Oper

Trouble in Tahiti

Leonard Bernstein

Einaktige Oper in sieben Szenen Libretto vom Komponisten mit einem Epilog »The Unanswered Question« von Charles Ives (1906/1935)

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Keine weiteren Vorstellungen in dieser Spielzeit.

In ihrem schönen weißen Häuschen führen Sam und Dinah das Leben einer Vorzeigefamilie der 1950er Jahre: der Vater ein erfolgreicher Geschäftsmann, die Mutter eine umsichtige Hausfrau, der Sohn musisch begabt – ein Bild wie aus der Fernsehwerbung, untermalt von den swingenden Rhythmen eines Jazz-Trios, das das Leben und Lieben in der Vorstadt preist. Doch hinter der perfekten Fassade haben sich Sam und Dinah eigentlich nichts mehr zu sagen. Er flüchtet vor ihr in den Job und zu seinem Handballverein, sie liegt beim Psychologen auf der Couch und sieht sich die Südseeschnulze »Trouble in Tahiti« an – allein. Manfred Weiss` Inszenierung von Leonard Bernsteins 1952 uraufgeführtem Einakter wirft einen so satirischen wie sezierenden Blick auf den Alltag einer amerikanischen Durchschnittsfamilie, die auch im 21. Jahrhundert und jenseits des »Großen Teichs« ihre Ebenbilder findet. 

Handlung

Das Trio besingt die Idylle des kleinen weißen Häuschens in einem wunderschönen amerikanischen Vorort, über dem die Morgensonne aufsteigt und die Familie zärtlich aus ihren Träumen weckt. Sam und Dinah starten unter gegenseitigen Vorhaltungen in den Tag: Sam habe angeblich eine Affäre mit seiner Sekretärin Miss Brown, mit Dinah sei nicht zu reden und sie verschleudere unnütz Geld für ihren Analytiker. Zu allem Überfluss findet zeitgleich zur Schulaufführung ihres Sohnes ein für Sam entscheidendes Handballturnier statt, das er nicht versäumen darf. Trotz aller Vorwürfe sehnen sich Sam und Dinah danach, wieder einen Weg zueinander zu finden. Sie vereinbaren ein offenes Gespräch am Abend. Ganz Geschäftsmann, weist Sam die Bitten um ein Darlehen eines gewissen Mr. Partridge zurück, während er seinem Freund Bill großzügig Kredit gewährt. Das Trio ist voll Bewunderung für den Geschäftssinn und die Großmut Sams. Dinah beschreibt ihrem Analytiker ihren Traum von einem verödeten Garten, aus dem sie eine zärtliche Stimme hinwegträgt und an einen Ort der Harmonie und Liebe ruft. Sam stellt Miss Brown zur Rede, ob er ihr jemals zu nahe kam. Dinah ist noch immer beim Analytiker: Bevor sie den Mann mit der liebevollen Stimme sehen kann, löst sich das Traumbild auf. Zufällig begegnen sich Dinah und Sam auf der Straße. Sie sind um keine Ausrede verlegen, um nicht gemeinsam zu Mittag essen zu müssen. In Gedanken erinnern sich beide an den glücklichen Beginn ihrer Beziehung und fragen sich, wie sie sich so weit voneinander entfernen konnten. Das Trio preist die Statussymbole des modernen Lifestyles, die den Alltag herrlich komfortabel gestalten. Sam stellt seine Weltsicht dar: Die Menschen sind nicht gleich von Geburt. Es gibt geborene Gewinner und geborene Verlierer, wobei er sich selbstverständlich zur ersten Gruppe zählt. Dinah war im Kino und echauffiert sich über den fürchterlichen Film: »Trouble in Tahiti« – eine geistlos-kitschige Südseeromanze. Eine Zumutung! Während sie noch einmal leidenschaftlich den »Inselzauber« durchlebt, vergisst sie um ein Haar das Abendessen für Sam. Sam erkennt: Selbst der geborene Gewinner muss abends den qualvollen Schritt über die Schwelle des Hauses zu seiner Frau gehen. Das Trio kündigt die Dämmerung an, die abendliche Freuden und vertrauliche Nähe verheißt. Die geplante Aussprache zwischen Sam und Dinah bliebt jedoch in den Anfängen stecken und versandet in Vorwürfen und Belanglosigkeiten. Der Ausweg führt ins Kino: Bis sie zu ihrem eigenen Liebeszauber finden, begnügen sich Sam und Dinah mit der käuflichen Ersatz-Magie auf der Breitbildleinwand. Noch einmal »Trouble in Tahiti«.

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