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Jonathan Darlington dirigiert die Neuproduktion »Orlando«

Jonathan Darlington, gebürtiger Brite, wahlbeheimateter Franzose und beruflich als Music Director an der Vancouver Opera zuhause, kehrt an die Semperoper zurück. Nachdem er hier in den vergangenen Spielzeiten bereits »La grande magia« und »Street Scene« dirigierte, übernimmt er nun die musikalische Leitung der Neuproduktion von Georg Friedrich Händels »Orlando«. Dabei spielt Darlington nicht nur mit dem Taktstock in den Händen, sondern auch auf den Cembalotasten unter seinen Fingern. Wenn sich die musikalische Begleitung, wie in der Barockoper üblich, im Rezitativ auf die Continuogruppe reduziert, greift Darlington nämlich selbst in die Tasten des Barockklaviers. Auf diese Weise kann er die fünf Sängerinnen und Sänger auf der Bühne perfekt durch ihre Rollendebüts geleiten und den Ton der Musik exakt nach seinem Wunsch gestalten.

Darlington weiß, um welches Novum innerhalb der Musikgeschichte es sich beim »Orlando« handelte: »›Orlando‹ gestaltet sich ganz anders als noch neun Jahre zuvor ›Giulio Cesare in Egitto‹«, erklärt er. »Es öffnet sich eine vollkommen neue Welt. Besonders Orlandos Wahnsinns-Szene aus dem zweiten Akt der Oper galt als Komposition jenseits aller bestehenden Konventionen.« Sehr zum Leidwesen seines Starkastraten Francesco Bernardi, genannt Senesino, den Händel einst aus Dresden abgeworben hatte, schrieb der Komponist für seinen Titelritter nämlich lediglich drei Da-capo-Arien. Sie erklingen in den Anfangsszenen der Oper, in denen Orlando noch über seine vollen mentalen Kräfte verfügt. In dem Moment aber, in dem er angesichts der in einen Baumstamm eingeritzten Namen Angelicas und Medoros alle Hoffnung auf eine glückliche Zukunft mit der Angebeteten verliert, entrinnt ihm mit den klaren Strukturen des menschlichen Verstandes auch die formal geschlossene Arienform. »Die Musik ist nicht mehr an eine vorgeschriebene Form gebunden, sondern zerfällt gemäß der geistigen Verlorenheit der Figur in scheinbar unzusammenhängende Einzelteile«, führt Darlington aus. »Es ist kein extrovertierter Wahnsinn, der sich furios und koloraturreich darbietet. Orlandos Verwirrung zeigt sich eher in einer bedrohlichen Ruhe und Desorientiertheit. Hierfür verwendet Händel eine gleichsam durchkomponierte Form, die an ein Rondo erinnert.«  Darlington geht zum Cembalo: »Ich kann das einmal kurz anspielen.«

Ab dem 27.01.2013 ist Händels innovative Komposition in der Semperoper Dresden zu erleben. Es spielt die Sächsische Staatskapelle unter dem Dirigat Jonathan Darlingtons.