziehen sich dank der Musik noch viel einfacher, denn die verschiedenen Emotionen der Charaktere sind in der Musik verankert.

              Welche Menschen werden widergespiegelt?

              B.H.J. Die Geschichte spielt ja in einem Thai-China-Vietnam-Restaurant und verdeutlicht, dass wir Europäer Menschen aus Asien oftmals alle über einen Kamm scheren. Die Frage ist: Wie weit reicht unser Interesse für die anderen und deren Probleme?

              Wie realistisch muss man diese Oper auf die Bühne bringen?

              B.H.J. Das Stück trifft im Text und in der Musik eine ganz klare Aussage, aber es bietet eben auch die Möglichkeit einer installativen Inszenierung, die die Dinge eher symbolisch und dezent andeutet. Ich möchte die Symbole aufnehmen und dennoch Menschen auf der Bühne zeigen. Die Bilder der äußeren Realität sollen in den Köpfen der Zuschauer entstehen. Deswegen war es mir auch wichtig, das Stück an keinem festen Ort zu verankern. Die Küche ist bei uns beispielsweise ein Turm. Ein Turm, der zugleich auch der Drache ist, ein Papierdrache, der die Kinder raus in die Welt schickt. Daran schließt sich die Frage an: Was ist »Der goldene Drache« eigentlich?

              Empfehlungen