Ein neues Kapitel in der prachtvollen Biografie der Semperoper Dresden wurde mit der Spielzeit 2010/11 aufgeschlagen und zu schreiben begonnen: Erstmals leitet mit Intendantin Dr. Ulrike Hessler eine Frau die Geschicke des berühmten Opernhauses. Nach vielen Kapiteln eines weit über 350-jährigen Opernschaffens in Dresden widmet sich dieses neue ganz bewusst der fruchtbaren Verbindung von Tradition und Erneuerung: Ensemble-orientierter, jünger und dresdnerischer präsentiert sich die Sächsische Staatsoper Dresden. »Kein radikaler Neuanfang also, sondern Weiterentwicklung, Verwandlung als Weg in die Zukunft«, sagt Ulrike Hessler.

Die Semperoper wird auch 2011/12 ihre spezielle Dresdner Dramaturgie weiter verfolgen, mit der sie im vergangenen Jahr unter neuer Intendanz einen Anfang machte. So setzt sich mit der Volksoper »Švanda dudák/Schwanda, der Dudelsackpfeifer« des Tschechen Jaromír Weinberger die slawische Programmlinie fort. Einer ihrer Höhepunkte wird außerdem die Uraufführung des Märchens »Jakub Flügelbunt« sein, das der Tscheche Miroslav Srnka als Auftragswerk für die Semperoper Junge Szene komponiert. Es hat zusammen mit Sergej Prokofjews »Peter und der Wolf« Premiere.
Auch dem musikalischen Barock widmet sich die Semperoper wieder, mit Händels zauberischer »Alcina« sowie mit Giovanni Battista Martinis Intermezzo »La Dirindina/Die Dilettanten-Diva«. Das italienische Repertoire ist durch Verdis »Maskenball« und Donizettis Melodramma »L’elisir d’amore/Der Liebestrank« vertreten. Die Neubeschäftigung mit den großen Mozart-Opern beginnt mit »La clemenza di Tito/Titus«. Das 20. Jahrhundert schließlich repräsentiert Karl Amadeus Hartmanns »Simplicius Simplicissimus« sowie Alban Bergs »Lulu«, mit der Stefan Herheim den konstanten roten Regiefaden, der sich durch die nächsten vier Spielzeiten zieht, fortführt. Nach seiner fulminanten »Rusalka« im vergangenen Jahr präsentiert er damit seine zweite Arbeit an der Semperoper.
Die inzwischen etablierte vierte Sparte Semperoper Junge Szene mit ihren generationenübergreifenden Produktionen huldigt mit einer Uraufführung dem Dresdner Erich Kästner: Komponist Johannes Wulff-Woesten macht aus der »Konferenz der Tiere« eine Oper. Auch »Die Prinzessin auf der Erbse« findet sich als Musikmärchen von Ernst Toch auf der Bühne wieder, ebenso das Musiktheaterprojekt »Zangesi« nach Texten des russischen Futuristen Velimir Chlebnikov, eine Kooperation mit Studierenden der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, sowie Studierenden der Hochschule für bildende Künste Dresden.
Zu einer beliebten Reihe haben sich die Semper Soireen und Matineen entwickelt, in denen sich besonders gut das Bekenntnis der Semperoper zu einem starken Ensemble und dessen Entwicklung und Reifeprozess ablesen lassen.
Den Saison-Höhepunkt des Semperoper Ballett stellt Aaron S. Watkins Neuproduktion von Tschaikowskys »Nussknacker« in Kooperation mit der Palucca Hochschule für Tanz dar. Balanchines »Juwelen«, präsentiert bereits in der Farben-Reihe der vergangenen Spielzeiten, werden nun gesammelt zu bewundern sein. Fünf Werke von William Forsythe, darunter die Uraufführung einer Kreation für die Semperoper, vereinen sich im »Kraftwerk Tanz«, und die »Ballets Russes – Reloaded« huldigen ihren berühmten Ahnen. Nicht zuletzt finden auch das erfolgreiche neue Format »Junge Choreografen« sowie die tänzerische Erkundung Dresdens »On the move« ihre Fortsetzung.

Der am Beginn der siebziger Jahre sich ankündigende Aufschwung der Dresdner Oper ging von Chefregisseur Harry Kupfer, Operndirektor Horst Seeger und GMD Siegfried Kurz aus. Anhand des unkonventionellen Spielplanes entfaltete sich ein fantasievoller, hintergründig-provokanter, an der Musik orientierter Inszenierungsstil. Man reiste wieder in die Elbestadt, um interessantes Musiktheater zu sehen, darunter Neues von Udo Zimmermann. Das erwähnte Leitungsteam reihte eine bedeutende Premiere an die andere, darunter 1975 Schönbergs »Moses und Aaron« als erste szenische Aufführung im sozialistischen Lager, von Hans Heinrich Stuckenschmidt in der FAZ als »Durchbruch mit Folgen«» bezeichnet. Der nun europaweit wahrgenommene neue Opernstil Harry Kupfers (etwa beim »Tannhäuser«) in Verbindung mit dem Potenzial der Staatskapelle vermochte dem langjährigen Wunsch der Dresdner nach originalgetreuem Wiederaufbau der Semperoper erst wirklich einen Sinn zu geben. Die Einweihung fand am 13. Februar 1985 vor internationalem Publikum statt – mit »Freischütz« und »Rosenkavalier« in der Regie von Joachim Herz. Dem aus Dresden stammenden neuen Chefregisseur sind weitere bedeutende Inszenierungen zu danken, darunter Janáčeks »Osud« in eigener Übersetzung. Das szenische Spektrum war denkbar weit gefasst: zwischen Ruth Berghaus’ bahnbrechender »Elektra«-Inszenierung mit Hartmut Haenchen am Pult und den dem Genius Loci huldigenden Wagner-Inszenierungen von Wolfgang Wagner und Theo Adam, dem damals internationalrenommierten Dresdner Bassbariton. Ein beachtliches Solistenensemble stand wieder zur Verfügung, das zusammen mit dem überragenden Opernchor für Anziehung sorgte.
Wenngleich die 1978 etablierten Dresdner Musikfestspiele die wichtigsten europäischen Opernhäuser per Gastspiel in die Stadt brachten, vermochte doch diese Art von »Weltoffenheit« nicht darüber hinweg zu täuschen, dass die DDR dem »Zustand der Agonie« zusteuerte: »tödlich für jeden Künstler«, so der Dresdner Opernkomponist Rainer Kunad…
Seit Wiedervereinigung und Neubegründung des Freistaates Sachsen wird die Sächsische Staatsoper noch deutlicher international wahrgenommen. Intendant war ab 1991 Christoph Albrecht, Gerd Uecker ist es seit 2003. Nach langer Pause ging die Oper 2008 wieder auf Gastspiel nach Japan, und die Dresdner und ihre zahlreichen Gäste können nun in kürzesten Abständen erste Sänger und Dirigenten in der Semperoper erleben. Ein Glücksfall der neunziger Jahre war die Verpflichtung des visionären, energiegeladenen Giuseppe Sinopoli als Chefdirigent der Staatskapelle mit gelegentlichen Operndirigaten (unvergessen: »Die Frau ohne Schatten«)…
Ihre exponierte Stellung beansprucht die Semperoper nicht zuletzt deshalb, weil das Haus über ein wunderbares Orchester verfügt, dessen Tradition bis ins späte Mittelalter zurückreicht und durch die einzigartige Abfolge der Komponisten-Kapellmeister Schütz, Hasse, Weber und Wagner sowie der Generalmusikdirektoren Schuch, Busch, Böhm, Keilberth und Kempe seine künstlerische Prägung erfuhr.
Matthias Herrmann (Auszug aus »Lust und Last der Tradition«. Opernwelt 3 / 2009)

Der 13. Februar 1985 war ein besonderes Zeichen internationalen Renommees – zu verdanken der Bevölkerung Dresdens im Verbund mit klug und innovativ denkenden Politikern, zu verdanken den Künstlerinnen und Künstlern, die über Jahrhunderte die Musik und musikalischen Theaterkünste auf internationalem Niveau hielten, zu verdanken allen Mitarbeitern der Sächsischen Staatsoper Dresden, die die Stafette ohne eigenes Opernhaus übernahmen und weitergaben.
Ilsedore Reinsberg

(nach Plänen von Gottfried Semper)
Eröffnung mit Carl Maria von Weber »Der Freischütz« (Wolf-Dieter Hauschild, Joachim Herz); Richard Strauss »Der Rosenkavalier« (Hans Vonk, Joachim Herz); Uraufführung Siegfried Matthus »Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke« (Hartmut Haenchen, Ruth Berghaus); Ballett Uraufführung Udo Zimmermann »Brennender Friede« (Harald Wandtke)
Zwischen 1946 und 1955 erste Baumaßnahmen zur Sicherung und Erhaltung der Ruine. Grundsteinlegung zum Wiederaufbau am 24. Juni 1977. 1984 Übergabe des Semperbaus an die Staatsoper zur Aufnahme des technischen und künstlerischen Probebetriebs. 1991 Umbenennung der Staatsoper Dresden in Sächsische Staatsoper Dresden. Mit einer Aufführung des Requiems von Johannes Brahms unter Leitung von Chefdirigent Hans Vonk fand erstmals 1986 das Konzert der Sächsischen Staatskapelle zum Gedenken an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 in der Semperoper statt. Zwischen August und November 2002 vorübergehende Aussetzung des Spielbetriebs durch die Folgen der Flut. Fluthelfer kamen aus allen Teilen der Bundesrepublik, Touristen aus Italien, Japan u.a. halfen mit bei den schützenden Maßnahmen und Aufräumarbeiten. Die Sächsische Staatsoper erfuhr auch durch großzügige Spenden ungeahnte und unvergleichliche internationale Solidarität.
Seit Wiedereröffnung der Semperoper findet unter wechselnden Intendanzen Arbeitskontinuität statt, die u.a. ihren Ausdruck findet im kontinuierlichen Aufbau eines reichen Repertoires aus deutscher und italienischer Oper – neben Strauss, Weber, Wagner auch Mozart, Verdi, Puccini, zahlreiche Ur- und Dresdner Erstaufführungen wie Bernd Alois Zimmermann »Die Soldaten« (Friedemann Layer, Willy Decker) anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der »Dritten« Semperoper oder zuletzt Manfred Trojahn »La grande magia« (Jonathan Darlington, Albert Lang). Punktuell finden weitere europäische Opern den Weg ins Repertoire, mit ihnen das amerikanische Musiktheaterwerk und die Barockoper (jüngst: Georg Friedrich Händel »Giulio Cesare in Egitto«). Diese Spielplanpolitik basiert auf den Traditionslinien Dresdner Opernarbeit, in die auch die Erneuerung der Gattung fest eingeschrieben ist.
Zahlreiche nationale und internationale Gäste aus Regie, Choreografie, Bühnen- und Kostümbild machen die Dresdner Oper zum Spiegel des ästhetischen Reichtums internationaler Musiktheater- und Ballettarbeit. Weltweit gefeierte Dirigenten sind bei Opernvorstellungen und insbesondere in den Konzerten der Staatskapelle zu erleben.
Das Ballettensemble hat unterschiedliche Namensgebungen unter verschiedenen Ballettchefs durchlaufen. Die Namensänderungen weisen veränderte künstlerische Intentionen in der Tanztheater- und Ballettarbeit aus, die sich kontinuierlich auf die Spitze der großen internationalen Ballettensembles zubewegt.
Dresdner Sänger bilden ein weiteres besonderes Kapitel der reichen Dresdner Opernkultur. Dass ihre Namen hier nicht vorkommen, weist sie nicht etwa als im internationalen Maßstab namenlos aus – im Gegenteil füllen ihre Namen und Partien hunderte von Operntagebüchern der großen europäischen Häuser. Ohne sie und ihre künstlerische Partnerschaft mit hervorragenden Dirigenten am Pult der zu den TopTen-Orchestern der Welt zählenden Sächsischen Staatskapelle hätte die künstlerische Arbeit an den Semperopern weniger nachhaltige Erfolge gefeiert, hätte vermutlich schon Wagners »Rienzi« wenig Beachtung gefunden.
1992 gründete sich die Stiftung zur Förderung der Semperoper, mit deren finanzieller Unterstützung Auftragswerke, besondere Inszenierungen und internationale Besetzungen zu Premieren und ausgewählten Vorstellungen ermöglicht werden. Die Stiftung veranstaltet jährlich ein öffentliches Preisträgerkonzert, in dem für die Staatsoper tätige Künstler und Ensembles für künstlerisches Spitzenniveau ausgezeichnet werden. 2006 erhielt der Staatsopernchor, der die Qualität der täglichen Aufführungen auf jenem hohen Niveau hält, auf dem Solisten und Staatskapelle ihre besonderen Erfolge feiern und der selbst zu den international geschätzten Ensemblekörpern zählt, den Preis der Stiftung.
Ilsedore Reinsberg
Der Besuch einer Oper ist wie eine Zeitreise durch Realitäten und Seelen. Was man im Durchspielen von Situationen oder Weltsichten wahrnehmen kann, weiß nur der Zuschauer. Manche Bühnen-Welten verlieren sich in der Realität – aber verlieren sie die Realität?
Die Aufführungen von »Penthesilea« und »Cardillac« zu den Festtagen stehen für die gegenwärtige Opernarbeit und für ein Stück Dresdner Operngeschichte des 20. Jahrhunderts.
Uraufgeführt wurden beide Werke an der »Zweiten« Semperoper zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, in den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts, zu verdanken dem unermüdlichen Engagement von Generalmusikdirektor Fritz Busch für bemerkenswert Neues von zeitgenössischen Komponisten. Die Uraufführungen fielen in die Zeit der Weimarer Republik, die sich nach innen- und außenpolitischen Konflikten und Währungsreform in einer Phase wirtschaftlichen Aufschwungs und relativer innen- wie außenpolitischer Beruhigung befand. Neue Freiheiten für die Individualität und ein auf Hochtouren laufender Amüsierbetrieb bestimmten das Leben – neben militärischer und großbürgerlicher Reaktion. Dazu ein etwa eine Million starkes Arbeitslosenheer und eine ihrem Ehrgeiz und ihrer Klientel verpflichtete Politik. Stoffe, aus denen großartige Kunstwerke hervorgingen. Die künstlerische Avantgarde war der Bürgerschreck. Die »Beruhigung« stand auf einem Pulverfass. Jene Jahre zwischen 1924 und 1929 sind in die Geschichte als »Goldene Zwanziger« eingegangen. Das »Gold« wurde mit der Weltwirtschaftskrise für die meisten stumpf. Ähnlichkeiten mit gegenwärtigen Prozessen sind nicht zu übersehen…
In Othmar Schoecks »Penthesilea« (1927), die den Tondramen und Einaktern wie »Elektra« von Richard Strauss nahesteht, der wiederum in Dresden über Jahrzehnte »seine« Uraufführungsbühne in Oper und Konzert gefunden hatte, tobt ein Geschlechterkampf. Liebe findet keinen Weg und keine Zuflucht. Über dem von ihr zerfleischten Leichnam des geliebten Achilles bricht Penthesilea sterbend zusammen.
Ist der geniale Goldschmied Cardillac, Titelfigur der gleichnamigen Oper von Paul Hindemith (1926), ein Biedermann oder ein Mörder? Ist er gar eine gespaltene Persönlichkeit? Fakt ist, dass es ihm an sozialen Beziehungen mangelt, auch zu seiner in seinem Haus lebenden Tochter. Fakt ist ebenfalls, dass jeder, der eines seiner kunstvollen Schmuckstücke erwirbt, kurz darauf ermordet wird. Der Schmuck ist verschwunden. Hindemith verknüpft hier einen romantischen Stoff mit neuen, richtungweisenden Wegen der Musik.
Ilsedore Reinsberg

(von Gottfried Semper, unter der Bauaufsicht seines Sohnes Manfred errichtet)
Eröffnung am 2. Februar 1878 mit Carl Maria von Webers »Jubelouvertüre« und Johann Wolfgang von Goethes »Iphigenie auf Tauris«
Auch diesmal wurde heftig debattiert: Wiederaufbau oder Neubau, mit Gottfried Semper oder ohne ihn. Seine Teilnahme am Dresdner Maiaufstand 1849 war nicht vergessen. Nicht zuletzt durch Unterschriftensammlungen der Bevölkerung fiel die Entscheidung auf einen Neubau und Gottfried Semper als Architekten. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahrhunderts eröffnete in Dresden eines der modernsten und schönsten Theaterhäuser der Welt.
Bis 1895 war das Hoftheater gemeinsame Spielstätte für Oper und Schauspiel. Unter Generalmusikdirektor Ernst von Schuch, seit 1882 auch Direktor der Hofoper, begann die weltweit anerkannte Dresdner Richard-Strauss-Pflege mit den Opern-Uraufführungen »Feuersnot« (1901), »Salome« (1905), »Elektra« (1909) und »Der Rosenkavalier« (1911).
Nach dem Ersten Weltkrieg und der Abdankung des Sächsischen Königs wurden die Hoftheater in »Sächsische Staatstheater« umgewandelt.
1922 kam Fritz Busch als Generalmusikdirektor und Operndirektor. Ihm sind neben den Richard-Strauss-Uraufführungen »Intermezzo« (1924), »Die Ägyptische Helena« (1928) sowie der von ihm geplanten und in Vorbereitung befindlichen »Arabella« (1933) auch die Uraufführungen von Ferruccio Busonis »Doktor Faust« (1925), Kurt Weills »Der Protagonist« (1926) und Paul Hindemiths »Cardillac« (1926) zu danken. 1933 wurde Fritz Busch von den Nationalsozialisten vertrieben.
1934 übernahm Karl Böhm als Generalmusikdirektor und Operndirektor die Leitung der Ensembles und brachte von Richard Strauss »Die schweigsame Frau« (1935) und »Daphne« (1938) zur Uraufführung.
Am 31. August 1944 wurde der Spielbetrieb in der Semperoper unter den Bedingungen des »totalen Krieges« eingestellt. Letzte Vorstellung war Carl Maria von Webers »Der Freischütz«.
Beim Bombenangriff auf Dresden am 13./14. Februar 1945 wurde auch die Semperoper nahezu völlig zerstört.
Ilsedore Reinsberg

(erbaut von Gottfried Semper)
Eröffnung am 13. April 1841 mit Carl Maria von Webers »Jubelouvertüre« und Johann Wolfgang von Goethes »Torquato Tasso«
König Friedrich August II beauftragte 1838 Gottfried Semper nach ca. vier Jahren kontroverser Diskussion um das Projekt mit der Errichtung des neuen Hoftheaters. Sachsens Ruf als Kulturstaat sollte neuerlich über die Landesgrenzen hinausgetragen werden. Die Finanzierung wollte der Sächsische König auf eigene Kosten übernehmen. Als er jedoch 1839 vom Landtag die Übernahme der Kosten verlangte, löste das eine Verfassungskrise aus.
Nach Sempers Plan war ursprünglich an ein »Dresdner Forum« mit Neubau einer Gemäldegalerie, einer Orangerie und eines Theaters gedacht.
An diesem Haus begann Richard Wagners Weg zu Weltruhm. »Rienzi« (1842), »Der fliegende Holländer« (1843) und »Tannhäuser« (1845) wurden uraufgeführt.
Wagner hoffte auf einen Umsturz der Verhältnisse: »Unsere bestehende Gesellschaft ist ohne Erkenntnis, ohne Bewusstsein ihrer Aufgabe, sie erfüllt sie nicht. Der Kampf des Menschen gegen die bestehende Gesellschaft hat begonnen.«
Wegen seiner Teilnahme am Maiaufstand 1849 musste er aus Dresden fliehen. Am 21. September 1869 wurde die »Erste« Semperoper durch ein Feuer zerstört.
Ilsedore Reinsberg