Extra

Einführungsvortrag »Die Meistersinger von Nürnberg«

Vortrag von Dr. Sven Friedrich, Direktor Richard-Wagner-Museum Bayreuth

 

Keine weiteren Vorstellungen in dieser Spielzeit.

»Die Meistersinger von Nürnberg« – das einzige Musikdrama Richard Wagners, in dem es keine Toten gibt. Ist das Werk darum schon eine »komische Oper«, wie Wagners Untertitel nahelegt? Tatsächlich sind die »Meistersinger« eine philosophische »comédie humaine« über die Emanzipation von Kunst und Liebe, die Seinsvergewisserung autonomer bürgerlicher Gesellschaft, die Fragen nach Tradition und Fortschritt und das wahnhafte Treiben der Welt. – Aktueller geht es wohl kaum … Im Gegensatz zu der weitverbreiteten wie vordergründigen Auffassung, dass Wagners Kulissen eines Butzenscheiben- und Lebkuchen-Nürnberg in der vermeintlich »guten, alten Zeit« des 16. Jahrhunderts ein entsprechend rückwärtsgewandtes  soziales und politisches Modell zur Nachahmung anempfehle, ist das Werk trotz der historischen Figur Hans Sachs nichts weniger als eine historische Oper, sondern vielmehr eine Parabel auf die utopische Idee der Integration von Tradition und Gegenwart, Volk und Staat, Kunst, Politik und Religion. Der »Mythos Nürnberg« ist dabei vor allem ein idealtypisches Modell bürgerlicher Selbstregierung mit der Zunft als Gegenentwurf zum herrschaftsorientierten, hierarchischen Obrigkeitsstaat, dessen gesellschaftliche Ordnung durch die Regeln der Kunst, durch Ästhetik also, und in der »Verfassung« der Tabulatur gefasst wird. Diesen Aspekten will der Vortrag ebenso nachgehen wie der Frage nach einer möglichen antisemitischen Schlagseite des Werks in der Figur des Beckmesser und den Folgen, die sich daraus für Wahrnehmung und Interpretation ergeben.

In Kooperation mit der Gesellschaft der Freunde der Staatskapelle Dresden e.V.

PK ZU4 12 Euro (ermäßigt 6 Euro) 

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