„Für mich ist Masetto eine sehr menschliche Figur“
Ein Gespräch mit Vladyslav Buialskyi

Vladyslav Buialskyi © Sasha Maslov
Im Januar 2026 haben Sie den renommierten internationalen „Tenor Viñas“-Wettbewerb gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Und welche neuen Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?
— Vielen Dank! Den „Tenor Viñas“-Wettbewerb zu gewinnen war für mich ein unglaublich emotionales Erlebnis. Natürlich bin ich sehr glücklich darüber; aber manchmal kann ich es immer noch nicht ganz glauben, dass es tatsächlich so gekommen ist.
Was diese Erfahrung zudem besonders gemacht hat, war die immense Unterstützung, die ich von meinen engsten Vertrauten erhalten habe. Ich bin auch der Semperoper Dresden zutiefst dankbar, die mir von Anfang bis zum Ende des Wettbewerbs zur Seite stand. Diese Unterstützung hat mir sehr viel bedeutet und mir viel Kraft gegeben.
Der Wettbewerb war für mich auch ein wichtiger Moment der Selbstreflexion: Er hat mir gezeigt, dass ich mich in die richtige Richtung bewege, und mir noch mehr Motivation gegeben, mit Geduld, Disziplin und Neugierde weiterzuarbeiten. Gleichzeitig hat er mich daran erinnert, dass dies nur der Anfang ist und dass der künstlerische Reifeprozess Schritt für Schritt geschieht.
Seit der Spielzeit 2024/25 sind Sie Mitglied des Ensembles der Semperoper. Was bedeutet dies für Sie persönlich als junger Sänger?
— Für mich bedeutet die Zugehörigkeit zu einem Ensemble Kontinuität, Verantwortung und ständiges Wachstum. Ich schätze das Vertrauen, das durch die tägliche Arbeit auf der Bühne und in den Proben entsteht. Es bietet die Möglichkeit, sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln, von Kolleg*innen mit unterschiedlichen Erfahrungen zu lernen und im Laufe der Zeit eine eigene künstlerische Grundlage aufzubauen – und das sehe ich als großes Privileg und wichtigen Teil meiner Entwicklung als junger Sänger. Zudem ist es eine große Ehre für mich, Teil eines so renommierten und angesehenen Hauses wie der Semperoper zu sein.
Was waren bisher Ihre Höhepunkte und worauf freuen Sie sich in dieser Spielzeit besonders?
— Einer der Höhepunkte dieser Saison war für mich mein Debüt als Colline in La bohème. Am meisten schätze ich den starken Ensemblegeist und die Möglichkeit, eng mit erfahrenen Kolleg*innen, Dirigent*innen und Regisseur*innen zusammenzuarbeiten. Jeder Probenprozess wird zu einer Lernerfahrung, und dieser tägliche künstlerische Austausch ist für mich unglaublich bereichernd.
Mit Blick auf die Zukunft freue ich mich besonders auf mein bevorstehendes Debüt als Masetto. Jede Rolle, unabhängig von ihrem Umfang oder Position innerhalb einer Oper, bietet ihre eigenen Herausforderungen und Möglichkeiten, und ich versuche, jede Aufgabe mit dem gleichen Engagement und der gleichen Neugier anzugehen.
Sie haben bereits Leporello gesungen und debütieren am 21. Februar 2026 als Masetto in Don Giovanni an der Semperoper. Was für ein Charakter ist er?
— Masetto wird oft einfach als „eifersüchtiger Bauer” oder Zerlinas Ehemann beschrieben, aber ich glaube, er ist viel komplexer als das. Für mich ist Masetto eine sehr menschliche Figur – verletzlich, emotional und tief betroffen von dem Ungleichgewicht der Machtverhältnisse um ihn herum. Das macht ihn sympathisch und in gewisser Weise recht modern, obwohl die Oper vor mehr als zwei Jahrhunderten geschrieben wurde. In seiner Situation ist Eifersucht eine sehr menschliche Reaktion – ich denke, dass jeder Bräutigam ein Problem damit hätte, wenn jemand versuchen würde, ihm direkt bei der Hochzeit seine Braut auszuspannen.
Masetto versteht sehr gut, was um ihn herum vor sich geht, sowohl in Bezug auf Zerlina als auch auf Don Giovanni selbst. Wie viele andere Charaktere, die nicht auf Don Giovannis Seite stehen, strebt er letztendlich nach Gerechtigkeit – dass Don Giovanni für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wird, sei es durch das Gesetz, durch Ehre oder durch moralische Konsequenzen.