Oper

Satyricon

Bruno Maderna

Kammeroper in einem Akt Libretto von Ian Strasfogel und Bruno Maderna

In deutscher, französischer, englischer, italienischer und lateinischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Keine weiteren Vorstellungen in dieser Spielzeit.

In einem grellbunten Bilderbogen der Dekadenz produzieren sich acht Teilnehmer eines Nachtmahls im Hause Trimalchios in selbstherrlicher Manier voreinander und schrecken dabei auch vor gegenseitiger Erniedrigung nicht zurück. Rücksichtslos herrscht der Gastgeber politisch, finanziell und sexuell über seine Gäste bis er am Ende sogar seine eigene Beerdigung inszeniert. Laut, obszön und derb, aber auch lustvoll und mit vielen bekannten Opernzitaten versehen, fasste der italienische Komponist und Anhänger der Avantgarde, Bruno Maderna, sein 1973 uraufgeführtes Werk nach Texten des antiken Dichters Petronius. In fünf verschiedenen Sprachen parlieren sich darin die Figuren munter und fatalistisch am Abgrund der eigenen Würde entlang. Auf der Bühne von Semper Zwei, in Koproduktion mit den Salzburger Osterfestspielen, erzählt Regisseur Georg Schmiedleitner Madernas musikalische Collage als exaltierte, schillernde Party.

Bruno Maderna

Der italienische Komponist Bruno Maderna gehört zu den heute fast vergessenen Begründern einer internationalen Generation von Komponisten, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch ihre neuartige Musiksprache und ihre Lust am Experiment mit Klangformen die Neue Musik aus der Taufe hob und mit der Kenntnis der Grundlagen Alter Musik ein neues Feld musikalischer Beschäftigung erschloss. Viele bedeutende Komponisten dieses Neuanfangs waren Mitstreiter, Freunde oder Schüler Bruno Madernas. Charismatisch soll er gewesen sein, ein wenig scheu und zurückhaltend, aber immer mit einer unerschöpflichen Energie versehen, wenn es um das Ausprobieren neuer Formen ging.

»Satyricon«, die Kammeroper in einem Akt, basierend auf dem gleichnamigen Roman des römischen Dichters Petronius (ca. 14–66 n. Chr.), ist eines seiner letzten Werke und nahm seinen Anfang in einem Workshop mit Studenten 1971 am Berkshire Music Center, Massachusetts unter der Leitung des amerikanischen Opernproduzenten Ian Strasfogel und Maderna selbst. Die dabei entstandenen ca. 20 Minuten musikalischen Materials wurden in den kommenden zwei Jahren von Maderna weiterbearbeitet und mit verschiedenen anderen theatralen Bestandteilen auf etwa 75 Minuten erweitert. Beim Hollandfestival 1973 in Scheveningen kam dann schließlich eine Fassung mit 16 Musiknummern und 5 Tonbändern unter der musikalischen Leitung Bruno Madernas zur Uraufführung. »Satyricon« wurde dabei »Intolleranza« von Luigi Nono gegenübergestellt.

Der Abend war ein voller Erfolg.

Die zeitlose Aktualität des von Petronius entworfenen Gesellschaftsbildes sprach Maderna, der ein ausgezeichneter Kenner antiker Literatur war, direkt an. Petronius beschreibt anhand der Erlebnisse zweier junger Männer, die Zeuge von absurdesten Situationen und Auswüchsen menschlichen Verhaltens werden, ausschweifend und farbenreich das angenehme, aber sinnentleerte Leben der herrschenden Klasse und das elende Los der Bediensteten und Sklaven. Mit Lust und Biss hält Maderna in seiner Komposition der Gesellschaft den Spiegel vor. Die aus unterschiedlichen Schichten stammenden Protagonisten des Spiels, ihre im Dunkeln bleibenden Absichten auf Trimalchios Festmahl und die Entgrenzung ihrer Handlungen boten Maderna ein breites Feld zum Experimentieren mit Melodien – laut, obszön und derb, aber auch lustvoll und mit vielen bekannten Opernzitaten versehen. In fünf verschiedenen Sprachen parlieren sich die Figuren munter und fatalistisch am Abgrund der eigenen Würde entlang. Aber die Theaterwelt sah sich bei der Veröffentlichung der Partitur ein Jahr später – und nach Madernas frühem Tod – kaum in der Lage, diese Sammlung an musikalischen Szenen auf die Bühne zu bringen, die in variabler Reihenfolge gespielt werden können und in der szenischen Umsetzung auch den Einsatz von Tonbändern verlangt. Es folgten nur einige wenige, wenn auch erfolgreiche Aufführungen.

Bruno Maderna hatte in »Satyricon« das von ihm entwickelte improvisatorische Prinzip angewandt, das auch alle anderen Formen seines Schaffens durchzog. Damit ging die Aufforderung an Musiker, Dirigenten und Sänger einher, zu improvisieren, immer wieder neue Formen zu entwickeln. Die Regieteams sind aufgefordert, eine eigene Reihenfolge der Szenen festzulegen und ihr »eigenes« Stück zu kreieren. Seit Beginn der 90er Jahre kehrt »Satyricon« mit seinem zeitlosen und theatral hervorragenden Stoff, der interessanten Brüchigkeit der Erzählungen und der hohen Musikalität und Vielfältigkeit der Partitur zunehmend auf die Theaterbühne zurück.

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