Ein musikalisches Universalgenie
Der Komponist und Pädagoge Nino Rota

Nino Rota © Keystone Pictures/alamy
Nino Rota (1911–1979) war das, was man ein musikalisches Wunderkind nennt: Geboren in eine Musikerfamilie – sein Großvater Giovanni Rinaldi war Komponist, seine Mutter Ernesta Rinaldi eine Pianistin – spielt er bereits mit vier Jahren Klavier und komponiert mit acht Jahren seine ersten Werke. Mit zwölf Jahren führt er erfolgreich sein eigenes Oratorium L’infanzia di San Giovanni Battista auf und vollendet mit 15 Jahren seine erste Oper: Il principe porcaro nach einer Erzählung von Hans Christian Andersen.
Er entschließt sich, in Mailand und Rom Komposition zu studieren und erhält 1929 sein Diplom. Arturo Toscanini, ein Freund der Familie, rät ihm, in die USA zu gehen und so setzt Nino Rota seine Ausbildung am Curtis Institute in Philadelphia fort. Dort freundet er sich mit Aaron Copland und Samuel Barber an, ist begeistert von den
Musicals von George Gershwin und lernt ein neues Medium kennen, das ihn tief beeindrucken und seinen weiteren Weg prägen sollte: die Filmmusik. Seine Karriere nimmt an Fahrt auf: Er schreibt nicht nur Filmmusik (Treno popolare), sondern auch Musik für den Rundfunk, Sinfonien sowie neoklassizistisch orientierte Kammermusik. Für ihn als überzeugten Eklektiker gibt es „keine Einteilung der Musik in verschiedene Stilarten, leicht oder ernst“. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten als Improvisator, seiner geistigen Flexibilität und Fantasie wird er nach dem Zweiten Weltkrieg ein international gefragter Filmmusikkomponist – bis heute ist er vor allem für seine etwa 150 Filmmusiken und die enge Zusammenarbeit mit Federico Fellini bekannt. Für 16 seiner Filme, darunter Klassiker wie La strada, Casanova oder La dolce vita, komponierte er die Musik, aber auch für Luchino Visconti (Der Leopard), Franco Zeffirelli (Der Widerspenstigen Zähmung, Romeo und Julia) oder für John Guillermin (Tod auf dem Nil). Für die Musik zum zweiten Teil von Francis Ford Coppolas Filmtrilogie Der Pate wird Nino Rota 1975 sogar mit einem Oscar und dem Golden Globe Award ausgezeichnet.
Weit weniger bekannt ist, dass er außerdem fast ebenso viele nicht-filmische Werke komponiert: Dazu gehören zehn Opern – darunter Der Florentiner Hut – sowie 23 Ballett- und Bühnenkompositionen, drei Sinfonien, drei Klavierkonzerte und zahlreiche weitere Werke für Orchester, Chor und Kammerensemble.
Zudem hatte Nino Rota nicht nur als Komponist, sondern auch als Pädagoge großen Einfluss: 1939 beginnt seine Lehrtätigkeit am Konservatorium Niccolò Piccinni in Bari, 1950 wird er zum Direktor berufen und leitet fast drei Jahrzehnte lang, bis 1979, das Konservatorium.
Der Begriff „leichte Musik“ bezieht sich nur auf die Leichtigkeit des Zuhörens, nicht die des Komponierens.
Nino Rota
Er engagiert die namhaftesten Dozenten Italiens und ermöglicht auch mittellosen Student*innen eine Ausbildung. Unter seiner Leitung erhält das Konservatorium den Charakter eines „Laboratoriums“, an dem mit verschiedenen Stilen und deren Fusionen experimentiert wird – wie es auch für Rotas eigene Musik typisch ist. Er selbst bemerkt einmal in seiner ruhigen, humorvollen Art: „Wenn jemand sagt, dass alles, was ich in meiner Musik zum Ausdruck zu bringen versuche, ein wenig Nostalgie, viel herzlicher Humor und Optimismus ist, dann entspricht das genau dem, wie man sich später an mich erinnern soll: mit ein bisschen Nostalgie, viel Optimismus und gutem Humor.“