Junge Szene

Das Rätsel der gestohlenen Stimmen

Johannes Wulff-Woesten

Musiktheater für alle ab 6 Jahren Libretto von Manfred Weiß nach dem Theaterstück »Mr. A’s Amazing Maze Plays« von Alan Ayckbourn. Auftragswerk der Sächsischen Staatsoper Dresden In deutscher Sprache

Susi lebt mit ihrer Mutter in einem kleinen Haus, in einer kleinen Stadt. Als Susi noch sehr jung war, ver­schwand ihr Vater – ein begeisterter Ballonfahrer – bei einem Heißluftballon-Wettbewerb spurlos. Susis Mutter arbeitet in einem Waffelladen in der Stadt, um die Familie zu ernähren. Eines Tages bekommt Susi einen kleinen Hund geschenkt, den sie Otto nennt. Er weicht keinen Schritt von ihrer Seite und begleitet sie überall hin – zum Beispiel in den Garten der alten, leerstehenden Villa auf dem Grundstück gegenüber, ein toller Abenteuerspielplatz für Susi und Otto – bis Herr Akustikus in die Villa einzieht. Susi und Otto finden ihn von Anfang an merkwürdig, doch Susis Mutter ist begeistert und lädt ihn zum Abendessen ein. Was sie jedoch nicht weiß: Herr Akustikus hat inzwischen Ottos Bellen gestohlen und in einer Schachtel verschwinden lassen. Während die Mutter und der seltsame Gast beim Abendessen sitzen, machen sich Susi und Otto in der Villa auf die gefährliche Suche nach Ottos Bellen – und entdecken ein ganzes Haus voller gestohlener Geräusche und vertauschter Stimmen, die in Herrn Akustikus’ geheimnisvollem Schrank der Töne und Stimmen konserviert sind.
Alan Ayckbourns Fabel über die Macht der Töne und Stimmen gehört zu den erfolgreichsten Kindertheaterstücken der letzten 30 Jahre und erobert in der Auftragskomposition von Johannes Wulff-Woesten nun auch die Musiktheaterbühne.

Zusammenfassung

Susi lebt mit ihrer Mutter in einem kleinen Haus, in einer kleinen Stadt. Als Susi noch sehr jung war, ver­schwand ihr Vater – ein begeisterter Ballonfahrer – bei einem Heißluftballon-Wettbewerb spurlos. Susis Mutter arbeitet in einem Waffelladen in der Stadt, um die Familie zu ernähren. Eines Tages bekommt Susi einen kleinen Hund geschenkt, den sie Otto nennt. Er weicht keinen Schritt von ihrer Seite und begleitet sie überall hin – zum Beispiel in den Garten der alten, leerstehenden Villa auf dem Grundstück gegenüber, ein toller Abenteuerspielplatz für Susi und Otto – bis Herr Akustikus in die Villa einzieht. Susi und Otto finden ihn von Anfang an merkwürdig, doch Susis Mutter ist begeistert und lädt ihn zum Abendessen ein. Was sie jedoch nicht weiß: Herr Akustikus hat inzwischen Ottos Bellen gestohlen und in einer Schachtel verschwinden lassen. Während die Mutter und der seltsame Gast beim Abendessen sitzen, machen sich Susi und Otto in der Villa auf die gefährliche Suche nach Ottos Bellen – und entdecken ein ganzes Haus voller gestohlener Geräusche und vertauschter Stimmen, die in Herrn Akustikus’ geheimnisvollem Schrank der Töne und Stimmen konserviert sind.
Alan Ayckbourns Fabel über die Macht der Töne und Stimmen gehört zu den erfolgreichsten Kindertheaterstücken der letzten 30 Jahre und erobert in der Auftragskomposition von Johannes Wulff-Woesten nun auch die Musiktheaterbühne.

Alle Besetzungen

Giuseppe-Sinopoli-Akademie der Sächsischen Staatskapelle Dresden

Auftragswerk der Sächsischen Staatsoper Dresden
 

Zur Uraufführung – Interview mit Johannes Wulff-Woesten

Das neue Musiktheater für Kinder in Semper Zwei, »Das Rätsel der gestohlenen Stimmen«, ist eine Auftragskomposition der Semperoper an den Studienleiter und Komponisten Johannes Wulff-Woesten – hier im Interview

Johannes, »Mr. A’s Amazing Maze Plays« des englischen Autors Alan Ayckbourn bildete die Vorlage für »Das Rätsel der gestohlenen Stimmen«. Wie kam es dazu?
Der künstlerische Leiter von Semper Zwei und Librettist von »Das Rätsel der gestohlenen Stimmen«, Manfred Weiß, kennt die Theaterstücke Ayckbourns schon seit Jahren sehr gut und bewundert dessen Originalität in der Auswahl der Stoffe und den Witz mit dem er seine Figuren, egal ob groß oder klein, zeichnet. »Mr A’s Amazing Maze Plays« (»Mr. A’s fantastische Labyrinth-Spiele«) war mit seiner mutigen Heldin Suzie sofort unser Favorit für eine deutsche Version als Musiktheater und stellt außerdem unser ureigenes Metier an der Oper, nämlich die Stimme, in den Mittelpunkt der Ereignisse. Ich finde es ungeheuer spannend, ein Stück zu komponieren, das mit unterschiedlichen Stimmen, Klängen und Geräuschen arbeitet und darüber hinaus Figuren mit vielschichtiger Emotionalität enthält. Aus der umfangreichen Vorlage ein Libretto zu formen, war nicht ganz leicht, denn ursprünglich hat das Stück zwei Teile und zwei Erzähler. 

Wie setzt man so ein Stück in Musik um? 
Ich habe für alle Figuren eine musikalische Entsprechung gefunden. Bei manchen war es einfacher, weil sie fassbare, realistische Figuren sind. Bei Herrn Akustikus als kernloses magisches Wesen oder Otto, dem singenden Hund, dessen Sprache nur Susi verstehen kann, ist das schon schwieriger. Seine Partie stellt an den Darsteller besondere Anforderungen. Er muss sich auf die typischen Laute eines Hundes, das rhythmische Bellen und die Formung der Laute in der Kunstform, zum Beispiel einer Arie, erst einmal einlassen. Die Rolle der Susi ist eine Sopranpartie, weil sie am nächsten an der kindlichen Stimme dran ist: leicht, aber keck. Ihre Mutter ist dagegen eher elegisch, musikalisch an englische und irische Volkslieder angelehnt. Und wenn sie sich verliebt, bekommt ihre Partie dann auch etwas romantisch-swingendes. Herrn Akustikus’ Motiv bzw. seine ganze Partie zeichnet sich vor allem durch die Verwendung des so genannten Tritonus aus, ein dreitöniges Intervall, das schon seit dem Mittelalter für die Abbildung des Teuflischen benutzt wird und seine akustische Überreiztheit bekommt mit dem chinesischen Becken einen besonderen instrumentalen Ausdruck. Eine Figur musikalisch abzubilden, die zwar real, aber eigentlich 99 Prozent des Stückes abwesend ist, wie der Vater von Susi, war ebenfalls eine Herausforderung – weil er für Susi eine sehr wichtige Rolle spielt, muss er in den Köpfen der Zuschauer wachgehalten werden. Der Opernsänger Herr Pichler ist per se eine musikalische Figur. Aber einen Sänger musikalisch abzubilden, dem erst seine Stimme gestohlen wird, ersetzt durch eine fremde, und er sie schlussendlich ganz verliert, macht unglaublich Spaß, aber ist auch eine große Aufgabe. Ich habe mir überlegt, dass er mit ver-schiedenen Stimmen singt, je nach Situation. Das Prinzip muss nicht ganz logisch sein. Mich haben die verschiedenen Facetten des Ausdrucks bei Herrn Pichler interessiert. Sein Leitmotiv ist das bekannte Lied »Wenn ich ein Vöglein wär…«, das er in allen Arten, Facetten und Rhythmen singt, die sowohl Vermögen als auch Unvermögen ausdrücken können. Natürlich gibt es auch ein paar Mini-Opernzitate für Herrn Pichler.
Über die Figuren hinaus versuche ich auch die Atmosphäre der jeweiligen Situation in Musik auszudrücken, wie etwa das Gruselige der Villa als Ort der dunklen Geheimnisse durch ein Labyrinth-Motiv das fast zwölftönig ist und große Dunkelheit verbreitet. Ich habe die gesamte Partitur für ein klassisches Orchester geschrieben und nutze für meine Tonsprache gern tonale, harmonikale Gebilde. Englische Stummfilmmusik wie bei Charly Chaplin zum Beispiel begeistert mich genauso wie große romantische Bögen, je nachdem, welche Emotionalität gerade ausgedrückt werden soll. Die Stimmen, Klänge und Geräusche werden größtenteils vom Orchester produziert, die dann abgleiten in entfärbte, komische oder skurrile Klänge. Dazu kommt dann noch Elektronik für die Geräusche (aufgenommen mit der Hochschule für Musik hier in Dresden) oder synthetische Klavierklänge. 

Die Figuren
Susi ist etwa 10 Jahre alt, sie sollte etwas älter sein als die Jüngsten im Publikum. Sie ist ihrem Alter voraus, wie eine Art Wunderkind nach dem Pippi Langstrumpf-Modell, bei der man auch immer denkt: »Das kann doch gar nicht sein, dass sie das alles schon kann und weiß.« Und doch ist sie nicht weise und abgebrüht, sondern immer neugierig und kann Situationen gut einschätzen und glaubt an den Vater und an seine Rückkehr. Alle orientieren sich an ihr. Aber sie hat auch Angst, um die Mutter, um Otto, um sich selbst und wie sie sich in den verschiedenen Situationen verhalten muss, um das Richtige zu tun. Immer wenn sie in Bedrängnis gerät, denkt sie an den Vater, der ihr Mut gibt. 

Susis Mutter gibt die Welt vor, in der die Geschichte beginnt. Sie lebt in einer Welt ohne Reichtum, behauptet sich in ihrer Armut gegen andere, schafft die Werte, die sie Susi mitgibt. Sie ist alleinerziehend, der Mann ist irgendwohin mit dem Ballon verschwunden. Sie liebt ihre Tochter über alles, ist warmherzig und umsichtig. Sie will aber nicht ewig allein bleiben, begibt sich aus diesem Gefühl heraus in Gefahr und sucht sich ausgerechnet Herrn Akus¬tikus aus. Sie spürt die Gefahr nicht, die von ihm ausgeht – im Gegensatz zu Susi. 

Herr Akustikus ist eine fantastische Figur, die keinen inneren Wesenskern, keine Identität besitzt. Er wird von der Angst geplagt, nichts oder zu wenig zu sein. Alles um ihn herum bedrückt ihn, auch akustisch. Und deshalb muss er alles stehlen, um die Leere in seinem Inneren zu füllen, er verleibt sich andere Identitäten ein und spielt mit ihnen. 

Susis Hund Otto ist eine sehr liebenswerte Figur. Susi bekommt ihn als Welpen geschenkt und innerhalb kürzester Zeit wächst er nicht nur unheimlich, sondern wird auch Susis bester Freund und ihr Begleiter bei den Abenteuern in der Villa des Herrn Akustikus. Er ist Beschützer und, wie ein Clown, gleichzeitig ein lustiger Zeitgenosse. 

Herr Pichler ist ein Nachbar von Susi und ihrer Mutter, er ist etwas eitel und selbstverliebt. Ihm hat eines Nachts jemand seine Stimme aus dem Hals gestohlen und eine andere dafür dagelassen. Susis Mutter hält ihn immer für einen kleinen Schwindler. 

Susis Vater ist einfach weg. Wir erfahren am Anfang, dass er nach einem Ballonflug nicht zurückgekehrt ist und Susi und ihre Mutter nun jeden Tag auf seine Rückkehr warten. 

Der Erzähler ist eine allwissende, nicht fassbare Figur, die nur die Zuschauer sehen können, nicht aber die Figuren auf der Bühne. Er stellt die Verbindung zwischen Publikum und Figuren her. 

Du bist Komponist und musikalischer Leiter in einer Person. Ist sich der Komponist mit dem musikalischen Leiter immer einig?
Das ist immer eine wichtige Entscheidung und wird ganz unterschiedlich gehandhabt. Bei mir ist es so, dass ich das Komponieren und spätere Umsetzen mit den Sängern und dem Orchester nicht als widersprüchlichen Prozess empfinde. Natürlich ist es manchmal schwierig, wenn sich etwas in der Praxis nicht so anhört oder umsetzen lässt, wie man es gedacht hat. Aber im Grunde ist es für mich ein unglaublich bereichernder Prozess, die Musik, die am Klavier begonnen hat, mit dem Orchester und den Sängern einzustudieren, sie zu begleiten und dabei immer zu wissen, warum ich jenes so und anderes so gelöst habe. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man die fertige Partitur in den Händen hält und noch schöner ist es, wenn es dann in den realen Probenprozess übergeht und ich selber mit dem Ensemble proben und ausprobieren kann. Ein nur von außen miterleben, wie meine Musik real hörbar wird, wäre für mich sehr unbefriedigend. Ich finde den Prozess des eigenen Lernens an der praktischen Arbeit mit den Musikern sehr bereichernd, er ist für mich eine Voraussetzung für meine Weiterentwicklung als Komponist. 

Wer spielt und singt Susi?
Es ist nicht einfach eine Sängerin zu finden, die die Rolle eines 10-jährigen Mädchens überzeugend in Stimme und Erscheinung spielen kann. Denn schließlich hat eine Sängerin ja schon eine ganze Ausbildung hinter sich und ist kein Kind mehr. Aber mit unserem Mitglied aus dem Jungen Ensemble, Tania Lorenzo aus Spanien, haben wir unsere ideale Susi gefunden. Wir haben sie gesehen und waren sofort überzeugt, denn mit ihrem offenen Blick, ihrer perfekten Körpergröße und mit ihrem fröhlichen Wesen passt sie wunderbar und die Kinder können sich sehr schnell mit ihr identifizieren. 

Ist das ein Stück nur für Kinder? 
Auf keinen Fall! Es ist Musiktheater für alle ab sechs Jahre, denn auch jeder Erwachsene findet etwas für sich in diesem Stück. Die Erwachsenen werden hier zu Kindern. Und die Zuschauer spielen ja auch eine tragende Rolle, denn sie entscheiden mit, wie und wo die Reise durch die Villa weitergeht. Und wenn die Zuschauer nach der Vorstellung neben ihrer Begeisterung für das Erlebte auch anfangen, Fragen zu stellen oder zu kritisieren, dann haben wir alles richtiggemacht. Sie »nehmen die Verantwortung« an …

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