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Hans Werner Henze: Wir erreichen den Fluss

Premiere am 13. September 2012 an der Semperoper

»Wir erreichen den Fluss« von Hans Werner Henze wird die erste Premiere der Spielzeit 2012/13 sein, Termin ist der 13. September 2012. Bereits am 11. Juni begannen die Ensembleproben für das komplexe und äußerst personenreich besetzte Stück politischen Musiktheaters. Die »Handlungen für Musik« verfolgen die Entwicklung eines Generals, der mit zunehmender Erblindung vom Kriegstreiber zum Gewaltverweigerer reift. Dieses vielleicht politischste Werk des Komponisten ist nur eines im Rahmen des Henze-Programmschwerpunktes, der in allen Sparten in der nächsten Saison zu erleben sein wird.
Das Inszenierungsteam: Bühnenbild – Rebecca Ringst und Annett Hunger, Kostüme – Frank Lichtenberg, Dramaturgie – Stefan Ulrich – rund um Regisseurin Elisabeth Stöppler, die an der Semperoper u.a. bereits Henzes »Gisela« auf die Bühne brachte, stellte nun das Regiekonzept vor. Eine völlig neue Raumsituation wird in der Semperoper zu erleben sein mit in den Zuschauerraum ragenden bzw. ihn durchziehenden Bühnenelementen und drei, an verschiedenen Orten platzierten Orchestern. Die musikalische Leitung des im Grunde kammermusikalisch und stark solistisch angelegten Werkes obliegt Erik Nielsen.
An dieser Stelle werden in loser Folge beteiligte Akteure sowie der Entstehungsprozess vorgestellt.

Zur Aufführungstechnik von »Wir erreichen den Fluss« hat der Komponist Hans Werner Henze in der Partitur umfassende Angaben notiert, anhand derer das Regieteam, allen voran Rebecca Ringst und Annett Hunger, das Bühnenbild entwickelt. Die Besucher erwartet in der Semperoper eine völlig neue, in ihrem Dimensionen beeindruckende Raumsituation, da Teile der Bühnenaufbauten bis in den Zuschauerraum ragen, speziell ein 40 Meter langer Steg, der bis zur Königsloge verläuft und auch befahrbar sein wird: »das bühnenbild wird so tief in den zuschauerraum getragen wie möglich. der orchestergraben wird zugedeckt.« So werden auch Teile des Parketts und der Ränge bespielt.
Komponiert ist das Stück für drei Orchester, korrelierend mit drei Spielorten, die im Raum verteilt sind: »die podeste für die drei orchester müssen elegant und festlich sein, die spieler und der dirigent in galakleidung (frack).« Besonders wird jedoch Wert auf eine einfache und zugleich realistische Darstellung gelegt, die sich direkt und ohne Graben direkt an die Zuschauer richtet. 

Während die aktuelle Spielzeit an der Semperoper ihrem Ende entgegengeht, sind die Proben für die erste Premiere der neuen Spielzeit, Henzes »Wir erreichen den Fluss«, in vollem Gange. Regisseurin Elisabeth Stöppler plant in den bis zu den Theaterferien verbleibenden drei Wochen einen weitestgehend chronologischen Durchlauf mit einigen Sprüngen, so dass die große Schar an Mitwirkenden allesamt integriert wird und zum Einsatz kommt. Da Henze keinen Chor vorsieht, ist das Stück rein solistisch besetzt, was auch einen immensen koordinativen Aufwand und besonders große Aufmerksamkeit aller Künstler erfordert. Geprobt wird aufgrund der engen Raumsituation der Semperoper in einer angemieteten Probebühne im ehemaligen Robotron-Domizil in Dresden.

Kaum ist er an der Semperoper Dresden engagiert worden als Mitglied des Jungen Ensembles, das zur Aufgabe hat, den künstlerischen Nachwuchs zu fördern, steht Alexander Hajek bereits mit den zahlreichen Kollegen für Hans Werner Henzes Antikriegsdrama »Wir erreichen den Fluss« auf der Probebühne. Seine genaue Partienbezeichnung lautet 3. Soldat / 6. Wahnsinniger, wobei dies durchaus einen Teil der Handlung widerspiegelt, in deren Verlauf der Krieg zahlreiche Opfer fordert und so auch Soldaten an den Grausamkeiten verzweifeln lässt. Der kanadische Bariton Alexander Hajek beschloss kürzlich sein Studium am Canadian Opera Company Ensemble Studio und ist Absolvent der Juilliard School of Music. An der Semperoper wird er ab der Spielzeit 2012/13 in zahlreichen Partien zu erleben sein.

Mit Hans Werner Henzes Kompositionen kennt er sich aus, denn bereits 2010 gab Erik Nielsen sein Hausdebüt an der Semperoper mit Henzes Neukomposition »Gisela! oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks«, die im September hier wieder unter seiner Leitung aufgeführt wird. In der aktuellen Spielzeit übernahm er noch die musikalische Leitung von »Simplicius Simplicissimus« und »Lohengrin«. Nun wird er 2012 bei der Neuproduktion von Henzes »Wir erreichen den Fluss« am Pult der Sächsischen Staatskapelle stehen. Dabei obliegt ihm die anspruchsvolle Aufgabe, drei im Opernraum verteilte Orchester und eine große Anzahl an Solisten musikalisch zu koordinieren.
Erik Nielsen studierte zunächst Oboe und Harfe an der Juilliard School New York, worauf ein Dirigierstudium am Curtis Institute in Philadelphia folgte. Bis zuletzt war er Kapellmeister an der Oper Frankfurt. Gastspiele führten ihn an die Metropolitan Opera, die English National Opera, die Lyric Opera Boston sowie nach Lissabon, Rom, Bilbao, Malmö und Berlin.

Von der damenhaften Opernsängerin zur wilden Wahnsinnigen: Dieser Rollenwandel ist auch dem Kostüm anzusehen, das die polnische Mezzosopranistin Ewa Zeuner in der Inszenierung von Henzes »Wir erreichen den Fluss« tragen wird. Von der großen Abendrobe schaut nur noch etwas schimmernder, helllachsfarbener Satinstoff unter dem mit Fell besetzten, lumpenhaften Mantel hervor, der dem Theaterfundus entnommen ist und der Phantasie des Zuschauers Interpretationsraum eröffnet. Denn nach der Okkupation des Theaters werden auch die Sänger mit der Besatzungsmacht konfrontiert und müssen mit mancherlei Kriegsgräueln zurechtkommen. Einige sterben, andere verlieren den Verstand und werden wahnsinnig.
Für Ewa Zeuner, die über Erfahrung mit Werken Neuer Musik verfügt, zeichnet sich bereits zum gegenwärtigen Probenstand ein sowohl für die Künstler als auch für das Publikum beeindruckendes Stück Musiktheater ab, das sicherlich niemanden unberührt lassen wird.

Wenn am 13. September 2012 Hans Werner Henzes »Wir erreichen den Fluss« an der Semperoper Premiere hat, erleben Künstler und Zuschauer völlig ungewohnte Raumverhältnisse: Quer durch den Zuschauersaal verläuft eine Rampe, auf der sich das Geschehen abspielt, die vorderen Sitzreihen werden bis zum ersten und zweiten Rang mit Bühnenaufbauten bedeckt. Dass dann nichts klemmt oder schwankt, dafür sorgt die hauseigene Konstruktionsabteilung, die oft äußerst kreativ sein muss, um die Ideen der Bühnenbildner mit den zeitlichen, finanziellen und vor allem (sicherheits-)technischen Anforderungen in Einklang zu bringen.
Henzes Antikriegsdrama werden die Zuschauer zwischen der Dekoration im Zuschauerraum erleben. Daraus ergeben sich statische Probleme, da der Zuschauerraum zwar für die Belastung durch viele Gäste ausgelegt ist, nicht aber für den tonnenschweren Stahlaufbau des Bühnenbildes. Abhilfe schafft eine Art doppelter Boden zur Lastverteilung, der zusätzlich eingebaut wird. Darauf wird eine Podesterie errichtet, die genügend Platz und Stabilität für das stählerne Bühnenbild samt Sängern und Musikern bietet. Drei bis vier Wochen vor der Premiere, wenn zur Technischen Einrichtung alle originalen Aufbauten erstmals auf der Bühne zusammengesetzt werden, wird sich zeigen, ob alles funktioniert.

In Henzes Opus »Wir erreichen den Fluss« bleiben die Protagonisten namenlos, auf ihre Position oder Funktionalität beschränkt, eine Nummer unter vielen. Dieses Schicksal teilt auch Soldat 2, gesungen von Timothy Oliver. Der aus Virginia stammende Tenor war seit der Übernahme ins Ensemble der Semperoper in über 40 Partien zu erleben und ist daher auch durch seine Wandlungsfähigkeit bekannt. In diesem Stück verkörpert er einen Untergebenen, der, nachdem er ein desillusionierendes Treffen mit seinem einstigen, nun in die Psychiatrie eingewiesenen General hinter sich gebracht hat, zum Mörder des Gouverneurs wird. Doch damit ist das Blutvergießen nicht vorbei, Soldat 2 samt seiner Familie werden daraufhin in einem Akt der Vergeltung ebenfalls umgebracht.
Henzes Drama verdeutlicht zwar den Krieg und seine Inhumanität, will aber letztlich Zuversicht verbreiten, den Kampf für die Freiheit zu wagen und sich gegen jegliche Unterdrückung zu wehren.

Die Theaterferien sind noch nicht ganz vorbei, da beginnen bereits die ersten Ensembleproben für die aufwändige Produktion  »Wir erreichen den Fluss / We come to the River«. Hans Werner Henzes noch immer hochaktuelles Kriegsdrama wird als Dresdner Erstaufführung am 13. September 2012 an der Semperoper aufgeführt werden.
Wir hoffen, dass sich alle Künstler gut erholt haben, um mit viel Energie und Elan in die intensiven Proben der kommenden Wochen gehen zu können. Sicherlich muss manches aufgefrischt werden, aber dann geht es gleich ganz schnell weiter im Stück – allen Beteiligten ein herzliches Toi toi toi!



Während die Ensembleproben für »River« wieder begonnen haben, sind wesentliche, äußerst aufwändige Arbeiten von Seiten der Konstruktion und Bühnentechnik bereits weit im Voraus vorangegangen – ein Grund mehr, die statischen Besonderheiten dieser Produktion in den Fokus zu rücken:
Da die Tragfähigkeit des Parketts, das in Teilen bespielt wird, nicht so hoch wie die der Bühne ist, bedarf es besonderer Sorgfalt, um die Last der Dekorationsaufbauten in den Fußboden abzuleiten. Denn aus den Dekorationsaufbauten entstehen gewaltige Gewichtsbelastungen von bis zu 800 kg/m². Zusammen mit dem Gewicht der Darsteller, Musiker und Instrumente kommen auf einzelne Stützen des Podestaufbaus über dem Orchestergraben sogar bis zu 1,3 Tonnen Last. Bei einer Überlastung des Parkettfußbodens im Saal würde die Gefahr bestehen, dass das Holzparkett bricht. Um das zu verhindern, wurden die Stühle ausgebaut und die Lasten über die Lüftungsöffnungen der Stuhlfüße im Saalboden in die unter dem Parkettboden befindliche Beton-Rohdecke eingeleitet.

Hans Werner Henzes Antikriegsdrama »Wir erreichen den Fluss / We come to the River«, die erste Opernpremiere der Spielzeit 2012/13, wird am 13. September als Dresdner Erstaufführung in der Semperoper zu sehen sein. Größer könnte der Kontrast zwischen dieser Inszenierung zu bisherigen Sehgewohnheiten kaum sein: In den prachtvollen Innenraum ragen mehrere Bühnenaufbauten, besonders augenscheinlich ist dabei ein laufstegartiger Gang quer durch den Zuschauerraum, auf dem die Protagonisten dicht am Publikum agieren und singen werden. Tableauartig verschränken sich im Laufe der Opernaufführung elf Bilder, die einerseits Schauplätze wie Hauptquartier und Schlachtfeld, andererseits Aktionen und Folgen des Krieges aufzeigen, wie etwa Hinrichtung und Szenen in einem Irrenhaus. Eine Invasion in der Semperoper, ein Anschlag auf den Ort der Kultur, der zum Kriegsschauplatz mutiert. Rebecca Ringst, 2010 Bühnenbildnerin des Jahres in der Kritikerumfrage der Zeitschrift »Opernwelt«, errichtet die Bauten für diese Invasion, Elisabeth Stöppler inszeniert.

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Wir erreichen den Fluss / We come to the River
Wir erreichen den Fluss / We come to the River
Wir erreichen den Fluss / We come to the River

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