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Daphne

Fotogallerie für Daphne       - Insgesamt 5 Fotos.

Bukolische Tragödie in einem Aufzug von Richard Strauss
In deutscher Sprache mit Übertiteln

Ausführliche Inhaltsangabe

Handlung

Daphne, die Tochter von Peneios, verweigert sich dem kultischen Fest des Vaters. Sie fühlt sich fremd und hat Angst, Angst vor dem Rausch und der Zerstörungswut der Menschen. Ihr Vater und die jungen Männer des Ortes bedrängen sie. Auch ihr Jugendfreund Leukippos bedrängt sie.

Gaea versucht, ihre Tochter Daphne in die Konventionen des Festes zu zwingen. Ängstlich zieht sich Daphne zurück. Ihre Freundinnen verführen Leukippos dazu, sich Daphne durch Täuschung wieder anzunähern.

Peneios verkündet seine Vision einer neuen Gesellschaft, die den Göttern gleichgestellt ist. Während fanatischer Beschwörungen erscheint ein Fremder. Es ist Apollo, der sich inkognito unters Volk gemischt hat. Er gesteht vor sich selbst, ein Lügner zu sein. Daphne erscheint und verfällt ihm. Als er sie vereinnahmen will, erkennt sie seinen Betrug.

Das Fest beginnt. In tiefer Verbundenheit zieht es Daphne zu Leukippos hin. Apollo deckt Leukippos’ Täuschung auf und tötet ihn, da dieser sich ihm widersetzt. Daphne fühlt sich schuldig am Mord an Leukippos und weist Apollo, der Tod und Zerstörung brachte, zurück. Im Glauben an die Unzerstörbarkeit der Menschheit geht Daphne in den Tod.

Entstehung

»Daphne – ein einziges Musikwunder« titelte einst der »Dresdner Anzeiger« am 17. Oktober 1938 nach der Uraufführung und schrieb weiter: »Superlative reichen nicht aus, das Ereignis zu kennzeichnen.« Der umjubelten Uraufführung ging jedoch ein diskussionsreicher und keineswegs konfliktfreier Entstehungsprozess voraus. Als sich Richard Strauss im Sommer 1935 erstmals mit der neuen Oper auseinandersetzte, war er 71 Jahre alt. Seine Erfolge mit »Salome«, »Elektra«, »Rosenkavalier«, »Ariadne auf Naxos« und »Arabella« lagen hinter ihm. Strauss war auf der Suche nach einem kongenialen Textdichter, denn die kulturpolitische Stimmung, mit der das Nazi-Regime die Einführung der »Nürnberger Rassengesetze« für September 1935 vorbereitete, erlaubte nicht länger eine Zusammenarbeit mit Stefan Zweig. Bereits bei der Uraufführung ihrer gemeinsamen Oper »Die schweigsame Frau« im Juni 1935 in Dresden war es zum öffentlichen Eklat gekommen. Strauss hatte auf der Nennung Zweigs auf dem Besetzungszettel insistiert. Hitler und Goebbels sagten daraufhin ihr Kommen ab. Und Strauss trat als Präsident der Reichsmusikkammer zurück. Stefan Zweig, der Strauss weiterhin seine anonyme Mitarbeit zusicherte, empfahl dem Komponisten den Wiener Theaterhistoriker Joseph Gregor als »Ersatzlibrettisten«. Das Sujet für eine neue Oper fand sich auf Gregors Vorschlag hin schnell: Die Legende von Daphne und Gott Apollo – der älteste Opernstoff überhaupt und zugleich der erste Stoff, den einst Heinrich Schütz 1627 als erstes, leider verlorenes Musiktheaterwerk für den Dresdner Hof komponiert hatte.
Seither ging Daphne in verschiedener Gestalt über die Opernbühne. Für Strauss muss der Gedanke, eine Oper zum ursprünglichen Opernstoff zu gestalten, reizvoll gewesen sein. Dennoch liegt die eigentliche Inspirationsquelle anderswo, bei Gregor, der sich von einer Daphne-Apollo-Lithographie des französischen Romantikers Théodore Chassériau inspirieren ließ. Strauss und Gregor schufen eine mit Blick auf die Mythologie jedoch eher freie Fassung. Die Zusammenarbeit zwischen Komponist und Librettist gestaltete sich äußerst schwierig. Strauss gab sich erst mit der dritten Textfassung zufrieden, zuvor bemängelte er, dass »alles geschrieben und nicht auf der Bühne gesehen sei«. Mehr noch, Gregor musste sich von Strauss beschimpfen lassen, er schreibe einen »schlecht imitierten Homer-Jargon« und »Weltanschauungsbanalitäten«, wogegen sich Gregor zur Wehr setzte, Strauss aber entgegnete: »Auch die Säge des Chirurgen schmerzt, wenn sie ohne Narkose arbeitet …«
Ist Strauss der Komponist, dem kein Libretto genügte? Im Falle der »Daphne« jedenfalls landete er, wo er vielleicht hingehört: bei nichts als Musik. In einem dichten und beziehungsreichen Motivgeflecht offenbaren sich in dieser Musik Tiefen, die man im Text ab und an vermisst. Lyrische Gesangslinien, durchbrochen von dramatischen Akzenten, wechseln mit symphonischen Passagen in äußerst kunstvoller, farbenreicher Instrumentation.

Leitungsteam

Bei der Neuproduktion der »Daphne« kommt es im Leitungsteam zu einer spannenden Begegnung. Sowohl der junge israelische Dirigent Omer Meir Wellber als auch der erfahrene deutsche Regisseur Torsten Fischer arbeiten beide erstmals an der Semperoper. Omer Meir Wellber, einst Assistent von Daniel Barenboim und ab 2011 in der Nachfolge von Lorin Maazel Musikdirektor am Palau de las Arts Reina Sofia in Valencia, gilt als einer der talentiertesten jungen Dirigenten Israels. Neben zahlreichen weiteren Engagements leitete er diesen Sommer eine »Salome«-Produktion beim Saito Kinen Festival Matesumoto in Japan und spannt so den Bogen von Strauss’ Früh- zu dessen Spätwerk.
Ein Blick auf Torsten Fischers Inszenierungen wiederum verrät: Der Regisseur, der zeitweise in Griechenland lebt, scheint ein besonderes Faible für die griechische Mythologie zu haben: »Die Geschichten der Mythologie sind nicht das Primäre, sondern durch die Mythologie hindurch sehen wir ewig menschliche Vorgänge, erleben wir Tragödien. Daphne wird trotz des schwierigen Librettos zu einem interessanten Stück, wenn es gelingt, die Geschichte vom bukolischen Hintergrund zu lösen und ganz auf die Tragödie und die Musik zu fokussieren«, sagt Torsten Fischer. Dabei kann und will er die politische Situation der Entstehungszeit der Oper nicht außer Acht lassen. »In einer Art assoziativem Traumspiel werden wir Zeugen eines Frauenschicksals, das sich zum Gesellschaftsschicksal weitet. Wir sehen Daphne in einem korrumpierten Umfeld und erleben ihre Verführbarkeit, ihr Zurückweichen und Zurückschrecken sowie ihr Erkennen der eigenen Schuld am Tod eines geliebten Menschen.« Richard Strauss hat man mehrfach den Vorwurf gemacht, er hätte sich zur Zeit des Nazi-Terrors von der politischen Realität abgewandt und mit »Daphne« die Flucht in eine heilere Welt vollzogen. »Doch Daphne ist keine Idylle und die Verwandlung zum Schluss kein Happy End«, sagt Torsten Fischer, »vielleicht ist es aber die Möglichkeit einer Utopie der steten Erneuerung in der Natur.«

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