Der Titel dieses Ballettes wurde im Frankreich des 19. Jahrhunderts geprägt und entsprang dem eurozentristischen Blick auf ›orientalische‹ Tempeltänzerinnen. Der Begriff der ›bayadère‹ unterschied jedoch nicht zwischen Tänzerinnen, die im Sinne der Unterhaltungskunst auftraten, und Devadasis (Gottesdienerinnen).

Aufgrund der Ansiedlung der Handlung im ›exotischen‹ Sujet, seines dramaturgischen Aufbaus sowie des opulent konzipierten und technisch vielseitigen Bühnenzaubers, gilt das von Marius Petipa und Ludwig Minkus kreierte Handlungsballett »Die Tempeltänzerin/La Bayadère« (1877), als ein ›grand spectacle‹: Dem Geiste der Romantik verpflichtet, erzählt es die märchenhaft-tragische Liebesgeschichte zwischen der Tempeltänzerin Nikjia, die – entgegen ihren religiösen Verpflichtungen – ihr Herz dem Krieger Solor geschenkt hat, der jedoch einer anderen Frau versprochen ist, so dass das Paar nur in einer parallelen Traumwelt zueinander finden kann.


Ballett in zwei Akten von Aaron S. Watkin nach Marius Petipa

Musik von Ludwig Minkus

Premiere
30. November 2008,

Keine weiteren Vorstellungen in der aktuellen Spielzeit.

Premierenbesetzung

Sächsische Staatskapelle Dresden

Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Semperoper – Förderstiftung

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Werkeinführung

Mitte des 19. Jahrhunderts  ̶  in der Blütezeit der Romantik in Ballett, Literatur, Musik und bildender Kunst  ̶  zog der österreichische Komponist Ludwig Minkus nach Russland, wo er am Kaiserlichen Theater in St. Petersburg gemeinsam mit dem Choreographen Marius Petipa über 15 Ballette kreierte, u.a. La Bayadère (1877). Inspiriert von Reisetagebüchern oder Erzählungen  ̶  die allerdings auch dazu beitrugen, dass in Europa ein realitätsfernes Traum-Bild von geografisch fernen Orten wie Indien, als Land ›exotisch-erotischer Fantasien‹, gezeichnet wurde  ̶  entstanden damals viele Ballette, die das Motiv der ›sinnlichen Tempeltänzerin‹ behandelten. Weshalb Die Tempeltänzerin/La Bayadère dennoch zu einem nachhaltigen und bewahrenswerten Kulturgut wurde und wie Ballettdirektor Aaron S. Watkin dieses Werk für sich in der Tanztradition von Marius Petipa wiederentdeckte, erläutert Ballettdramaturgin Regina Genée.