Oper

Lucia di Lammermoor

Gaetano Donizetti

Oper in drei Akten Dichtung von Salvatore Cammarano nach Walter Scotts Roman »The Bride of Lammermoor«

Premiere 18. November 2017

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

 

Keine weiteren Vorstellungen in dieser Spielzeit.

Lucia Ashton verliebt sich in den Todfeind ihrer Familie. Edgardo und sie schwören sich ewige Treue. Lucias Bruder Enrico will sie jedoch um jeden Preis an einen reichen Erben verheiraten. Als Lucia sich schließlich von allen verlassen sieht und ihr geliebter Edgardo sie schmäht und beschimpft, ermordet sie in der Hochzeitsnacht den ihr aufgezwungenen Ehemann. Von der Familie als wahnsinnig bemitleidet, empfindet Lucia ihre Tat als Befreiung und sich dem Glück mit dem Geliebten endlich nahe. »Lucia di Lammermoor«, nach dem Bestseller-Roman von Sir Walter Scott, ist eine Perle des Belcanto aus der Feder Gaetano Donizettis aus dem Jahr 1835 und eine gesangliche und darstellerische Herausforderung für jede Sängerin. In der psychologisch scharf konturierten und auf das Wesentliche menschlicher Interaktion reduzierten Dresdner Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf öffnet die sphärische Klangwelt der Glasharmonika die empfindsame innere Welt einer bedrängten Frau im Kampf gegen den Rest der Welt.

Handlung

Vorgeschichte
Die schottischen Adelsfamilien Ravenswood und Ashton sind in blutiger Familienfehde zerstritten. Edgardo Ravenswood, der letzte Überlebende seiner Familie, wurde nach der Ermordung seines Vaters durch Enrico Ashton von seinem Besitz vertrieben und haust nun in dem verfallenen Turm Wolferag. Die neuen Herren auf Schloss Ravenswood sind Lord Enrico Ashton und seine Geschwister Raimondo, ein Geistlicher, und Lucia. Wenige Tage zuvor ist die Mutter der Familie, Lady Alisa Ashton, gestorben.

Erstes Bild
Lucia wird verdächtigt, mit Edgardo eine Liebesbeziehung begonnen zu haben. Die Nachforschungen von Enricos Hauptmann Normanno und seinen Männern haben ergeben, dass sie sich im Wald begegnet sind und Lucia sich in Edgardo verliebt hat. Für Enrico ist es ein doppelter Verrat, denn Lucia soll den reichen und politisch einflussreichen Arturo Bucklaw heiraten, um ihre Familie vor dem
politischen und finanziellen Ruin zu retten. Doch sie weigert sich. Erbost über Lucias Widerstand schwört Enrico, diese Liebe zu zerstören und, wenn nötig, die beiden Liebenden zu töten.

Zweites Bild
Dem Strafgericht ihrer Brüder entkommen, erwartet Lucia ungeduldig Edgardos Ankunft. Allein ihren Gedanken und Ängsten überlassen, erinnert sich Lucia einer unglücklichen Liebesgeschichte, in der ein Ravenswood aus Eifersucht seine Geliebte erstochen und ihren Leichnam in einem Brunnen versenkt hatte. Als Edgardo schließlich erscheint, setzt er Lucia davon in Kenntnis, dass er Schottland für einige Zeit verlassen werde, aber vorher noch Frieden mit Enrico schließen und um ihre Hand anhalten wolle. Doch Lucia fürchtet, Edgardo könnte getötet werden. Um sich ihrer Treue zu versichern, verlobt sich Edgardo mit Lucia, bevor er sie endgültig verlassen muss.

Drittes Bild
Der von Enrico festgesetzte Tag von Lucias Hochzeit mit Arturo ist da – und noch immer hat sie keine Botschaft von Edgardo. Um sie von dessen angeblicher Untreue zu überzeugen, sind seine Briefe abgefangen und die Nachricht erfunden worden, er heirate in Frankreich eine andere Frau. Das gefälschte Schreiben lässt Lucias Entschlossenheit schließlich zerbrechen. Raimondo beschwört sie, sich zum Wohl der Familie zu opfern.

Viertes Bild
Arturo ist bereits im Schloss eingetroffen und verkündet den glanzvollen Weiterbestand der Familie Ashton. Enrico bittet ihn um Nachsicht für Lucias noch andauernde Trauer um die jüngst verstorbene Mutter. Arturo hat jedoch vom Verhältnis Lucias mit Edgardo gehört und stellt Enrico zur Rede. Lucia wird von Raimondo hereingeführt und schließlich von Enrico gezwungen, den Heiratsvertrag zu unterschreiben. In diesem Moment verschafft sich Edgardo Zugang zum Fest und fordert die Einhaltung des Eheversprechens, das Lucia ihm gegeben hat. Doch Raimondo reicht ihm den von Lucia unterschriebenen Ehevertrag mit Arturo, woraufhin Edgardo seinen Ring zurückfordert, ihn zertritt und Lucia und ihre ganze Sippe verflucht. Er wird von der Hochzeitsgesellschaft vertrieben, und Arturo führt die entgeisterte Lucia ins Brautgemach.

Fünftes Bild
Enrico provoziert Edgardo, bis dieser ihn zum Duell fordert: im Morgengrauen an den Gräbern der Ravenswoods. Unterdessen geht die Hochzeitsfeier auf Schloss Ravenswood unvermindert weiter, bis Raimondo die schreckliche Nachricht überbringt: Lucia habe den Verstand verloren und ihren Ehemann im Brautbett ermordet. Ruhig und noch mit dem Messer in der Hand tritt Lucia unter die Gäste: Die Zeit für die Eheschließung mit ihrem geliebten Edgardo ist gekommen. Die Schuld für den Mord gibt sie ihrem Bruder Enrico. Sie schwört Edgardo ewige Liebe, und nach ihrem Tod will sie im Himmel auf ihn warten. Edgardo sehnt sich nach Lucia, doch Raimondo berichtet ihm von ihrem Tod. Um im Himmel wieder mit ihr vereint zu sein, tötet Edgardo sich selbst.

»Lucia di Lammermoor« – Ein Auftragswerk anno 1835

Gaetano Donizetti (1797 – 1848)

Insgesamt sind 71 Opern von Donizetti nachweisbar. »Er hatte sich einen besonderen Wagen bauen lassen, dessen Inneres so eingerichtet war, dass er darin arbeiten und so die Zeit, die er auf Reisen verlieren würde, ausnützen konnte.«

1819 Veröffentlichung des Romans »The Bride of Lammermoor« von Walter Scott (1771 – 1852).

Seit 1834 ist Donizetti Musikdirektor der königlichen Theater und Professor am Konservatorium in Neapel (1838 – 1840 Direktor des Konservatoriums). Donizetti sollte vier Opern pro Jahr für Neapel komponieren – das entsprach in etwa dem normalen Schaffensrhythmus Donizettis bis zum Ende seiner Karriere.

November 1834 Erteilung des Kompositionsauftrages

durch die königliche Theaterkommission für eine Oper auf den Stoff »The Bride of Lammermoor« (UA geplant für Juli 1835). 

Mitte Mai 1835 setzt sich Donizetti frühzeitig mit Salvatore Cammarano (1801 – 1852) für eine erste Zusammenarbeit in Verbindung. Schreiben des Librettos und stückweise Übergabe des Textes an den Komponisten bis Ende Mai.

Bereits existente Opern auf denselben Stoff: »Le nozze di Lammermoor« (Michele Carafa, 1829 in Paris aufgeführt – ein Misserfolg) war Donizetti und Cammarano bekannt; »Bruden Frau Lammermoor« des dänischen Komponisten Ivar Frederik Bredal (UA 5. Mai 1832; vieraktiges Gesangsstück »romantisk Syngestykke«; Libretto von Hans Christian Andersen) war in Italien unbekannt.

29. Mai 1835 Verzögerung des offiziellen Beginns der Arbeit,

da, nachdem der Auftrag und die Vorlage selbst von der königlichen Theaterkommission in Auftrag gegeben und von der Zensur bewilligt worden waren, Salvatore Cammarano immer noch nicht offiziell als Textdichter benannt worden war. Die Arbeit hatte jedoch inoffiziell schon begonnen. Donizetti reagiert erbost: »Die Zeit drängt. Und ich versichere Ihnen, dass ich nicht länger in solcher Ungewissheit über das Projekt bleiben kann, denn ich habe auch noch andere Verpflichtungen zu erfüllen. Ich muss deshalb darauf bestehen, den Dichter Salvatore Cammarano nun endlich beauftragen zu dürfen, sich ohne Verzug mit dem der Zensur bereits vorgelegten und bewilligten Szenario der ›Lucia Lammermoor‹ [sic] zu beschäftigen, und ich glaube in diesem Fall zu versprechen, die Arbeit bis Anfang August vollständig beendet zu haben, ohne auf dem im Vertrag festgelegten Vier-Monats-Intervall bestehen zu müssen. Andernfalls erlaube ich mir, meine Rechte, wie in den Artikeln des Vertrages festgelegt, einzuhalten und jedes Zugeständnis zu annullieren, das in meinem ersten Brief vom 25. Mai und in diesem Brief angeboten wird.« 

Durch Donizettis Einfluss wird Cammarano umgehend offiziell beauftragt.

Ab Ende Mai 1835 Komposition und Instrumentierung;

Fertigstellung innerhalb von 6 Wochen (6. Juli 1835 laut Autograph). Das Theater befindet sich jedoch in der Krise; am 16. Juli 1835 schreibt Donizetti: »Unsere Theater werden immer noch schlechter … die Opern fallen durch, das Publikum zischt, der Besuch ist schlecht … Jetzt werden wir am San Carlo Persianis alte Oper ›Danao‹ geben, dann meine ›Lucia di Lammermoor‹, die jetzt fertig ist … Die Krise ist nahe, das Publikum hat Verdauungsstörungen, die Società teatrale [königliche Theaterkommission] wird demnächst aufgelöst werden, der Vesuv raucht, und der Ausbruch steht nahe bevor.«

Ende Juli 1835 Bankrott des Teatro di San Carlo:

König Ferdinand II. interveniert, behält nur wenige Direktoren und erlässt vehement den Auftrag, »ihr berühmtes Haus in Ordnung« zu bringen. Donizetti schreibt dazu: »Seine Majestät hat angeordnet, da die Kommission einen Vertrag für ›Lucia‹ mit mir unterschrieben hat, dass die Premiere stattfindet!«

Mitte August 1835 Beginn der Proben zu »Lucia di Lammermoor«

5. September 1835 Donizetti verzweifelt ob der Zahlungsunfähigkeit des Theaters:

»Hier wird die Direktion Bankrott machen. La Persiani will, ohne bezahlt zu werden, nicht proben, und morgen werde ich protestieren. Gott weiß, ob ich bezahlt werde. Und ja, meine Musik verdient es, bezahlt zu werden, denn sie ist alles andere als schändlich.«

26. September 1835 Uraufführung »Lucia di Lammermoor« mit grandiosem Erfolg

(Besetzung Fanny Tacchiardini-Persiani – Lucia; Gilbert Duprez – Edgardo; Domenico Cosselli – Enrico). Am selben Tag schreibt Donizetti an einen Freund: »Lieber Freund! Lieber spät als nie. Ja, mein Herr, ich lebe! Ja, mein Herr, ich schreibe! Und dass ich lebe, dafür soll diese späte, doch mit Anteilnahme gegebene Antwort, Ihnen Beweis sein. Mit meinem Schreiben sende ich Ihnen einen detaillierten Bericht der ›Sicule Sicilie‹. Heute an diesem 28. September [Donizetti verwechselt 26. und 28. September, Anm. d. Red.], an diesem Tag oder viel mehr an diesem Abend wird zum ersten Mal meine ›Lucia di Lammermoor‹ am königlichen Theater von San Carlo gegeben. Proben: sehr gut! Vorstellung: im Moment noch ungewiss. Doch sicher nicht ungewiss sind zwei Dinge: Das ist zum einen die Cholera und die Tatsache, dass ich nach Turin und nach Venedig zum Karneval reise. Für Turin ›Gli illinesi‹, für Venedig ›Belisario‹.«

29. September 1835 Donizetti schreibt an Ricordi:

»… und sehen Sie es mir freundlich nach, wenn ich es mir herausnehme, die Wahrheit zu sagen: Sie hat gefallen, sie hat sogar außerordentlich gefallen, wenn ich dem Beifall und den Komplimenten trauen darf, die mir gemacht wurden. Oft wurde ich herausgerufen, die Sänger noch öfter.«

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