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Cleofide

Oper in drei Akten von Johann Adolf Hasse. Bühnensprache: italienisch mit deutschen Übertiteln.

詳細解説

Sprichwörtlich waren seine Großzügigkeit und Humanität: Dadurch kam Alexander der Große (356-323 v. Chr.), der als Herrscher des kleinen makedonischen Königreichs das gewaltige Persien niederrang, Babylon und Susa eroberte und nach einem abenteuerlichen Feldzug durch Indien 329 v.Chr. den Indischen Ozean erreichte, schon bei seinen Zeitgenossen zu literarischen Ehren. 1729 verfasste Metastasio das Drama »Alessandro nell'Indie", in dem der prägendste Librettist seiner Zeit die Begegnung zwischen Alexander und dem zwar von ihm besiegten, aber in Freiheit belassenen indischen König Poros schildert.
Da Tugenden wie Mitleid und Milde für ein Drama nicht unbedingt ergiebig sind, wurden den beiden Feldherren zwei attraktive Frauen an die Seite gestellt: Cleofide, Lebensgefährtin des Poros, und Eryxene, dessen Schwester. Des weiteren kamen ein Freund, auf den in jeder (Not)Situation Verlass ist - Gandartes - und ein Intrigant - Timagenes – hinzu. Die Mixtur für dramatische Spannungsbögen war zubereitet. Vor dem Hintergrund eines bewaffneten Konfliktes kommt es nunmehr zu den zwischenmenschlichen Verwicklungen, die für die (Barock)Oper typisch sind: Liebe, Verzicht, Eifersucht und Verrat.
In Michelangelo Boccardis Bearbeitung für Johann Adolf Hasse verlagert sich der Schwerpunkt von Alexanders tugendhaftem Verhalten auf die Auseinandersetzungen zwischen dem Liebespaar. Cleofide wird zur Hauptperson des Dramas.
Erstaunlich ist nun die Eigenständigkeit, mit der Cleofide sich in der Männerwelt in den Zeiten des Krieges bewegt: Selbst Königin eines indischen Reiches, taktiert sie klug zur Verteidigung ihres Landes mit den - wie sie es nennt - »nicht ganz unwirksamen Waffen meines Geschlechtes" und agiert dabei auch für Poros , dessen kopflose Eifersucht angesichts der politischen Situation als gänzlich verantwortungslos erscheint. Dass es sich bei Cleofide trotzdem mitnichten um eine kühle Polit-Karrieristin, sondern um eine wahrhaft Liebende handelt, zeigt sich am Schluss der Oper, wenn sie aus Schmerz über den angeblichen Tod Poros' nicht weiterleben will.
Dresden war unter Heinrich Schütz zum Geburtsort der deutschen Oper geworden, 1627 entstand seine »Dafne" auf eine Übersetzung des allerersten Opernlibrettos von Ottavio Rinuccini durch Martin Opitz. Während des dreißigjährigen Krieges und in den Jahren danach konnte es zu keiner kontinuierlichen Blüte einer so prächtigen und infolgedessen teuren Gattung wie der Oper kommen. Es blieb bei Fest-Aufführungen zu besonderen Anlässen. Doch der Plan einer Operngründung mit den hervorragendsten italienischen Künstlern bestand. Als 1728/29 die beiden Kapellmeister Johann Christoph Schmidt und Johann David Heinichen verstarben, suchte der ambitionierte Kurfürst nach einem renommierten Nachfolger und umwarb Johann Adolf Hasse.
Dieser, 1699 bei Hamburg geboren, hatte seit den 1720er Jahren in Italien gelebt, gearbeitet und erste Erfolge als Opernkomponist gefeiert. Nach langen Bemühungen des Hofes nahmen Hasse und seine Frau, die berühmte Primadonna Faustina Bordoni, die Einladung zu einem Gastspiel im Sommer 1731 an, bei dem am 13. September die Premiere von »Cleofide" stattfand. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen und Hasse begründete in den nächsten Jahrzehnten durch seine klangprächtigen opere serie im »galanten Stil" Dresdens Weltruf als Opernmetropole.
Jahrhunderte lang galt die Barockoper als unaufführbar, bis Händels - schon zu seinen Lebzeiten nicht mehr gespielten - Musiktheaterwerke in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Göttingen erste Wiedererweckungsversuche erlebten. Doch erst seit wenigen Jahren schreibt die Barockoper regelrecht Erfolgsgeschichte und erobert sich einen festen Platz im Repertoire. Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben den nie bestrittenen Schönheiten der Musik scheinen ihre Stoffe in einer Zeit, die den Rückzug ins Private propagiert, eine neue Aktualität zu bekommen: schildert die Barockoper doch trotz antiker oder mythologischer Verkleidung letztendlich nichts als ganz allgemeinmenschlich Liebeslust und -leid. Auch die von Vertretern des Musikdramas oft gescholtene hochartifizielle dacapo-Arie mit ihrer Versenkung in das eigene Gefühl scheint die heutige »Gesellschaft von Individualisten" abzubilden.

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