Verehrtes Publikum,


lassen Sie mich mit den berühmten Worten der Marschallin aus dem »Rosenkavalier« beginnen: »Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie …« Gerade noch stecken wir mitten in unserer ersten gemeinsamen Spielzeit, da heißt es schon wieder nach vorne blicken und planen, besetzen …

Die Stadt, das Publikum, die zahlreichen Kolleg*innen und die fantastischen Ensembles haben das Ankommen in Dresden und an der Semperoper leicht gemacht. Und mit dem Elan, mit dem wir gemeinsam in die erste Spielzeit gestartet sind, gehen wir auch in die Saison 2019/20. Insgesamt werden wir elf Premieren in der Semperoper und in Semper Zwei in Oper und Ballett herausbringen – davon zwei Uraufführungen sowie fünf Dresdner Erstaufführungen. Das Ganze wird umrahmt von einem Reigen von Wiederaufnahmen, darunter der zitierte »Rosenkavalier « von Richard Strauss, der in Dresden 1911 seine Uraufführung feierte.

Der ehemalige Kruzianer Torsten Rasch komponiert für die Semperoper das Musiktheaterwerk »Die andere Frau«, das sich mit dem Ursprung der drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam beschäftigt. Weitere Höhepunkte im Spielplan der Oper sind die großartige komische Oper »Il viaggio a Reims/Die Reise nach Reims« von Gioachino Rossini in der Inszenierung von Laura Scozzi und György Ligetis Oper »Le Grand Macabre« in der szenischen Deutung von Calixto Bieito, mit denen die Spielzeit startet. Und mit Richard Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg« und Giuseppe Verdis »Don Carlo«, beide unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann, zeigen wir gleich zwei Koproduktionen mit den Osterfestspielen Salzburg, bei denen neben unseren exzellenten Solist*innen vor allem auch die Staatskapelle Dresden und der Sächsische Staatsopernchor ihre ganzen Qualitäten ausspielen können.

Auch das Semperoper Ballett stellt sich wieder neuen künstlerischen Herausforderungen und wird zwei besondere Neuproduktionen aufführen. Zum einen ist es Ballettdirektor Aaron S. Watkin gelungen, einen der wichtigsten Choreografen des neoklassischen Balletts wieder für eine Uraufführung zu gewinnen: David Dawson wird innerhalb des gleichnamigen Abends die Neukreation »Vier letzte Lieder« choreografieren. Außerdem wird das Semperoper Ballett als erste Company außerhalb Wuppertals Pina Bauschs Tanzoper »Iphigenie auf Tauris« auf die Bühne bringen. Wir dürfen uns freuen!

Insgesamt können wir einmal mehr die internationale Vernetzung der Semperoper verstärken. Zwischenzeitlich sind neben den Osterfestspielen Salzburg Theater in Madrid, Kopenhagen, Tokio und Bilbao unsere Partner, und wird das Semperoper Ballett zu internationalen Tourneen eingeladen.

Besonders freue ich mich auch, dass wir mit Gerhard Richter wieder einen herausragenden Künstler gewinnen konnten, der aus seinem OEuvre Werke für die Gestaltung unserer Premierenmotive zur Verfügung stellt. Gerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, gilt als einer der weltweit wichtigsten lebenden Maler – die im Spielzeitheft abgedruckten »Übermalungen« zeigen den im ursprünglichen Wortsinn vielschichtigen Umgang künstlerischer Aneignung und Umformung von Wirklichkeit, der spannende Deutungsprozesse initiiert – eine Einladung zum genauen Sehen.

Eine Aufforderung zum Zuhören hingegen stammt aus der Feder des Theologen, Bürgerrechtlers und Politikers Frank Richter. Er hat 2018 unter dem Titel »Hört endlich zu! Weil Demokratie Auseinandersetzung bedeutet« ein bemerkenswertes Buch zur aktuellen gesellschaftlichen Lage geschrieben. Das Einander-Zuhören, das brauchen wir ebenso wie das differenzierte Hin-Sehen, auch in der Kunst. Sonst funktioniert weder das eine – Gesellschaft, Politik – noch das andere, die Kunst. Wir möchten mit unserem Schaffen unseren Beitrag zu dieser Kultur der geschärften Wahrnehmung leisten. Zahlreiche Bei- und Nebenprogramme der Abteilung Education aber auch der Dramaturgie eröffnen Möglichkeiten der Auseinandersetzung.

Besuchen Sie uns, erleben Sie ein exzellentes Ensemble, internationale Stars und spannende Interpretationen in der Semperoper – und lassen Sie uns darüber reden. 

Herzlich, Ihr

Peter Theiler
Intendant der Sächsischen Staatsoper Dresden

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