»Semper!«-Magazin

EINS 2021/22

Liebes Publikum,

es geht wieder los! Wie oft haben wir dies schon gesagt, gehört und darauf gehofft. Doch wohnte für uns diesen Worten selten solch eine Bedeutung inne wie heute. Jetzt startet die Semperoper wieder mit einem dichten Programm, voller Elan und einem exzellenten künstlerischen Angebot in die neue Saison.

Freuen Sie sich mit uns auf einen Premierenreigen von 15 Neuproduktionen. Allein in den ersten zwei Monaten bringen wir Bellinis »Norma«, Verdis »Don Carlo«, den mehrteiligen Ballettabend »A Collection of Short Stories« – eine Hommage an unseren Ballettdirektor Aaron S. Watkin zu seinem 15. Jubiläum – sowie die Kinderoper »Drei miese, fiese Kerle« von Zad Moultaka auf die Bühne.

Weiterlesen

Peter Konwitschny, Vera Nemirova und Annika Nitsch zeichnen für die Inszenierungen verantwortlich, wir erwarten im Opernbereich Dirigent*innen am Pult der Sächsischen Staatskapelle, wie Gaetano d’Espinosa, Ivan Repušić und Ilya Ram, wir erleben das Semperoper Ballett mit Choreografien von William Forsythe, Marius Petipa, Aaron S. Watkin, David Dawson, Jorma Elo sowie Nicholas Palmquist. Darauf freue ich mich sehr, so sehr wie auf unsere exquisiten Sänger*innen-Besetzungen.

Und auch darüber freue ich mich: Dass mein Vertrag als Intendant der Semperoper bis zum Ende der Spielzeit 2023/24 verlängert wurde. Die Option, bis zu meinem 68. Lebensjahr die Geschicke der Semperoper im Gleichklang mit der Vertragslaufzeit von Chefdirigent Christian Thielemann gestalten zu können, erfüllt mich mit Stolz. Die Semperoper war in ihrer langen Tradition immer dem Neuen und dem Gegenwärtigen verpflichtet. Diesem Gedanken werde ich zusammen mit meinem künstlerischen Team weiter folgen.

Ich bedanke mich bei all denen, die in den vergangenen Monaten ihren Optimismus beibehalten haben, und die mit uns zuversichtlich geblieben sind, wie die vielen aufmunternden Zuschriften zeigen. Besonders dankbar bin ich für die Zuwendungen, die es uns ermöglicht haben, auch in Zeiten des allgemeinen Stillstands unser Education-Programm aufrecht zu erhalten sowie unsere hochkarätigen Opernaufzeichnungen von »Die Zauberflöte« und »Capriccio« mit Arte Concert realisieren zu können, um unserem weltweiten Opernpublikum verbunden zu bleiben.

Mein besonderer Dank gebührt dem Freistaat Sachsen, namentlich seiner Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, für den engen konstruktiven Austausch in allen die Pandemie betreffenden Entscheidungen. Besonders auch dafür, dass in vorbildhafter Weise der traditionsreichen Einrichtung der Sächsischen Staatstheater mit all ihren großartigen Ensembles wie der Staatskapelle, dem Staatsopernchor, dem Semperoper Ballett sowie den Werkstätten und all den anderen Angestellten jederzeit zur Seite gestanden wurde.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch in unserem Hause,

Ihr
Peter Theiler
Intendant der Sächsischen Staatsoper Dresden


Ansichten

Deutungshoheit im Auge der Betrachtenden

Nach Andreas Mühe, Gerhard Richter und Cornelius Völker hat die Semperoper mit dem Fotografen Thomas Ruff einen weiteren international herausragenden Künstler gewinnen können, der eine Auswahl aus seinen Arbeiten für die Gestaltung der Premierenmotive der Semperoper zur Verfügung stellt.

Weiterlesen

1958 in Zell am Harmersbach geboren, zählt der Fotograf zu den bedeutendsten Künstler*innen seiner Generation als prominenter Vertreter der Kunstakademie Düsseldorf. Thomas Ruffs Reputation in der Kunstwelt liegt nicht zuletzt in seiner sehr konkreten Auseinandersetzung mit der Sezierung von Sehgewohnheiten begründet, wenn er in seinen monumentalen Fotoserien von Alltagsgegenständen, Interieurs, aber auch Bildbearbeitungen aus Magazinen, Archiven, Zeitungen und Sammlungen den Wahrheitsanspruch traditioneller Abbildungsformen in Frage stellt.

Bereits in den frühen 1980er Jahren erlangte Ruff als Student in der Klasse von Bernd und Hilla Becher durch seine Fotoserien »Portraits« und »Interieurs« Aufmerksamkeit in der Kunstszene, insbesondere durch eine kühl-distanzierte Aufnahme- und Lichttechnik, mit der er die scheinbare Alltäglichkeit dargestellter Personen und Gegenstände in klarer Bildsprache fasst. Es folgten in seinem Schaffen bahnbrechende Serien, wie »Sterne«, bei der der Fotograf Negative aus dem Archiv der Europäischen Südsternwarte verwendete, und »Cassini«, entstanden aus bearbeiteten NASA-Weltraumbildern, oder die der auf gewaltige Formate aufgeblähten digitalen »jpges«, die seine frühen gestochen scharfen Arbeiten kontrastierten und die Bilder in ihren Bildpunkten, den Pixeln, wie durch ein Brennglas sezieren. Der vielfach ausgezeichnete Fotograf, dessen Arbeiten zahllose internationale Ausstellungen weltweit bereichern, lebt und arbeitet heute in Düsseldorf.

Für die Gestaltung der Premierenmotive für die Spielzeit 2021/22 wählte die Semperoper Dresden gemeinsam mit dem Künstler Werke aus den verschiedenen Werkgruppen aus, die trotz ihrer Heterogenität einen stimmigen Bildzyklus ergeben. Entscheidend für die Auswahl war die Plakativität der Motive, die ihre jeweilige Deutungshoheit im Auge der Betrachtenden belassen und das subjektive Empfinden der Rezipient*innen ansprechen, gleichzeitig aber auch die vermeintlich neutrale Aussage der Motive selbst wieder in Frage stellen. Wie die einzelnen Bühnenwerke erzählen die Motive ihre jeweils eigene Geschichte und evozieren Parallelen zu Bühnengeschehen und theatralen Vorgängen.

Susanne Springer

Nahaufnahme

Höhenflug

Die Semperoper wird von der Pantherquadriga gekrönt, für deren Gestaltung Johannes Schilling, Professessor der Königlichen Kunstakademie zu Dresden, um 1870 beauftragt worden war. In der Höhe wirkt die Skulptur wie ein Leitmotiv: Dionysos, Gott der Freude und der Ekstase, führt auf dem zweirädrigen Wagen mit vier angeschirrten Panthern – er war einst als Kind von Panthern gesäugt worden – Ariadne als seine Braut heim. Er fand sie alleingelassen auf der Insel Naxos, auf seiner Flucht vor den Sirenen, und führte sie in seinem Wagen zum Himmel, wo Zeus sie zur unsterblichen Göttin verwandelte. Symbolhaft ist die Quadriga von Gottfried Semper auf die Spitze der Exedra gesetzt worden, den theatralischen Rausch der Vergöttlichung menschlichen Geschicks andeutend. Im Mai 2021 wurde die Skulptur mittels Heißwachsverfahren übrigens frisch konserviert und lädt weiterhin dazu ein, den Rausch in der Semperoper endlich wieder selbst neu erfahren zu können.

Premiere

Unter Zugzwang

Mit Vincenzo Bellinis »Norma« in der Inszenierung von Peter Konwitschny eröffnet die Semperoper die neue Spielzeit

Bühnenbildmodell zur Neuinszenierung von »Norma«
Bühnenbildmodell zur Neuinszenierung von »Norma« © Semperoper Dresden/Lukas Kober

Vor mehr als 110 Jahren wurde Vincenzo Bellinis »Norma« zuletzt in der Semperoper gespielt, sieht man von einer konzertanten Aufführung im Jahr 2006 einmal ab. Das ist erstaunlich, denn »Norma« war und ist eine der berühmtesten Opern des 19. Jahrhunderts, ein Werk, für das sich Giuseppe Verdi ebenso begeistern konnte wie Richard Wagner, und eine Oper, die spätestens durch den Einsatz von Maria Callas in den 1950er Jahren wieder Einlass in das Repertoire gefunden hat.

Vor allem aber ist »Norma« ein politisches Stück. Als Vincenzo Bellini die Oper 1831 für das Mailänder Teatro alla Scala komponierte, die auf einem im selben Jahr uraufgeführten französischen Drama basiert, stand Norditalien unter österreichischer Herrschaft. Unschwer konnten die zeitgenössischen Zuschauer*innen in der Geschichte aus der Zeit der römischen Besatzung Galliens Parallelen zu ihrer eigenen Zeit erkennen – und der »Guerra «-Chor aus dem zweiten Akt der Oper wurde in der italienischen Befreiungsbewegung viel früher zur Hymne als der später bekannte Gefangenenchor aus Verdis »Nabucco«.

Weiterlesen

Doch weit brisanter als dieser tagespolitische Aspekt ist bereits das Grundthema der Oper: Norma ist Priesterin des Kriegsgottes in dem von Römern besetzten Gallien, und sie ist damit die wichtigste politische Entscheidungsträgerin: Ohne ihre Zustimmung darf der bewaffnete Kampf gegen die Besatzungsmacht nicht aufgenommen werden. Diese politische Machtstellung nutzt Norma. Sie verhindert den Krieg, aber nicht aus pazifistischen Gründen, sondern weil sie ein Verhältnis mit dem römischen Prokonsul Pollione eingegangen ist und mit ihm bereits zwei Kinder hat. Bellinis Oper schildert also ein religiös-politisches System, das einer Frau eine ungewöhnliche Macht über den »männlichsten« Bereich der Politik zuweist, nämlich die Frage von Krieg und Frieden. Doch genau dieses von Norma fein austarierte System gerät ins Wanken, als Pollione nach Rom zurückberufen wird und Norma herausfindet, dass der Vater ihrer Kinder längst ein Verhältnis mit der jüngeren Novizin Adalgisa hat und diese anstelle von Norma mit nach Rom nehmen will. Norma kann ihre Position als religiöse Anführerin nur aufrechterhalten, wenn sie entweder die unschuldige Adalgisa opfert oder ihren untreuen Geliebten. Sie entschließt sich jedoch, ihre eigene Schuld zu enthüllen – und damit sich selbst zu opfern.

Regisseur Peter Konwitschny, der in der Semperoper zuletzt Giacomo Meyerbeers »Die Hugenotten « inszenierte, stellt vor allem politische Fragen an Bellinis Oper: Was ist das für ein politisches System, in dem die wichtigste Entscheidung von einer Frau getroffen wird? Geht es im Konflikt zwischen Norma und Pollione wirklich nur um das Scheitern einer Liebe – oder nicht vielmehr um den Kampf zwischen Matriarchat und Patriarchat, um grundlegende Kampfplätze der abendländischen Kultur also? Doch Konwitschny begnügt sich nicht damit, ein politisches System auf die Bühne zu bringen, sondern ist immer auch ein scharfer und dabei sehr humorvoller Beobachter menschlichen Verhaltens. Und ein großer Teil der »Norma«-Handlung ist eine Dreiecksgeschichte, die das Zeug zu einer Komödie hätte: Eine junge Frau berichtet einer anderen Frau, dass sie sich in einen Mann verliebt hat. Die ältere fühlt sich an den Beginn ihrer eigenen Liebe erinnert, und plötzlich merken beide, dass sie in den gleichen Mann verliebt sind. In vielen seiner Inszenierungen hat Peter Konwitschny selbstbestimmte und hellsichtige Frauen porträtiert, und auch Norma ist eine solche Frauenfigur, die nicht als Opfer in den Tod geht, sondern bis zum Schluss ihre Autonomie behauptet.

Berühmt wurde »Norma« jedoch nicht nur als politisches Drama, sondern auch als eine Tragödie für großartige Sängerdarsteller*innen. Bellini selbst hat die Titelrolle einer der berühmtesten Sängerinnen seiner Zeit auf den Leib geschrieben: Giuditta Pasta. Eine Norma-Darstellerin muss sowohl lange melodische Bögen singen als auch virtuose Koloraturen, sie muss über feine Nuancen ebenso verfügen wie über den großen dramatischen Ausbruch, und die Wandlung von der politisch mächtigen Priesterin zu einer Mutter, die beinahe ihre eigenen Kinder tötet, glaubhaft machen. Bereits zur Zeit der Uraufführung wurden diese Anforderungen an eine Sängerin als »enzyklopädisch« beschrieben. In der Semperoper wird nun Yolanda Auyanet in dieser herausfordernden Partie ihr Debüt geben. Die spanische Sängerin, die die Rolle zuletzt am Staatstheater Stuttgart und am Teatro Real Madrid sang, ist längst als eine der führenden Norma-Darstellerinnen etabliert. Ihr zur Seite steht der Tenor Dmitri Popov als Pollione sowie aus dem Ensemble der Semperoper Stepanka Pucalkova als Adalgisa sowie Joseph Dennis, Roxana Incontrera und Alexandros Stavrakakis als Oroveso.

Doch man sollte sich hüten, Bellinis Oper mit ihren hohen Anforderungen an die Sänger*innen als reine Belcanto-Oper abzutun. Bellini, der anders als der etwa gleichaltrige Gaetano Donizetti ein langsamer und gewissenhafter Komponist war, hat in seinen Opern versucht, mit den Mitteln des Belcanto musikalische Dramen zu transportieren. In »Norma« gibt es nur zwei Arien, die noch dazu beide im ersten Akt erklingen. Und während die beiden Duette zwischen den beiden Frauen Norma und Adalgisa durchaus noch in der Tradition Gioachino Rossinis stehen, ähnelt die entscheidende Szene zwischen Norma und Pollione im zweiten Akt nur noch entfernt einem Opernduett. Hier wird aus einer lang ausgesponnenen Melodie das spannende Rededuell zweier Menschen, die auf tödliche Weise miteinander verbunden sind. Der italienische Dirigent Gaetano d’Espinosa, der mit »Norma« seine erste Premiere in der Semperoper dirigieren wird, begreift die Oper vor allem aus dem Geist der italienischen Romantik. D’Espinosa, der das Werk bereits am Teatro La Fenice in Venedig dirigierte, bewundert die zahlreichen musikalischen Details, die Wechsel von Dur und Moll und die genaue Ausarbeitung von Bellinis Partitur, die vor allem in der Kritischen Partiturausgabe seit einigen Jahren wieder sichtbar geworden sind.

Übrigens: Leser*innen von »Asterix«-Comics mögen erstaunt sein, dass in »Norma« eine Frau mit der goldenen Sichel die zauberkräftigen Misteln schneidet, statt eines ehrwürdigen Druiden mit langem weißen Bart. Doch Bellinis Librettist Felice Romani hat seine antiken Quellen genauso gewissenhaft studiert wie der Asterix-Erfinder René Goscinny: Zwar waren die meisten Druiden tatsächlich Männer, aber in einigen keltischen Stämmen hatten auch Frauen höchste politisch-religiöse Ämter inne. 

Kai Weßler

Making-of »Norma« (1/2)

2x2 Fragen

... an Yolanda Auyanet

Die Sopranistin Yolanda Auyanet kommt als Gast in die Semperoper Dresden und interpretiert hier die Titelpartie in »Norma«.

WAS MACHT »NORMA« ZUR »TRAGEDIA LIRICA«?

Norma hat eine sehr starke Ähnlichkeit mit der Gestalt der Medea aus der griechischen Mythologie und ist ein direkter Abkömmling dieser griechischen Tragödie. Eine Heldin, die mit ihrem vermeintlichen Schicksal und ihren Entscheidungen ringt. Das Drama, das daraus entsteht, enthält alle Zutaten einer echten Tragödie, begleitet von einer Musik voller Pathos, die gleichzeitig ungemein klassisch ist.

 

SPIEGELT NORMA EIN STARKES FRAUENBILD WIDER?

In der Öffentlichkeit ja, aber in privaten Situationen zeigt sie – ohne es zu wollen – ihre ganze Zerbrechlichkeit, ihre Unsicherheit, ihre Menschlichkeit.

WAS IST DIE HERAUSFORDERUNG DER BERÜHMTEN ARIE »CASTA DIVA«?

Die Herausforderungen sind unterschiedlicher Natur. Zuallererst die technische Schwierigkeit: Die Arie ist eines der höchsten Beispiele für reinen Belcanto; und dann ist es auch noch das Allererste, was Norma singt, und natürlich die Arie, auf die alle warten. Und schließlich der unvermeidliche Vergleich mit den Sopranistinnen, die diese Rolle zuvor gesungen haben.

 

NORMA ODER MEDEA?

Absolut Norma: Sie hält inne, bevor sie eine abscheuliche Geste vollführt; sie bereut, verzeiht und opfert sich selbst.

kurz und bündig

In neuem Glanz

In der Sommerpause ist einiges in der Semperoper passiert: Die Drehbühne bekam einen neuen Belag, sieben Millimeter Stahl wurden auf die Führungsschiene aufgeschweißt – der Bühnenwagen rollt wieder einwandfrei – im Orchestergraben wurde neues Parkett verlegt, im Rundfoyer die Vorhänge sowie die Bezüge der Polsterbänke und der anderen Sitzmöbel im Foyer erneuert.

»Die Stunde schlägt; wir seh’n uns wieder!«

Ängstlich, nicht bei ihrem Tamino bleiben zu können und fürchtend, gar ewig getrennt von ihm zu werden, singt Pamina aufgelöst: »O liebtest du, wie ich dich liebe, du würdest nicht so ruhig seyn!« Doch Sarastro und Tamino entgegnen ihr zuverlässig gestimmt: »Glaub mir, er fühlet / ich fühle gleiche Triebe, Wird / Werd’ ewig dein Getreuer seyn!« und so geht Tamino seines Weges, um Mündigkeit, Verschwiegenheit und Standhaftigkeit zu beweisen, in der Hoffnung, dadurch seine Pamina für immer bei sich haben zu können …

Wolfgang Amadeus Mozart, »Die Zauberflöte«


Szene aus »A Collection of Short Stories«
Premiere

Ich liebe es, Geschichten zu erzählen

Im Oktober kehrt das Semperoper Ballett mit der Premiere von »A Collection of Short Stories« auf die Bühne zurück

»A Collection of Short Stories« ist eine Rückschau auf 15 Jahre Semperoper Ballett unter der künstlerischen Leitung von Ballettdirektor Aaron S. Watkin und gibt mit Werken von William Forsythe, Marius Petipa und Lew Iwanow, David Dawson, Jorma Elo und Nicholas Palmquist zugleich einen Einblick in das umfassende Repertoire der Dresdner Company. Besonders wichtig war es Aaron S. Watkin dabei, den stilistischen Bogen des Ballettabends von klassisch bis modern zu spannen und sowohl Choreografen eine Bühne zu geben, die mit dem Semperoper Ballett seit Jahren eng verbunden sind – wie William Forsythe und David Dawson –, als auch neue Handschriften zu präsentieren, wie die von Jorma Elo und Nicholas Palmquist.

Weiterlesen

Mit eigenen Interpretationen des »Weißer Schwan«-Pas de deux’ aus »Schwanensee« und des »Odalisques«-Pas de trois’, einem Divertissement für drei Tänzerinnen aus »Le Corsaire«, zeigt Watkin zwei Ausschnitte aus klassischen Handlungsballetten und zollt damit zugleich den Meistern des klassischen Balletts, Marius Petipa und Lew Iwanov, Tribut. Während »Le Corsaire« in der Komposition von Adolphe Adam bisher noch nicht in Gänze in der Semperoper zu sehen war, kreierte Aaron S. Watkin für seine Company 2009 eine zeitlos elegante Variante des weltberühmten Klassikers »Schwanensee«, anknüpfend an die Version von Marius Petipa und Lew Iwanow aus dem Jahr 1895.

Mit William Forsythes 1996 am Ballett Frankfurt uraufgeführten Kreation »The Vertiginous Thrill of Exactitude« ist wiederum ein Stück eines/einer der wichtigsten Vertreter*innen des zeitgenössischen Balletts zu erleben. Forsythe, der 2020 den »FAUST«- Theaterpreis für sein Lebenswerk erhielt, nannte dieses Werk auch einmal eine »perfekte Stilübung in Sachen neo-klassisches Ballett«, und spielt darin mit schwindelerregender Genauigkeit und einer guten Portion Ironie mit seinem großen Vorbild George Balanchine und seinen eigenen Erfahrungen als Tänzer. Bei der Uraufführung und den folgenden Vorstellungen waren die Tänzer*innen deshalb nicht nur in betont ausgestellten Tutus und Spitzenschuhen zu sehen, sondern tanzten zur Musik von Franz Schubert auch vor einem Bühnenhorizont, auf dem die Worte »Himmelblauer Hintergrund« zu lesen waren. »Die Farbe Blau ist ebenfalls eine Anspielung auf Balanchines Ästhetik und dem Publikum sehr vertraut. Wir wussten jedenfalls in diesem konkreten Fall davon nichts und waren ziemlich perplex, als die Zuschauer* innen in schallendes Lachen ausbrachen«, erklärt Ballettmeisterin Laura Graham, die damals mit ihren Kolleg*innen die Uraufführung tanzte. »Heute verwenden wir diese Beschriftung bei einer Wiederaufnahme nicht mehr, aber das Augenzwinkern, mit dem Forsythe diese Choreografie mit uns erarbeitet hat, ist immer noch zu spüren.«

Associate Choreographer David Dawson, der bereits 13 Kreationen für die Dresdner Company geschaffen hat, zeigt mit »FAUN(E)« ein Pas de deux zur berühmten Komposition »Prélude à l’après-midi d’un faune« von Claude Debussy in der Fassung für zwei Klaviere. Atmosphärisch und dicht wirft er in diesem 2009 in London uraufgeführten Duett, das sowohl von zwei Männern als auch von zwei Frauen getanzt werden kann, immer wieder die Frage nach Dualität und Identität auf. Der finnische Choreograf Jorma Elo, der 2010 mit dem begehrten Prix Benois de la Danse ausgezeichnet wurde, entwickelte das Solo »Still of King« zur Musik von Joseph Haydn 2011 speziell für Marcelo Gomes, der seit 2020 Erster Solist des Semperoper Ballett ist. Das achtminütige Solo beschreibt die Lebensgeschichte eines Monarchen in Jorma Elos eigener Bewegungssprache, die von klassischen Ballettschritten bis hin zu abstrakteren Bewegungen reicht. »Jorma Elo ist einer der kreativsten und angenehmsten Choreografen, die ich kenne«, erzählt Marcelo Gomes. »Dieses Solo liegt mir sehr am Herzen, und ich freue mich sehr darauf, es nach meiner ersten Spielzeit in Dresden mit dem Publikum teilen zu dürfen.«

Die titelgebende Uraufführung des Abends »A Collection of Short Stories« stammt von Nicholas Palmquist. Der junge US-amerikanische Choreograf stellte sich in der Semperoper bereits mit seiner Kreation »These Arms« im Rahmen der Ballettgala »Semper Essenz: We will dance!« vor und kreierte mit den Tänzerinnen und Tänzern des Semperoper Ballett nun »A Collection of Short Stories«: »Es war nicht einfach, dieses Stück während der Pandemie zu entwickeln, aber mir war es wichtig, dass ›A Collection of Short Stories‹ etwas ist, dass den Tänzer* innen und dem Publikum die Möglichkeit gibt, aus den Erfahrungen der vergangenen Monate und der Isolation auszubrechen und Zuflucht in etwas Neuem zu finden«, so Palmquist. Zur Musik der zeitgenössischen kanadischen Komponistin und Pianistin Alexandra Stréliski schrieb Nicholas Palmquist zunächst eigene Gedichte und Geschichten und entwickelte davon ausgehend eine Choreografie aus acht kurzen Erzählepisoden. »Mir war es wichtig, die einzelnen Geschichten nie mit einem ungewissen Gefühl enden zu lassen, sondern die Möglichkeit zu geben, aus ihnen etwas zu lernen. Ich wünsche mir, dass die Zuschauer*innen darin Dinge entdecken, denen sie zustimmen oder vielleicht auch widersprechen können.« 

Bianca Heitzer 

Making-of »A Collection of Short Stories«

Making-of »A Collection of Short Stories« mit dem Choreografen Nicholas Palmquist
Vorgestellt

Inspiration ist das Lebenselixier

Das Semperoper Ballett feiert die 15-jährige Leitung der Company durch Aaron S. Watkin – 15 Jahre prall gefüllt mit Innovationen, Klassischem, Modernem, Vielseitigkeit und engem Kontakt zum Publikum

Die eigentliche Jubiläumsspielzeit 2020/21, in der das Semperoper Ballett die 15-jährige Zusammenarbeit mit Aaron S. Watkin feierte, ist »etwas ungewöhnlich« abgelaufen, wie der sympathische Kanadier, der seit 2006 die Geschicke der Dresdner Company leitet, bescheiden anmerkt. Die Deutsche Erstaufführung von Johan Ingers »Peer Gynt« und der hochkarätig besetzte mehrteilige Ballettabend »Playlist«, u.a. mit einer Kreation der kanadischen Choreografin Crystal Pite, mussten ebenso kurzerhand verschoben werden wie David Dawsons Uraufführung der »Vier letzten Lieder« auf die gleichnamige Komposition von Richard Strauss. Aber Watkin schaut nach vorn und nimmt jede Erfahrung, jeden Einschnitt als Teil einer stetigen (kreativen) Weiterentwicklung auch mit ins 16. Jahr.

Weiterlesen

»In den vergangenen 15 Jahren habe ich sehr viel erlebt – nicht nur Positives –, viel gelernt, mich ästhetisch permanent weiterentwickelt und meine eigene Vision einer Company, die im klassischen wie im zeitgenössischen Repertoire zuhause ist, umsetzen können. Ich hatte die Möglichkeit, Werke von George Balanchine, William Forsythe oder die über Jahre vorbereitete Neukreation der ›Iphigenie auf Tauris‹-Produktion von Pina Bausch nach Dresden zu holen und konnte damit einige Glanzpunkte schaffen.« Viele Uraufführungen und Neukreationen sind seither für die Dresdner Company entstanden. Vor allem aber die Begegnungen mit Menschen haben Aaron S. Watkins Verhältnis zur Kunst, zu Dresden und seiner Company stark geprägt. »Allen voran ist Prof. Gerd Uecker, der ehemalige Intendant der Semperoper, jemand, dem ich sehr zu Dank verpflichtet bin. Seine Vision von Dresden als einer Stadt des Tanzes, in der die Company der Semperoper eng mit der Palucca Hochschule für Tanz zusammenarbeitet, hat mich hierhergebracht. Dieser Grundstein war sehr wichtig für mein Selbstverständnis als Direktor und zukünftiger Teil der Kunstszene Dresdens.« Schon vor seinem Start 2006 kannte Aaron S. Watkin die Stadt. Er hatte hier als choreografischer Assistent ein Stück von William Forsythe, seinem Mentor und in vielen Dingen ästhetischen Vorbild, einstudiert. »2006 war ein echter Neustart. Ein Großteil der Company wechselte, und ich habe viele Tänzer*innen und Ballettmeister*innen persönlich hierher eingeladen. Jede*r Tänzer*in ist einzigartig in seiner/ihrer Persönlichkeit und seinem/ihrem Können. Das will ich zeigen und überlege bei jedem neuen Stück, wer sich dort wie am besten präsentieren kann. William Forsythe und der englische Choreograf David Dawson, beide bedeutende Künstler des zeitgenössischen Tanzes, waren mit ihren Stücken und ihrer Ästhetik ein wichtiger Grundstein für die Ausrichtung und das Repertoire, das die Company heute beherrscht. Dazu kommen natürlich viele weitere namhafte Choreografen wie Marius Petipa, Johan Inger, Stijn Celis, Alexander Ekman und viele andere.« Das Ziel, das Watkin heute genau wie am ersten Tag verfolgt, ist vor allem, die internationale Bekanntheit seiner Company zu steigern – in den vergangenen Jahren war das Ensemble fast in jeder Spielzeit auf einer großen Tournee in Asien oder Australien unterwegs und, als »Kirsche auf der Torte«, 2017 zum Gastspiel an der Pariser Oper eingeladen. Darüber hinaus sieht Watkin den Erfolg seiner Company auch in der sorgfältigen Ausbildung und Förderung junger Tänzer*innen und Choreograf*innen. Regelmäßig sind gemeinsame Projekte des Semperoper Ballett mit der Palucca Hochschule für Tanz im Spielplan zu finden, sei es die jährliche Gala der Hochschule oder die Mitwirkung der Student*innen an Produktionen der Company. »Für die Arbeit als Direktor brauche ich Inspiration, immer wieder neue Gesichter, neue Bewegungssprachen, künstlerische Mitarbeiter*innen. Das ist das Lebenselixier. Stillstand ist das Ende aller Kunst. Also, bleiben wir in Bewegung!« – Und beginnen die neue Spielzeit mit dem mehrteiligen Ballettabend »A Collection of Short Stories«, der Aaron S. Watkins Vision weiterführt. 

Juliane Schunke


Ansichten

Die Zauberflöte

Natur, Weisheit und Vernunft: Der Regisseur Josef E. Köpplinger inszeniert den beliebten Opernklassiker im neuen Gewand als eine Geschichte des Erwachsenwerdens mit kraftvollen Video-Installationen und farbenfrohen Leuchtschriften.

Termine und Karten


Premiere

Mach die Drei so klein – mit Hut!

Im Oktober ist die Kinderoper »Drei miese, fiese Kerle« in Semper Zwei zu erleben

Premierenplakat »Drei miese, fiese Kerle«

Die Kinderoper »Drei miese, fiese Kerle«, die 2019 im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen uraufgeführt wurde, beruht auf dem gleichnamigen Buch von Paul Maar. Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Kinder- und Jugendbuchautor und Übersetzer wurde vor allem mit seinen Geschichten rund um das »Sams« bekannt und veröffentlichte 2008 die Mutmachgeschichte für Kinder »Drei miese, fiese Kerle«:

Weiterlesen

Konrad wohnt mit seinen Eltern in einem hübschen Haus und alles könnte so schön sein – wäre da nicht das rußige Schloss um die Ecke, in dem drei miese, fiese Kerle hausen. Frei nach ihrem eigenen Motto »fies zu sein, bedarf es wenig, denn wer fies ist, der ist König« treiben das Gespenst, das dicke Ungeheuer und der bleiche Nachtmahr in der Nachbarschaft ihr Unwesen und erschrecken immer wieder Wanderer, die daraufhin in Ohnmacht fallen und mit dem Krankenwagen, begleitet von lautem Sirenengeheul und Blaulicht, abtransportiert werden müssen. Bis Konrad eines Tages genug hat: Mit Anti-Gespensterkugeln in der Tasche macht er sich auf den Weg zum rußigen Schloss, um den drei gruseligen Fiesen das Handwerk zu legen. Aber wie überlistet man ein übelriechendes Gespenst, ein Nachtmahr, das für böse Träume sorgt, und ein riesiges Ungeheuer mit Mundgeruch? Zum Glück gibt es da noch die karierte Katze an Konrads Seite, die ihm dabei hilft, die drei miesen, fiesen Kerle zu besiegen und deren Überreste geschickt zu beseitigen. Bis eines Tages ein Wanderer von einer riesengroßen Katze erschreckt wird …

Der Regisseur und Leiter von Semper Zwei, Manfred Weiß, der bereits verschiedene literarische Stoffe, wie Astrid Lindgrens »Nils Karlsson Däumling«, für die Opernbühne adaptiert hat, entwickelte daraus das Libretto: »Als ich das Buch von Paul Maar mit den Zeichnungen von Susann Opel- Götz zum ersten Mal in den Händen hielt, war es Liebe auf den ersten Blick. Ich war begeistert von der Geschichte des Jungen Konrad, der sich auf den Weg macht, um gegen seine Ängste anzukämpfen und ich sah darin einen tollen Stoff für die Opernbühne. Das Libretto entstand in kürzester Zeit, und ich war sehr glücklich, dass Paul Maar damit einverstanden war.« Mit der Vertonung des Stücks wurde der libanesisch- französische Komponist Zad Moultaka beauftragt. Mithilfe von fünf Sänger*innen, die in insgesamt elf unterschiedliche Rollen schlüpfen, sowie einem Kammerorchester, bestehend aus Kontrabass, Klarinette, Tuba, Trompete, Fagott und jeder Menge Schlaginstrumenten, bringt er Konrads Welt farbenfroh zum Klingen. Inszenieren wird Zad Moultakas Oper in Semper Zwei die Regisseurin Annika Nitsch, die damit ihr Debüt in Dresden gibt. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen des jungen Dirigenten Ilya Ram. Neben der Neuproduktion »Drei miese, fiese Kerle« gibt es in dieser Spielzeit in Semper Zwei noch viele weitere Angebote für Kinder und Familien, darunter »Schneewitte«, »Kapelle für Kids« und »Gestatten, Monsieur Petipa!«.

Bianca Heitzer

Abgestaubt

Auf den ersten Blick erkannt?

In den Semper!-Ausgaben dieser Spielzeit »entstauben« wir für Sie ein seltenes, historisches Fotokonvolut und geben einen Einblick, wie wir verblassender Geschichte detektivisch »auf die Schliche« kommen …

»Auf den ersten Blick erkannt!« Bei dieser gebräuchlichen Redewendung wird suggeriert, dass ein kurzer »Augen-Blick« genügen würde, um das Gegenüber – sei es eine Person oder das Foto einer Person – richtig zu bestimmen und sogleich in die passende »Schublade« einzuordnen. Wer, wo, mit wem gerade auf einem Foto festgehalten wurde, lässt sich heutzutage relativ unkompliziert herausfinden – je jünger dabei das Bild, desto einfacher die Recherche. Aber was, wenn die Aufnahmen viele Jahrzehnte alt sind, sich deren Herkunft nicht mehr rekonstruieren lässt oder wenn keine Zeitzeug*innen mehr zu den Abbildungen befragt werden können?

Weiterlesen

Es gehört zu den grundlegenden Aufgaben des Historischen Archivs der Sächsischen Staatstheater, die umfangreichen Bestände zu erschließen und möglichst viele Informationen zu einem Objekt zu sammeln. Doch häufig sind dafür aufwendige Recherchen vonnöten: Welche formalen Kriterien, wie Größe, Materialart und Erhaltungszustand, geben Auskunft über die Objekte? Welche Bedeutungen haben Nummerierungen, Prägungen, Aufkleber, Stempel? Und schließlich, wann und in welchem Kontext wurde das Bild aufgenommen und wer ist darauf abgebildet? Selten gibt es auf alle Fragen vollständige Antworten. Aber jedes noch so kleine Indiz, jedes Puzzleteilchen, hilft, Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen. Der historische Fotobestand des Archivs aus den Jahren 1865 bis 1945 umfasst circa 13.000 Portrait- und Inszenierungsfotos und wird in einem klimatisierten Magazin in nach ISO Standard entwickelten und PAT-getesteten Archivverpackungen aufbewahrt. Das besagte Fotokonvolut, das in dieser Reihe Schritt für Schritt erschlossen wird, lässt sich in diesen Teilbestand einordnen. Es besteht aus insgesamt 13 Originalabzügen, auf denen sowohl einzelne Protagonisten*innen als auch Ensemblegruppen abgebildet sind. Die Größe der Abzüge variiert zwischen 9x13 cm bis 12x17 cm. Die Negative der Fotografien sind nicht in unserem Bestand überliefert. Leider lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren, wann und unter welchen Umständen das Fotokonvolut seinen Weg ins Historische Archiv gefunden hat. Der Eigentumsstempel auf dem Karton, auf dem die Bilder ursprünglich für eine angemessene Präsentation aufgeklebt waren, deutet darauf hin, dass sich das Konvolut seit mindestens 40 Jahren im Besitz der Staatsoper Dresden befindet. Viele dieser formalen Aspekte sind nach kurzer Betrachtung schnell zusammengetragen und geben in der Phase der »Beweisaufnahme« eine grundsätzliche Struktur. Doch bereits an dieser Stelle wird deutlich: Ein erster Blick reicht für die oft schwierige Wahrheitsfindung nicht aus. Es wird weitere geben müssen. Wir sind gespannt … 

Katrin Böhnisch

Staatskapelle

Ein Meisterwerk zum krönenden Abschluss

Mit den Symphonien Nr. 8 und Nr. 9 beendeten Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle ihren vor zwei Jahren begonnenen Beethoven-Zyklus. MDR Kultur & Klassik senden den Mitschnitt des Saisonauftakts am 22. Oktober 2021 ab 20.05 Uhr

Die Pandemie hat vielen Plänen zum Beethoven-Jubiläum einen Strich durch die Rechnung gemacht – nicht aber jenem Konzert-Zyklus, den Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle dem Komponisten widmeten. Beendet wurde der Beethoven- Zyklus nun im 1. Symphoniekonzert mit der Kombination der Achten und Neunten: Eine Zusammenstellung, die selten zu erleben ist, denn scheinbar liegen Welten zwischen diesen beiden letzten symphonischen Werken des Klassikers.

Weiterlesen

Die Achte steht oft im Schatten ihrer berühmten Schwester. Sie ist es dennoch wert, ebenso intensiv gehört zu werden. Ohne jede Vorbereitung beginnt in ihrem Hauptsatz das kompakte F-Dur-Hauptthema auf seinem höchsten Ton und versetzt den Hörer direkt ins Geschehen. Erst nach 36 Takten folgt der Seitensatz in der »falschen« Tonart D-Dur. Das korrekte C-Dur wird erst im Nachsatz erreicht.

Das Thema des zweiten Satzes geht angeblich auf einen Kanon zurück, den Beethoven für den Metronom- Erfinder Johann Nepomuk Mälzel verfasst haben soll: In der tickenden Staccato-Begleitung hörten darum Heerscharen von Ausdeutern ein Metronom klopfen. Inzwischen hat die Forschung aber nachgewiesen, dass die Geschichte von Anton Schindler frei erfunden wurde.

Generationen von Beethoven-Fans haben sich stets erstaunt gefragt, wie es ein vollkommen taub gewordener Komponist schaffen konnte, ein derart komplexes Werk zu verfassen. Denn nicht nur hinsichtlich der Größe des Orchesters sprengte diese 1824 uraufgeführte Komposition alle bisherigen Dimensionen einer klassischen Symphonie.

Das Monumentalwerk gipfelt im Schlusssatz in der musikalischen Umsetzung von Schillers Ode »An die Freude«. Tatsächlich war es Beethovens lebenslanger Traum, das glühende Plädoyer für eine Welt gleichberechtigter Menschen zu vertonen. So kündigt sich nach zwei Fanfaren auch etwas zuvor Unerhörtes an, wenn die Worte »O Freunde, nicht diese Töne!« eine eindeutige Antwort auf alle zuvor exponierten Konflikte geben. Was zunächst nur instrumental formuliert wurde, drängt nun zur durch einen Chor intonierten sprachlichen Eindeutigkeit: »Freude!«

Ohne es selbst zu hören, hat Beethoven so ein Meisterwerk geschaffen, das zur Hymne der Europäischen Union wurde und als erste Komposition ins Welterbe der UNESCO aufgenommen wurde. Seine Neunte, an der der Komponist sechs Jahre lang arbeitete, war gleich bei der Uraufführung ein fulminanter Erfolg. Ihre Aufführung in der Semperoper ist unbestritten der Höhepunkt des jüngsten Beethoven- Zyklus’ der Staatskapelle.

Hagen Kunze

»Für mich ist es rückblickend fast ein kleines Wunder, daß wir trotz aller Absagen und andauernden Spielplanänderungen, unseren Beethoven-Zyklus »unbeschadet« durch die Krise gebracht haben. Im vergangenen Oktober konnten wir Beethovens Sechste und Siebte in einem letzten Konzert in der Semperoper zu Gehör bringen. Es war ein für alle beglückendes Erlebnis.

Und nun – fast ein Jahr später – beginnen wir unsere Spielzeit mit Beethovens letzten beiden Symphonien und vollenden damit unseren Zyklus, für den wir uns bewusst zwei Jahre Zeit genommen haben. Fast fühlt es sich an wie der Beginn einer neuen Ära: Auch, wenn wir immer noch mit Einschränkungen leben müssen, dürfen wir nun endlich wieder vor Publikum musizieren, Konzerte planen und einen vorsichtigen, aber hoffnungsvollen Blick in die Zukunft wagen!

Und so scheinen die beiden letzten Symphonien des großen Meisters auch zur aktuellen Zeit zu passen: Die Achte Symphonie irritiert, sie hat eine Doppelbödigkeit, die uns als Zuhörer*innen etwas ratlos zurücklässt. Ich lese dieses Werk heute auch vor dem Hintergrund unserer Pandemie-Erfahrung: Vermeintliche Selbstverständlichkeiten und Gewohnheiten werden urplötzlich hinweggefegt, Grundfesten unseres Zusammenlebens erschüttert …

Und dann aber, Beethovens Neunte. Jeder kennt sie, kaum ein Stück ist so populär wie dieses monumentale Werk. Und dennoch vergessen wir oft, wie radikal neu sie damals den Zuhörenden vorgekommen sein muss. Eine Symphonie, in der vier Gesangssolisten und ein Chor am Schluss auftreten, war revolutionär und absolut unerhört. Vielleicht werden auch Sie den berühmten Schlusschor nach dieser langen Phase der Stille, Unsicherheit und Isolation noch einmal neu und anders hören?«

Christian Thielemann, Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle  

Vorgestellt

Intellektuelle Durchdringung, differenzierte Perspektiven, theatraler Zauber und Überwältigung

Ab der Spielzeit 2024/25 wird Nora Schmid als Intendantin an die Semperoper Dresden zurückkehren. Bereits ab 2010 war sie als Chefdramaturgin und später auch als persönliche Referentin der Intendantin Dr. Ulrike Hessler an der Sächsischen Staatsoper tätig und gehörte nach dem Tod von Dr. Ulrike Hessler im Juli 2012 zur geschäftsführenden Interims-Intendanz der Semperoper Dresden. Mit der Saison 2015/16 übernahm Nora Schmid die Intendanz der Oper Graz. In einem ersten Gespräch verrät die gebürtige Schweizerin kurz nach ihrer Ernennung einiges über ihre Pläne und Ideen für Dresden.

Weiterlesen

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, FRAU SCHMID! SIE TRETEN DIE INTENDANZ DER SEMPEROPER ZU BEGINN DER SPIELZEIT 2024/25 AN UND HABEN DAMIT DREI JAHRE ZEIT FÜR DIE VORBEREITUNG. WIE WERDEN SIE DIESE ZEIT NUTZEN?

In den kommenden beiden Spielzeiten bin ich noch als Intendantin an der Oper Graz tätig, und ich freue mich auf die Realisierung all der bereits geplanten Vorhaben. Glücklich macht mich, dass es uns gelungen ist, all die ursprünglich konzipierten Projekte, die aufgrund der Pandemie nicht umgesetzt werden konnten, nun in diesen zwei Jahren noch auf die Bühne zu bringen. Gleichzeitig widme ich mich natürlich ab sofort auch den Vorbereitungen und Planungen für die Semperoper. Das wird bestimmt eine intensive, spannende, inspirierende Zeit!

DIE SEMPEROPER DRESDEN IST IHNEN AUS DER INNENSICHT KEINE UNBEKANNTE. ALS HAUS MIT GROßER TRADITION, INTERNATIONALER STRAHLKRAFT, ABER AUCH ALS OPERNHAUS MIT EINER LANGEN URAUFFÜHRUNGSTRADITION IST DIE SEMPEROPER BEKANNT. WELCHE SCHWERPUNKTE WOLLEN SIE IN IHRER INTENDANZ SETZEN, WELCHE SPIELPLANLINIEN FORTSETZEN, WELCHE ERGÄNZEN ODER ERNEUERN?

Die Vielfalt und der Reichtum der musikalischen Geschichte Dresdens und der Semperoper ist für mich geradezu eine Einladung und Aufforderung, mich damit kreativ auseinanderzusetzen und auch für Neues inspirieren zu lassen. Allein die Schätze im Historischen Archiv und der Notenbibliothek sind einzigartig. Damit habe ich mich ja bereits zu meiner Zeit als Chefdramaturgin immer wieder mit Freude beschäftigt. Was dann tatsächlich auf der Bühne der Semperoper ab der Saison 2024/25 zu erleben sein wird, kann ich natürlich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten. Ich möchte für die kommenden Jahre ein Programm entwickeln, das, wie gesagt, die so spannende und wechselhafte Geschichte Dresdens und des hiesigen Opernhauses reflektiert und fortführt und das Publikum zur Begegnung mit Neuem, Vergessenem und selten Gespieltem genauso einlädt, wie zu Bekanntem und Populärem. Es ist mir immer ein großes Anliegen, Fantasie zu stimulieren, Neugier zu wecken und zu überraschen. Dabei gehen intellektuelle Durchdringung, differenzierte Perspektiven, theatraler Zauber und Überwältigung Hand in Hand.

WOLLEN SIE AUCH WEITERHIN AN DEN »HAUSGÖTTERN« DER SEMPEROPER – ALLEN VORAN RICHARD WAGNER UND RICHARD STRAUSS – FESTHALTEN?

Natürlich möchte ich dieses kostbare Repertoire pflegen und auch in neue, erweiterte Kontexte stellen. Welches Opernhaus kann schon von sich sagen, so zentrale und vielschichtige Werke wie unter anderem »Tannhäuser« oder »Der Rosenkavalier« zur Uraufführung gebracht zu haben?

NOCH EIN WORT ZUR WEITERENTWICKLUNG DER KUNSTFORM OPER: MÖGLICHERWEISE HABEN SICH NICHT ZULETZT DURCH DIE PANDEMIE SEHGEWOHNHEITEN VERÄNDERT. WELCHE ENTWICKLUNG WIRD MUSIKTHEATER IHRER MEINUNG NACH IN DEN NÄCHSTEN JAHREN NEHMEN?

Was ich durch die Pandemie auch erfahren habe, ist, neu auf das eigene Tun zu schauen, zu erfahren, wie fragil und wertvoll unser Schaffen ist. Ich spüre von Seiten des Publikums hier in Graz eine neu erstarkte Sehnsucht nach großen, emotionalen, gemeinschaftlichen Erlebnissen und dem Austausch darüber. Natürlich hat auch die Digitalisierung einen unglaublichen Schub erlebt, quer durch alle Bereiche unseres Lebens. Und auch für das Musiktheater eröffnet das Digitale viele Möglichkeiten, in künstlerischer, kommunikativer und technischer Hinsicht. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass nichts das wirkliche Liveerlebnis ersetzen kann.

WO LIEGEN IHRE GANZ PERSÖNLICHEN VORLIEBEN UND LEIDENSCHAFTEN IM BEREICH DES MUSIKTHEATERS?

Ich bemerke an mir selbst, dass mich in unterschiedlichen Lebensabschnitten und -situationen jeweils ganz verschiedene Stücke besonders faszinieren, berühren oder auch aufs Neue überraschen. Dabei bin ich ganz offen und neugierig, mir bislang Unbekanntes zu entdecken. Im Verlauf der Jahre verändert sich auch der Blick auf Stücke, die mich manchmal in einer gewissen Lebenssituation ganz besonders angesprochen haben. Deswegen möchte ich mich gar nicht auf bestimmte Werke festlegen, meine Begeisterung für das Musiktheater erstreckt sich von den Anfängen bis in die jüngste Gegenwart.

AUS IHRER ZEIT ALS CHEFDRAMATURGIN KENNEN SIE DRESDEN UND SACHSEN JA BEREITS RECHT GUT. WAS SCHÄTZEN SIE BESONDERS AN DIESER STADT?

Die enorme kulturelle Vielfalt, die interessante geografische Lage mit ihrer Nähe zu Polen und zu Tschechien, die Schönheit und Weite dieser Stadt, die Lebensader Elbe, die Sächsische Schweiz, die Begeisterung der Dresdnerinnen und Dresdner für ihre Stadt und natürlich die Semperoper. Als ich 2010 nach Dresden kam, habe ich mich sofort willkommen gefühlt. 

Susanne Springer

Zuschauerfrage

WIESO KLATSCHT MAN NICHT ZWISCHEN DEN SÄTZEN EINER SYMPHONIE?

Simon Etzold, Soloschlagzeuger der Sächsischen Staatskapelle, antwortet:

Ich persönlich finde es nicht verwerflich, eine tolle musikalische Leistung mit Applaus zu honorieren. Es hat sich allerdings im Laufe der Jahrhunderte zu einer Konvention entwickelt, dass man vor dem Ende einer Symphonie nicht klatscht, um diese als Gesamtkunstwerk zu erleben und die Konzentration der Musiker*innen und Sitznachbar*innen nicht zu stören. Mir fällt Tschaikowskys Sechste Symphonie ein, in der nach dem wuchtigen 3. Satz der Applaus manchmal nicht zurückzuhalten ist. Mir ist das sympathisch. Man spürt, dass ein neues, neugieriges Publikum im Saal sitzt.

 

Sie fragen, wir antworten: Schicken Sie uns Ihre Fragen rund um die Semperoper per Post an Semperoper Dresden, Kommunikation & Marketing, Theaterplatz 2, 01067 Dresden oder per E-Mail an marketing@semperoper.de

Education

Auf die Plätze …

… fertig, los! Auch die Education-Abteilung steht in den Startlöchern für die neue Spielzeit – vollbepackt mit einem bunten Programm für Kinder, Jugendliche und Familien startet sie in den Herbst

In Semper Zwei jagt eine Vorstellung die nächste: Bei »Schneewitte« geht eine Reise über die sieben Berge zu den sieben Zwergen und »Drei miese, fiese Kerle« lehren das Fürchten. Bei »Kapelle für Kids« wird ein genauer Blick in den Orchestergraben geworfen, und »Monsieur Petipa« lädt ein in den Ballettsaal.

Weiterlesen

Aber auch das Selbermachen wird wieder großgeschrieben! Die Herbstferien sind mit zwei Projekten gleich doppelt aufregend: In der ersten Woche sind Kinder zwischen sechs und zehn Jahren eingeladen, mit der Education-Abteilung der Semperoper in den Wald zu ziehen, wo die »Drei miesen, fiesen Kerle « ihr Unwesen treiben. Mit vereinter Kraft werden Mut-Strategien entwickelt und gegen »Ungeheuer« gekämpft. Die zweite Woche steht unter dem Motto »Dein Dresden«.

Gemeinsam mit jungen Dresdner*innen zwischen 12 und 14 Jahren und in Kooperation mit der Staatsoperette, werden alle Blickwinkel in der Stadt beleuchtet, um zu erfahren, was dein Dresden besonders macht. Wie riecht und schmeckt es für dich, wie fühlt es sich an? Auf welcher Bank hast du einen Wettbewerb im Kirschkern-Weitspucken gewonnen, wo gehst du hin, wenn dir die Decke auf den Kopf fällt? Außerdem geht die Opernwerkstatt im Oktober in die erste Runde: Hier werden Kinder mit ihren Begleitpersonen an einem Nachmittag zu jungen Expert* innen der Kinderoper »Drei miese, fiese Kerle« von Zad Moultaka. Gemeinsam wird in den insgesamt drei Stunden gespielt, getanzt, gesungen und das Geheimnis um die »Anti-Gespensterkugeln« gelüftet.

Und natürlich gibt es auch endlich wieder Schulbesuche! Neben den Projekten mit insgesamt acht Partnerschulen stehen wieder mobile Klassenzimmer- Stücke für alle Jahrgänge auf dem Programm, um die Oper hautnah erlebbar machen – zum ersten Mal gibt es auch ein Klassenzimmerstück für alle ab 14 Jahren!

Und auch die Jüngsten dürfen sich freuen, denn die Kindergarten-Oper »Nils Karlsson Däumling « ist weiterhin zu Gast in Dresdens Kitas! Mit allen mobilen Stücken kommen wir auch gern in den ländlichen Raum rund um Dresden. Alle, die jetzt schon auf heißen Kohlen sitzen, können mit der Video-Reihe »MUTIK« auf der Website der Semperoper schon einmal Körper und Stimme aufwärmen! 

Hannah Kawalek


Opernvogel

Mystischer Vogel

Wie viele Mythen und Legenden ranken sich um diesen Vogel! Er ist der schwerste der Entenvögel und bringt durchaus über 13 Kilogramm auf die Waage bei einer Flügelspannweite von knapp 2,5 Metern. Als Transporteur des unbekannten Ritters, der seinen Namen nicht verraten möchte, als »hässliches Entlein «, aber auch in »Schwanensee« hat sich der stolze Vogel einen festen Platz in Sagen, Märchen, Mythologie und Bühnenwelt erobert und stets die Fantasie von Schriftsteller*innen und Komponist*innen beflügelt. In »Schwanensee« dazu gleich vielfach, und vor allem nicht nur als allseits bekannter weißer Schwan, sondern auch als viel seltener in der Natur vertretener schwarzer Schwan. Und auch, wenn der Schwan häufig als Synonym für ein lasterhaftes, heuchlerisches Wesen gebraucht wird, so ist er tatsächlich in der Natur ein Leben lang treu und bindet sich an nur eine*n jeweilige*n Partner*in. Genauso sicher ist: Obwohl der Schwan in Oper und Ballett eine vielfältige Rolle spielt, musikalisch ist er wahrlich nicht. Der weiße oder schwarze Entenvogel ist häufig stumm, lediglich seine Flügelschläge produzieren ein pfeifendes Geräusch. Sein Ruf ist ein explosives, schnarchendes »hiorr«, und wenn sie sich angegriffen oder bedroht fühlen, geben Schwäne ein scharfes Fauchen von sich. In diesem Sinne: Freuen Sie sich auf »Schwanensee«!


Ein außergewöhnlicher Moment

Der erste Ton

Es war nach meiner ersten Spielzeitpause. Die Kolleg* innen trudelten alle wieder ein, begrüßten sich herzlich und tauschten Urlaubserlebnisse aus. Auf den Gängen herrschte eine rege, erwartungsfrohe Stimmung, voller Tatendrang und Aufbruch. Ich ging in unser kleines Grafikbüro, öffnete das Fenster und fuhr den Rechner hoch. Über unseren Scheibtischen befindet sich ein Monitor, auf dem wir das Bühnengeschehen direkt live verfolgen können – den schaltete ich an. Genau in diesem Moment begann mit der Ouvertüre die Probe zur »Die Hochzeit des Figaro«. Ich drehte den Ton lauter und ließ mich von den warmen Wellen und der Energie des Stücks durch den Tag und in die neue Spielzeit hineintragen. Dass drei Jahre später, also in der aktuellen Saison, als erste Bühnenprobe wieder der »Figaro« auf dem Plan steht, deute ich als gutes Omen. 

Bernd A. Hartwig, Erster Grafiker der Semperoper Dresden


Premierenrezept

Es gibt Schnittchen!

Klein aber fein

KNÄCKEBROT-CANAPÉS (10 Stück): 100g eingelegte Rote Beete, Dill, 200g Feta, 1–2 EL Schmand, Pfeffer, 3–4 Scheiben Knäckebrot

CROSTINI (15 Stück): 1 EL Kapern, 200g schwarze Oliven ohne Stein, 1 Knoblauchzehe, 3 EL Olivenöl, Salz, Pfeffer, Baguettebrot, evtl. Chorizo

BIRNEN-GORGONZOLA-CANAPÉS (10 Stück): 1 reife, feste Birne, 2 EL Zucker, 2 EL Butter, 75g Gorgonzola, 2–3 TL flüssiger Honig, Schwarzbrot

Wie wunderbar ist es, sich (zu welchem Anlass auch immer) mit Schnittchen – vornehmer: Canapés – verwöhnen zu lassen oder einfach selbst zu verwöhnen! Die kleinen Häppchen lassen sich hervorragend zusammenstellen und ergänzen sich bestenfalls zu einem vollständigen Menü. Als Grundlage dienen diverse Brotscheiben oder Cracker, die je nach Geschmack fantasievoll mit Cremes, Fisch, Gemüse, Käse oder Fleisch belegt werden können und der Kreativität unendlich scheinenden Raum lassen. Für das Premierenrezept, passend zu unserem mehrteiligen Ballettabend »A Collection of Short Stories«, haben wir drei Zubereitungsarten herausgesucht – Erweiterung ad libitum …

Für die Knäckebrot-Scheiben mit rotem Feta vermischen Sie die sehr kleingeschnittene Rote Beete mit dem cremigen Feta, Dill und etwas Schmand. Das Knäckebrot brechen Sie in mundgerechte Stücke und streichen darauf die Creme. Darauf setzen Sie jeweils wieder ein Brotstückchen. Verzierung gern mit Rote Beete-Würfeln, Dill und etwas Pfeffer. Die Crostini mit Oliven-Tapenade sind ebenfalls schnell hergestellt. Die dünnen Baguette- Scheiben werden geröstet und mit der Tapenade, bestehend aus pürierten schwarzen Oliven, Kapern, Knoblauch und Olivenöl, bestrichen. Je nach Geschmack krönt eine kurz in Olivenöl angeröstete Scheibe Chorizo die Oliven-Crostini. Für die Birnen-Gorgonzola-Canapés ist Schwarzbrot als Unterlage der beste Begleiter. Die geschälte, entkernte und in dünne Spalten geschnittene Birne wird unter Wenden in Butter und Zucker bei schwacher Hitze ca. 5 Minuten gedünstet, bis sie weich ist. Das kleingeschnittene, geröstete Brot wird anschließend mit zerbröckeltem Gorgonzola und den Birnenscheiben belegt und mit ein wenig Honig beträufelt. 

Susanne Springer

Publikation

»Semper!«-Magazin

Aktuelle Ausgabe des »Semper!«-Magazins als PDF zum Download

PDF

Publikation

»Semper!«-Archiv

Archiv der Ausgaben des »Semper!«-Magazins bis zur Spielzeit 2011/12

»Semper!«-Archiv