Manolios will allen helfen
3 Fragen an Pavol Breslik

Pavol Breslik © Pascal Albandopulos
Was magst du an Bohuslav Martinů, und was ist das Einzigartige in seiner Musik?
— Ich bin aufgewachsen mit der Musik von tschechoslowakischen Komponisten wie Antonín Dvořák, Bedřich Smetana, Zdeněk Fibich, Leoš Janáček und da gehört natürlich auch Bohuslav Martinů dazu. Seine Musik zeichnet sich durch herausfordernde Rhythmen und Klänge aus, die kaum atonal, sondern stets harmonisch und doch modern klingen. Insbesondere die vielen Einflüsse begeistern mich: z. B. der Jazz aus seiner US-amerikanischen Phase, oder der Impressionismus aus seiner Zeit, als er in Frankreich gelebt hat. Doch am allermeisten mag ich, dass er seinen Wurzeln treu geblieben ist: Die tschechische Volksmusik spielt bis zu seinen letzten Werken eine wichtige Rolle.
Du singst in Martinůs letztem Bühnenwerk The Greek Passion den Schafhirten Manolios, was ist das musikalisch Besondere an dieser Partie?
— Es ist deutlich, dass sich Martinů von der gregorianischen Musik hat beeinflussen lassen. Immer wenn Manolios auf der Bühne erscheint, tauchen wir in eine gregorianische Sphäre ein – eine erhabene, ausgewogene und in sich ruhende Atmosphäre. Damit zeigt Martinů diesen tiefen christlichen Glauben in der Figur des Manolios’ – es ist ja wohl auch kein Zufall, dass er in seinem Leben als Hirte Schafe hütet. Die Verbindung zum „Menschenhirten“ Jesus ist schon da, bevor Manolios überhaupt die Rolle bei den Passionsspielen annimmt.
Das Dorf will für die Passionsspiele proben, doch dann taucht eine Gruppe von Geflüchteten auf. Jeder muss sich dazu verhalten. Was macht Manolios?
— Kriege und Flüchtlingsströme gab es leider in jedem Zeitalter der Menschheit. Manolios sieht eine große Ungerechtigkeit und will den Schutzbefohlenen helfen. Sein Charakter ist von einer unfassbaren Reinheit gezeichnet. Er weist Züge von Jesus auf und daher auch Katerina ab, denn er sucht keine sexuelle, sondern geistliche Liebe. Er ist für alle da, hört ihnen zu, ist aber auch einsam und bleibt am Ende sogar alleine zurück.
Gespräch Benedikt Stampfli