In Memoriam Ute Walther
Der Mezzosopranistin Ute Walther, Octavian bei der Wiedereröffnung der Semperoper 1985, zum Gedenken
Manche Aufführungen einer Oper gehören zu historischen Momenten ihrer Geschichte. Der Rosenkavalier an der Semperoper im Jahr 1985 gehört mit Sicherheit dazu. Die Inszenierung von Joachim Herz war Teil der feierlichen Eröffnung des wiedererrichteten Opernhauses in Dresden, inklusive Fernsehübertragung. Als Octavian im Zentrum der Liebeskomödie: die Mezzosopranistin Ute Walther.
Ihre Interpretation der Figur war ein Gesamtkunstwerk, „wo Singen, Darstellung und äußere Figur übereinstimmten wie selten“, wie Christel Goltz, selbst ein berühmter Octavian an der Semperoper, sagte. Auch die Kritiken waren begeistert von der stimmlichen und darstellerischen Leistung Ute Walthers. Es wird hervorgehoben, wie sehr es ihr damals gelungen war, die Gestalt dieses jungen barocken Adeligen jenseits von Klischees als dreidimensionale, emotionale Person anzulegen: „Als sehr selbstbewusster Octavian legt Ute Walther erneut eine überzeugende Probe ihrer Darstellungs- und Gesangskunst ab. Sie hat es nicht nötig, der Rolle mit aufgesetzten jungmännlichen Gesten beizukommen, dafür weiß sie den leidenschaftlichen Liebhaber mit viel Cherubin-Zauber und komödiantischer Spiellust in Mariandl-Verkleidung zu zeigen. Auch der strömende Wohllaut ihres Mezzosoprans nimmt für sich ein.“ (Union, 20.02.1985) Diese Stimme stellte sie in den Dienst der gesamten Partitur mit dem Wissen, wann die eigene Linie hervortreten und wann sie sich mit dem Gesang anderer verbinden sollte. „Der klare Mezzoton von Ute Walther verschmolz mit dem durchschlagenden, silbrig hellen oberen Stimmregister von Margot Stejskal [Sophie von Faninal] auf so wirkungsvolle Weise, dass nicht nur die Überreichung der silbernen Rose oder das Schlussduett großartig herauskamen, sondern auch das große Terzett gemeinsam mit der Marschallin [Ana Pusar] zu Beginn des Finales zum beeindruckenden Klangerlebnis des Abends wurde.“ (Sächsische Zeitung, 15.02.1985)
Dem Dresdner Publikum war Ute Walther zu diesem Zeitpunkt der Rosenkavalier-Premiere bereits seit einigen Jahren bestens vertraut. Von 1980 bis 1985 war sie an der Sächsischen Staatsoper engagiert und sang hier Partien wie 1981 die Ježibaba in Dvořáks Rusalka, 1982 die Partei des Komponisten in Strauss’ Ariadne auf Naxos und 1983 die Ortrud in Wagners Lohengrin in der Inszenierung von Christine Mielitz, die bis heute im Repertoire des Hauses geblieben ist. Wenn sie nicht auf der Bühne stand, galt für sie die Devise: Hinaus in die Natur. Sie ging gern spazieren durch die Dresdner Heide und liebte das Fahrradfahren genauso wie den Ski-Sport. Wie eine Sportlerin achtete sie auch auf ihren Gesang, trainierte – so wie sie es sagte – jeden Tag für eine Stunde ihre Stimme. Konzentration war von höchster Bedeutung, vor allem am Tag der Vorstellung. „Besuch kann ich nicht gebrauchen.“ Der ganze Tag gehörte dem Fokus auf die Stimme und die Figur, die es zu verkörpern galt. Für sie war das Singen nicht nur ein Beruf, sondern eine Leidenschaft: „Ohne Besessenheit für die Oper kann man meines Erachtens in diesem Beruf nichts Großes leisten.“ Am 6. Juni 2026 ist Ute Walther mit 83 Jahren verstorben.

Ariadne auf Naxos, Ute Walther – Komponist, 1982 © Erwin Döring

Ariadne auf Naxos, Ute Walther – Komponist, 1982 © Erwin Döring

Lohengrin, Ute Walther – Ortrud, 1983 © Erwin Döring

Die Meistersinger von Nürnberg, Ute Walther – Magdalene, Lucia Popp – Eva, 1985 © Erwin Döring

Die Meistersinger von Nürnberg, Ute Walther – Magdalene, Lucia Popp – Eva, 1985 © Erwin Döring

Rusalka, Jana Smitková – Rusalka, Ute Walther – Die Hexe, 1981 © Erwin Döring

Der Rosenkavalier, Ute Walther – Octavian, 1985 © Erwin Döring

Der Rosenkavalier, Ute Walther – Octavian, Ana Pusar – Feldmarschallin, 1985 © Erwin Döring

Der Rosenkavalier, Ana Pusar – Feldmarschallin, Ute Walther – Octavian, 1985 © Erwin Döring