Die größte Liebesgeschichte kommt zurück:
Roméo et Juliette von Charles Gounod

Wer kennt die tragisch herzzerreißende Liebesgeschichte nicht? Ein Mann und eine Frau lieben sich, doch das Schicksal will es, dass ihre Familien verfeindet sind. Dennoch ist ihre Liebe größer und bedingungsloser; aber die beiden müssen ihren Mut mit dem Tod bezahlen: Sie wollen mehr als nur das Verbotene tun, sie wollen leben, frei sein und lieben: Charles Gounods 5-aktige Oper Roméo et Juliette ist zurück auf dem Spielplan der Semperoper. Verkörpert werden die beiden Hauptpartien von der US-amerikanischen Sopranistin Emily Pogorelc und dem usbekischen Tenor Bekhzo Davronov. Emily Pogorelc feierte 2023 ihr Hausdebüt mit der Rolle der Amina, die Hauptpartie in Bellinis La sonnambula. Und Bekhzo Davronov ist dem Dresdner Publikum bekannt u.a. als Sir Edgardo di Ravenswood in Donizettis Lucia di Lammermoor und als Rodolfo in Puccinis La bohème. Noch wichtiger ist jedoch zu erwähnen, dass die beiden schon einmal als Liebespaar die Bühne der Semperoper bestiegen haben und zwar in einer Wiederaufnahme von Verdis La traviata. Der Ausgang ist bei beiden Werken äußerst schmerzvoll, die beiden wissen, was lieben, leiden und sterben bedeutet. 

Ausgehend von William Shakespeares Tragödie Romeo and Juliet schufen die beiden Librettisten Jules Barbier und Michel Carré eine spannende Dramaturgie, die insbesondere das Verbindende der beiden schicksalhaften Liebenden in den Mittelpunkt setzt. Denn im Hauptfokus von Gounods Oper stehen die fünf Duette zwischen Roméo und Juliette. Auch wenn sie aus verschiedenen Familien kommen, die sich bis aufs Blut hassen, sie überwinden gemeinsam die Gräben, sie ziehen zusammen an einem Strang. Sie sterben zwar am Ende beide schicksalhaft, aber es bleibt etwas übrig. Roméo bringt es auf den Punkt: „Der Liebe heilige Flamme aber wird auch nach dem Grabe noch bestehen!“

Das Schicksal von Romeo und Julia kann auch als Zustand der Gesellschaft verstanden werden. Denn sie leben in einer Gemeinschaft, die nach dem Recht des Stärkeren trachtet. Es fühlt sich an, als wäre es ein Tanz auf dem Vulkan; ein Damoklesschwert schwebt über den Menschen und es stellt sich nur die Frage, wann es fällt und wen es dann trifft. „Aus einem giftigen Blick kommt es zur Massenschlägerei. Man spürt von vorneweg, welche Spannungen zwischen den beiden Familien vorhanden sind und inwiefern nur ein Funke das Feuer entfachen kann“, so die Regisseurin.

Woher nehmen die beiden inbrünstig Liebenden ihre Kraft? Ist es die Lust am Verbotenen, blinde Naivität oder doch der utopische Glaube, damit die Welt verändern zu können? Roméo und Juliettes Kampf für Leidenschaft, für Liebe, für Freiheit wird im Gegensatz zur Shakespeare’schen Vorlage – denn dort kommt es zur Versöhnung der beiden Familien – bei Gounod nicht belohnt, denn die Oper endet mit dem schicksalhaften Tod der beiden. In dieser Inszenierung wird der martialischen vorherrschenden Gewaltspirale etwas entgegensetzt, so dass man das Gefühl bekommt, dass Roméos und Juliettes Drang nach selbstbestimmtem Leben nicht vergebens war – ein utopischer Entwurf, um in den schwierigsten Momenten des Lebens die Kraft in der gemeinsamen Hoffnung zu finden oder wie es der deutsche Philosoph Ernst Bloch in seinem Hauptwerk Das Prinzip Hoffnung formuliert hat: „Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt.“ 


Von Benedikt Stampfli 

Roméo et Juliette
Charles Gounod

Vorstellungen 
1., 5., 8. & 11. Juli 2026

Tickets kaufen