Oper

Die tote Stadt

Erich Wolfgang Korngold

Oper in drei Bildern Frei nach Georges Rodenbachs Roman »Bruges-la-Morte«
Libretto von Paul Schott

Premiere 16. Dezember 2017

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

 
Info
  • 7 pm – 9.45 pm
  • Pause nach 95 Minuten

  • Venue:  Semperoper Dresden

  • Verkaufsstart am 21. Oktober 2021, 10 Uhr

  • Free introductory talk
  • held in the Semper Opera House cellar 45 minutes before curtain-up

  • Guided tour through the Semperoper
    Info
    • 4 pm – 6.45 pm
    • Pause nach 95 Minuten

    • Venue:  Semperoper Dresden

    • Verkaufsstart wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben

    • Free introductory talk
    • held in the Semper Opera House cellar 45 minutes before curtain-up
      Info
      • 4 pm – 6.45 pm
      • Pause nach 95 Minuten

      • Venue:  Semperoper Dresden

      • Verkaufsstart wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben

      • Free introductory talk
      • held in the Semper Opera House cellar 45 minutes before curtain-up

        Vereinsamt und zurückgezogen lebt der trauernde Witwer Paul nach dem Tod seiner Frau Marie in der Stadt Brügge und betreibt einen sonderbaren Totenkult um die Verstorbene. Doch die Begegnung mit der Tänzerin Marietta stellt sein Leben auf den Kopf: Die junge Frau wird ihm zum Spiegel seiner Sehnsüchte, auf die er die »Wiederkehr« seiner verstorbenen Gattin projiziert. Erst das Erwachen aus einem Albtraum, in dem Paul eine Bluttat begeht, lässt ihn in der Realität ankommen. Kann er den Weg in ein von psychischen Altlasten befreites Leben gehen? Mit seiner »Toten Stadt«, die 1920 zeitgleich in Hamburg und Köln Premiere feierte, wurde das »Wunderkind« Erich Wolfgang Korngold neben Richard Strauss zum meistgespielten Opernkomponisten Deutschlands der 1920er Jahre. Bildgewaltig und eindrucksstark erzählt Regisseur David Bösch Pauls Reise ins Ich, bei der die Ebenen Traum und Wirklichkeit allmählich verschwimmen.

        Plot

        1. Bild
        Seit langem lebt der Witwer Paul in Abgeschiedenheit und hegt einen Kult um Marie, seine verstorbene Frau. In einem Zimmer, der »Kirche des Gewesenen«, erinnert ihn alles an die Tote. Seine Haushälterin Brigitta berichtet Frank, Pauls Freund, dass sich in dem Witwer eine sonderbare Wandlung vollzogen habe. Aufgebracht erzählt dieser dem ungläubigen Freund davon, wie er die Tänzerin Marietta kennenlernte, in der er seine verstorbene Frau wiederzuerkennen glaubt. Auf Marietta projiziert Paul nun das Wunder der irdischen Wiederkehr seiner Gattin. Die junge Frau stattet Paul erstmals einen Besuch ab. Ihre Präsenz lässt den Witwer an das Unerklärliche glauben: »In dir, die kam, kam meine Tote, kam Marie.« Wunschtraum und Wirklichkeit verschwimmen für Paul: Es erscheint ihm seine tote Gattin. In einem Zwiegespräch mit ihr versichern sie sich ihrer gegenseitigen Liebe. Marietta kommt in dieser Situation einem Eindringling gleich.

        2. Bild
        In Pauls Unterbewusstsein brechen sich Verdrängtes und Schuldgefühle Bahn. Bilder ziehen an ihm vorbei. Im Nebulösen begegnet er seiner Haushälterin Brigitta, die ihm mitteilt, ihren Dienst aufzugeben, um Beghine zu werden. Nicht weniger rätselhaft, vor allem aber enttäuschend ist Pauls Zusammenkunft mit Frank. Dieser offenbart ihm wie verwandelt, dass – wie offenbar Paul – nun auch er ein Verhältnis mit Marietta habe. Er kündigt Paul die Freundschaft. Unter ihren Theaterkollegen stellt Marietta den absoluten Mittelpunkt dar. Skurril beleben sie das Dunkel der Stadt mit einem ausgelassenen Fest, das jedoch auch die Melancholie kennt. Fritz, der Pierrot, singt aus dieser Stimmung heraus ein Lied über vergangenes Glück. Immer tiefer zieht es Paul in die Schichten seiner Seele hinein. Vor seinem Auge vollzieht sich ein schauerliches Spektakel, in dem Marietta von den Toten aufersteht. Der üble Spaß und die Theatergesellschaft lösen sich auf. Marietta und Paul geraten über Eifersüchteleien und Vorwürfe in einen Streit, bis er offenbart, in ihr nur seine verstorbene Gattin gesucht zu haben. Marietta lenkt ein, erkennt sie doch ihr größtes Pfund gegenüber der Toten: das Leben. Das Vergessen des Vergangenen verlangend, steigern sich beide in einen Rausch.

        3. Bild
        Am Bild der verstorbenen Gattin fordert Marietta die Tote heraus. Kann sie, das Leben, siegen? Wie abwesend lässt sich Paul von der religiösen Stimmung einer Prozession vor seinem Haus einfangen und geht seiner Erinnerung an Marie nach. Marietta spottet über seine Frömmigkeit: »Wer dich liebt, der muss teilen mit Toten und mit Heilg’en.« Immer weiter provoziert sie Paul, bis er Marietta erdrosselt. Paul erwacht aus seinem Tagtraum. Langsam kommt er wieder zu sich in der Situation, in der er sich befand, als sich Marietta bei ihrem Besuch von ihm verabschiedete. Frank rät Paul, die Stadt zu verlassen und ein neues Leben zu beginnen. Paul erkennt die Endlichkeit irdischen Daseins an.

        Erich Wolfgang Korngold über seine Oper »Die tote Stadt«

        Eines Tages, im Sommer 1916, machte mich Siegfried Trebitsch auf das Schauspiel »Das Trugbild« aufmerksam, das Georges Rodenbach nach seinem berühmten Roman »Bruges-la-Morte« gedichtet und Trebitsch für die deutsche Bühne bearbeitet hatte. Ich las das Stück und entwarf noch an demselben Abend das Szenarium einer Oper. Bei diesem, meinem Szenarium ist es natürlich in der Folge nicht geblieben, wohl aber an meinem Interesse für den Stoff. Die eigentümliche Brügge-Stimmung, der schwermütige Grundton, die beiden Hauptgestalten mit ihren fesselnden seelischen Konflikten, der Kampf der erotischen Macht der lebenden Frau gegen die nachwirkende seelische Macht der Toten, die tiefere Grundidee des Kampfes zwischen Leben und Tod überhaupt, insbesondere der schöne Gedanke notwendiger Eindämmung der Trauer um teure Tote durch die Rechte des Lebens, dabei überall eine Fülle musikalischer Gestaltungsmöglichkeiten, all das zog mich an. Und dies erst recht, als die letzte Umgestaltung des Stoffes durch Paul Schott alles Geschehen nur Ausfluss einer Vision des aus dem seelischen Gleichgewicht gebrachten Helden werden ließ, eine poetische Ausdeutung, zu der durch Rodenbach, den Dichter, der Anstoß gegeben war, indem er schon die tote Frau den erregten Sinnen des trauernden Gatten erscheinen lässt. Die traumhafte fantastische Sphäre, in die der Stoff damit gerückt war, schien dessen eminente Musikfähigkeit zu vollenden. Von der Musik möchte ich in geziemender Zurückhaltung nur so viel sagen dürfen, dass ich gerade des traumhaft-fantastischen Charakters der Handlung wegen das Streben auf äußerste dramatische Knappheit richtete. Und noch mehr als zuvor war ich bei aller Wahrung der dramatischen Funktionen eines im Dienste von Stimmung, Schilderung und psychologisch-dramatischer Charakteristik farbig und thematisch geführten Orchesters auf Hervortreten des singenden Menschen, auf Gefühl und Affekt widerspiegelnde dramatische Gesangsmelodie bedacht. Dies alles unbeschadet moderner Diktion, in der ich höre und fühle.

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