Konzerte an besonderen Orten

Semper:Donnerstag

Wir machen besondere Orte in unserem Haus zum Konzertsaal! Ob in der Mittelloge der Oper, auf der Unterbühne, auf einer Arbeitsgalerie in schwindelnder Höhe über der Bühne, im Malersaal oder im Rundfoyer – all diese Orte werden mit Musik und Tanz erfüllt. Wir laden Sie ein, jeden Donnerstag ab 17 Uhr ein Stück Semperoper zu genießen. 

Die Reihe wird gestaltet von Musiker*innen der Sächsischen Staatskapelle, dem Staatsopernchor, dem Semperoper Ballett und Solist*innen der Semperoper. Wir freuen uns auf Sie!

Hier geht’s zu unseren »Semper:Donnerstag«-Konzerten aus dem Frühjahr 2020 im Rahmen der Kampagne »Semperoper zuhause«.

»Bar Classics«

Von Cole Porter bis Paul Simon

Andrew Lloyd Webber / Tim Rice: »On This Night of a Thousand Stars« 
Cole Porter: »I’ve Got You Under My Skin« 
Hans Sotin: »Strandperle« (Uraufführung)
Paul Simon: »Bridge over Troubled Water«

Mit Aaron Pegram (Tenor) und Alexandros Stavrakakis (Bass)
Klavier Hans Sotin

Am Semper:Donnerstag erleben Sie unsere Sänger*innen an ungewöhnlichen Orten der Semperoper: Das Rundfoyer im ersten Rang, normalerweise die Flaniermeile unserer Zuschauer, ist der perfekte Ort für die »Bar Classics«, die der Tenor Aaron Pegram und der Bass Alexandros Stavrakakis gemeinsam mit dem Pianisten Hans Sotin präsentieren. Musik mit Swing und Groove zwischen den festlichen Säulen der Semperoper ...

Cole Porters »I’ve Got You Under My Skin« aus dem Film »Born to Dance« war 1937 für den Oscar als Bester Song nominiert und wurde spätestens durch die Version von Frank Sinatra 1956 unsterblich. »On This Night of a Thousand Stars« stammt aus Andrew Lloyd Webbers Erfolgsmusical »Evita«. Und Paul Simons »Bridge over Troubled Water« wurde in der Interpretation von dessen Bühnenpartner Art Garfunkel zum Welterfolg – und ist seitdem eine wahe Hymne des Trostes. Abgerundet wird das Programm durch eine Uraufführung: Hans Sotin, Pianist und Korrepetitor der Semperoper Dresden, hat eigens für den Semper:Donnerstag ein augenzwinkernd sehnsüchtiges Klavierstück geschrieben, das er nun selbst zum ersten Mal spielt: Strandperlen.

»Holà! Ihr Streiter in Apoll«

Ansprache des La Roche aus dem Konversationsstück für Musik »Capriccio« von Richard Strauss

La Roche KS Georg Zeppenfeld
Klavier Johannes Wulff-Woesten

Als Richard Strauss an seiner letzten Oper »Capriccio« saß, schwebte ihm eine rokoko-haft leichte musikdramatische Summe seines Schaffens und seiner Auseinandersetzung mit dem Genre Oper vor. Heraus kam ein Werk, dass die klassischen Formen der Gattung im parlando-haften Konversationsstil endgültig überwand und ausgesprochen beziehungsreich mit zahlreichen Referenzen an die Welt des Theaters, die Oper und die Eigenheiten seiner Schöpfer spielt.

Einer der Protagonisten ist der erfolgreiche Theaterdirektor La Roche: Er ist geladen, um zum Geburtstag der Gräfin Madeleine ein Theaterspektakel zu inszenieren und gerät mit den Vertretern der jüngeren Generation – dem Komponisten Flamand und dem Dichter Olivier – darüber in Streit. In seiner Ansprache »Holà! Ihr Streiter in Apoll« entwickelt er seine Vision eines wahrhaftigen wie lebens- und kraftvollen Theaters – und teilt uns auch gleich noch die Inschrift, die einst auf seinem Grabstein stehen werde, mit. Was hat sich Richard Strauss von seinem Librettisten gewünscht? »Verstandestheater, Kopfgrütze, trockener Witz!«

Auszug aus dem Libretto zu »Capriccio«, verfasst von Clemens Kraus und Richard Strauss  

Direktor: 
Holà! Ihr Streiter in Apoll! Ihr verhöhnt und beschimpft mein festliches Theater?! Was gibt euch ein Recht, so überlieblich zu sprechen und mich zu schmähn, den wissenden Fachmann?! Euch, die ihr noch nichts für das Theater geleistet?! (zu Olivier) Deine Verse in Ehren, - wenn Clairon sie spricht! Aber die magere Handlung deiner Dramen - ihr dramatischer Aufbau? - Sehr bedürftig meiner szenischen Hilfe! (zu Flamand) Deine kleinen Ensembles für Streichinstrumente: - graziöse Kammermusik! Sie entzückt den Salon. Die heutige habe ich leider verschlafen. Elegische Romanzen kannst du wohl singen, aber Musik der Leidenschaften, wie die Bühne sie fordert, sie ist dir bisher noch nicht gelungen! - Nein, nein, euer Veto macht mich nicht erzittern! Was wisst ihr Knaben von meinen Sorgen? Seht hin auf die niederen Possen, an denen unsere Hauptstadt sich ergötzt. Die Grimasse ist ihr Wahrzeichen - die Parodie ihr Element - ihr Inhalt sittenlose Frechheit! Tölpisch und rüde sind ihre Späße! Die Masken zwar sind gefallen, doch Fratzen seht ihr statt Menschenantlitze! Ihr verachtet dies Treiben, und doch, ihr duldet es! Ihr macht euch schuldig durch euer Schweigen. Nicht gegen mich richtet eure Phalanx! Ich diene den ewigen Gesetzen des Theaters. Ich bewahre das Gute, das wir besitzen, die Kunst unsrer Väter halte ich hoch. Voll Pietät hüte ich das Alte, harre geduldig des fruchtbaren Neuen, erwarte die genialischen Werke unserer Zeit! Wo sind die Werke, die zum Herzen des Volkes sprechen, die seine Seele widerspiegeln? Wo sind Sie? - Ich kann sie nichtfinden, so sehr ich auch suche. Nur blasse Ästheten blicken mich an: sie verspotten das Alte und schaffen nichts Neues! In ihren Dramen stolzieren papierne Helden, zücken die Schwerter und schwingen Tiraden, die wir längst schon kennen. In der Oper das gleiche: Greise Priester und griechische Könige aus grauer Vorzeit, Druiden, Propheten schreiten gleich Scheinen aus den Kulissen. - Ich will meine Bühne mit Menschen bevölkern! Mit Menschen, die uns gleichen, die unsere Sprache sprechen! Ihre Leiden sollen uns rühren und ihre Freuden uns tief bewegen! Auf! Erhebt euch und schafft die Werke, die ich suche! Kraftvoll führ auf meiner Bühne ich sie zum stolzen Erfolg. Schärft euren Witz, gebt dem Theater neue Gesetze -neuen Inhalt!! Wo nicht - so lasst mich in Frieden mit eurer Kritik. Heute im Zenith meiner ruhmreichen Lauf bahn darf ich es wagen, von mir zu sprechen, - von mir, dem Entdecker großer Talente - dem weisen Erzieher, dem Inspirator! Ohne meinesgleichen, wo wäre das Theater? Ohne meinen kühnen Wagemut und schließlich - ohne meine hilfreiche Hand? Ein Vorschuss im richtigen Augenblick kann aus tiefster Depression erheben und die entschwundene Tatkraft wieder erwecken. Ein Beispiel für viele: der berühmte Lekain, einst ein lebensmüder Statist, heute ein Führer des »Palais Royal«, ist mein Werk, ging durch mich seinen Weg. Gebt euch geschlagen, ihr Schwärmer, ihr Träumer! Achtet die Würde meiner Bühne! Meine Ziele sind lauter, unauslöschlich meine Verdienste! Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte! »Sicitur ad astra!« Auf meinem Grabstein werdet Ihr die Inschrift lesen: »Hier ruht La Roche, der unvergessliche, der unsterbliche Theaterdirektor. Der Freund der heitren Muse, der Förderer der ernsten Kunst. Der Bühne ein Vater, den Künstlern ein Schutzgeist. Die Götter haben ihn geliebt, die Menschen haben ihn bewundert! « - Amen. 

Stürmischer Applaus

Ausblick

Peter Eötvös: »Thunder« für Pauke solo (1993)

Semper:Donnerstag von der Unterbühne der Semperoper

Am dritten Semper:Donnerstag erkundet Manuel Westermann, Solo-Pauker der Sächsischen Staatskapelle, ein Stück Semperoper, das selbst die Mitglieder der Staatskapelle nicht oft zu Gesicht bekommen: Tief unter der Bühne lädt die Unterbühne zu neuen Perspektiven ein – und rückt ein Instrument in den Fokus, das im Konzert meist im Hintergrund wirkt. Welche Virtuosität in der Pauke steckt, demonstriert Manuel Westermann mit dem 1993 entstandenen Werk »Thunder« für Pauke solo des ungarischen Komponisten Peter Eötvös – in der Saison 2018/19 Capell-Compositeur der Sächsischen Staatskapelle. 

Das Video ist ab Donnerstag, 11. März 2021, 17 Uhr verfügbar.