Drei Fragen an Vanessa Goikoetxea
Die amerikanische Sopranistin Vanessa Goikoetxea gehörte von 2010 bis 2012 dem Jungen Ensemble der Semperoper an. Aktuell ist die weltweit gefragte Sängerin als Tosca wieder auf der Dresdner Bühne zu erleben.
Sie waren bis 2012 Mitglied des Jungen Ensembles, gaben später an der Semperoper, neben vielen anderen Engagements, u.a. ihr Rollendebüt als Hanna Glawari in Lehárs Die lustige Witwe. Nun kehren Sie für die Hauptpartie in Puccinis Tosca ans Haus zurück. Was verbinden Sie mit Ihrer Dresdner Zeit und wie fühlt es sich an, wieder in der Semperoper zu singen?
— Die Semperoper ist der Ort, an dem meine Karriere begonnen hat. Deshalb verbindet mich eine sehr tiefe emotionale und künstlerische Beziehung mit diesem Haus. Es waren Jahre, in denen ich unglaublich viel gelernt habe, in denen ich mich künstlerisch weiterentwickeln und wertvolle Erfahrungen sammeln durfte. Ich hatte das große Glück, an einem Theater dieses Niveaus zu lernen und von außergewöhnlichen Künstlerinnen und Künstlern umgeben zu sein. Ich bin gewissermaßen mit der Kunst und der Erfahrung großartiger Kolleg*innen und Vorbilder aufgewachsen, wie Camilla Nylund und Georg Zeppenfeld, um nur einige zu nennen. Nun bin ich zurückgekehrt, nachdem ich vor einigen Jahren hier bereits die Donna Anna (Don Giovanni) singen durfte, und ich begegne immer noch derselben Herzlichkeit und Wärme seitens der Menschen, die dieses Theater ausmachen. Das berührt mich sehr.
Wieder an der Semperoper zu singen, bedeutet für mich ganz einfach, nach Hause zu kommen. Sie ist eines der schönsten Opernhäuser der Welt. Wieder auf dieser Bühne zu stehen, erfüllt mich mit großer Liebe und vor allem mit tiefer Dankbarkeit. Ich kehre nicht einfach nur zurück, um an einem bedeutenden Opernhaus zu singen. Ich kehre an den Ort zurück, an dem meine Karriere ihren Anfang genommen hat und der in gewisser Weise immer mein Zuhause bleiben wird. Da Strauss’ Salome hier an der Semperoper uraufgeführt wurde, wäre es für mich ein ganz besonderer Traum, diese Oper eines Tages auch an diesem Haus singen zu dürfen. Das hätte für mich eine ganz eigene, sehr emotionale Bedeutung.

Zu ihren vielen Erfolgen zählen unter anderem die gefeierte Einspielung der Tosca unter der musikalischen Leitung von Maestro Daniele Gatti, die Auszeichnung der chilenischen Theaterkritiker im vergangenen Jahr für Ihre Interpretation der Salome am Teatro Municipal de Santiago de Chile sowie, erst vor wenigen Tagen, die Interpretation der Patrizia in der umjubelten Opernuraufführung Romanzo criminale von Nicola Piovani in Florenz. Was geben Sie, als international gefragte Sopranistin, jungen Opernsänger*innen für deren Karriere mit auf den Weg?
— Ich glaube, dass es zwei ganz wesentliche Aspekte gibt: die persönliche Arbeit an sich selbst und die Wahl des Repertoires. Beide können für die Entwicklung einer Karriere entscheidend sein. Jede Stimme hat ihren eigenen Weg und es ist wichtig, sich selbst gut kennenzulernen, Geduld zu haben und auf das eigene Instrument zu hören. Die Wahl des Repertoires ist etwas sehr Persönliches. Natürlich sollte man experimentieren, Dinge ausprobieren und neue Horizonte entdecken, aber immer mit kühlem Kopf und ohne sich von Ungeduld oder äußeren Erwartungen leiten zu lassen. Manchmal kann es genauso wichtig sein, eine Rolle abzulehnen, wie eine anzunehmen. Ich glaube, dass eine solide Karriere Zeit, Ehrlichkeit und Respekt gegenüber der eigenen Stimme braucht. Das Wichtigste ist, sich immer die Neugier, die Freude am Lernen und vor allem die Liebe zu dem, was wir tun, zu bewahren.
Sie sind in den USA geboren, aber Ihr Familienname verrät eher baskische Wurzeln. Verraten Sie uns dazu mehr?
— Obwohl ich in den USA geboren wurde, liegen meine familiären Wurzeln im Baskenland, und ich fühle mich ihnen sehr verbunden. Sie sind ein wichtiger Teil meiner Identität und meiner Familiengeschichte und haben mich immer begleitet, ganz gleich, wohin.