Semperoper zuhause

Pausengespräche

Die Pausengespräche: Für die Dauer einer Vorstellungspause lädt die Dramaturgie der Semperoper einen Gast aus der Welt der Semperoper zum Hintergrundgespräch in das Tonstudio ein. Hören Sie alle 14 Tage neu, was die Mitarbeiter*innen bewegt und was sie über ihre Arbeit zu berichten haben.

Pausengespräch vom 25. Juni mit Carmen Piqueras, Ballettmeisterin des Semperoper Ballett

Die Ballettmeister*innen sind die heimliche Taskforce des Semperoper Ballett. Sie trainieren die Company, studieren die Stücke ein und »pflegen« die Choreografien. Darüber hinaus sind sie aber auch Multitalente in Beratung, Schulter zum Ausweinen und immer mit einem aufmunternden Kommentar zur Stelle. Carmen Piqueras ist eine der vier Ballettmeister*innen am Haus und gerade die Krise zeigt einmal mehr wie wichtig diese Position dafür ist, alles am Laufen zu halten.

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Die spanische Ballettmeisterin Carmen Piqueras nennt seit 2006 Dresden ihre berufliche Heimat. Nach dem ersten Ballettunterricht in Murcia wurde sie in Madrid zur Tänzerin ausgebildet, war dann in verschiedenen Companys engagiert, bevor sie 2006 von Aaron S. Watkin als Gruppentänzerin an das Semperoper Ballett geholt wurde. 2011 stieg sie zur Coryphée auf und ist nun seit 2016 Ballettmeisterin und hauptsächlich für das Training und die Einstudierung der Gruppenchoreografien verantwortlich. Doch der Wechsel von der Tänzerin zur Ballettmeisterin bringt nicht nur einen Wechsel der Aufgaben mit sich, sondern verändert komplett die Perspektive auf den Tanz, Bewegung ganz im Allgemeinen und was es bedeutet, Kunst zu erschaffen. 

In der Coronakrise hält das Aufgabenfeld der Ballettmeisterin auch immer wieder neue Herausforderungen bereit, die auch nicht immer nur etwas mit tanzen zu tun haben. Das übliche Prozedere von Training, Proben und Vorstellungen ist ausgesetzt, dafür musste aber ein ganz neuer Plan erarbeitet werden, damit die Tänzerinnen und Tänzer trotzdem einigermaßen trainieren und sich fit halten können. Und gerade in dieser Zeit ist dann auch ein offenes Ohr für die Probleme und Fragen der Tänzer*innen sehr wichtig. 
Doch die Krise gibt auch die Möglichkeit, sich auf Details wie Formung und Ausführung von Bewegungen zu konzentrieren und die Tänzer* innen methodisch zu schulen.

Carmen Piqueras’ Musikwunsch ist ein Lied des spanischen Flamencosängers Camarón de la Isla aus dem Jahr 1979, das sich mit Träumen und dem Verlauf der Zeit beschäftigt – ein Lied wie gemacht für eine Zeit in der scheinbar alles stillsteht und trotzdem weiterläuft. 

Pausengespräch vom 23. Juni mit dem Komponisten Torsten Rasch

Im Juni 2020 hätte in der Semperoper die Uraufführung der Oper »Die andere Frau« von Torsten Rasch stattfinden sollen. Die Uraufführung ist auf die kommende Spielzeit verschoben, aber Dramaturg Kai Weßler hat sich mit dem Komponisten auf ein telefonisches Pausengespräch getroffen und über die neue Oper unterhalten. 

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Seit einem Jahr lebt und arbeitet Torsten Rasch als Stipendiat der deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. Dort hat er auch die strenge Corona-Quarantäne Italiens erlebt und berichtet von dem engen künstlerischen Austausch der Stipendiaten in dieser Zeit. 

»Die andere Frau« basiert auf einem biblischen Sujet, der Dreiecksgeschichte zwischen Abraham, seiner Frau Sara und der Sklavin Hagar. Torsten Rasch spricht über seine Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Helmut Krausser, über das Bearbeiten von biblischen Mythen und darüber, wie man die Stimme Gottes komponieren kann. 

Eine besondere Farbe des Werkes ist der Gesang der US-iranischen Sängerin Sussan Deyhim, mit der Torsten Rasch eine lange Zusammenarbeit verbindet. Für sie hat er einen der ältesten Texte der Menschheit vertont: die Klage über die Zerstörung der Stadt Ur, ein mesopotamischer Keilschrift-Text, mit großer sprachlicher Wucht von Krieg und Zerstörung erzählt.

Torsten Raschs Musikwunsch ist der letzte Satz aus Gustav Mahlers 10. Sinfonie in der Version des jungen israelischen Dirigenten und Komponisten Yoel Gamzou, dessen Schlussteil am Ende des Pausengesprächs zu hören ist.

Website von Torsten Rasch

Website der Villa Massimo

Fotos der Villa Massimo

Pausengespräch vom 26. Mai mit Wilfried Gradic, Chefmaskenbildner der Semperoper Dresden

Opulente Rokoko-Perücken, blutige Spezialeffekte und farbenprächtige Make-ups – In unserem dritten »Pausengespräch« sprechen Dramaturgin Bianca Heitzer und Chefmaskenbildner Wilfried Gradic über den Beruf des Maskenbildners und über seine spektakulärsten Lieblingsmomente auf der Bühne.

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Für den erfahrenen Maskenbildner Wilfried Gradic, der seit drei Jahren die Maskenabteilung der Semperoper leitet, bedeutet sein Beruf vor allem Abwechslung: Jeden Tag warten auf ihn und sein Team neue spannende Aufgaben, von Recherchen und Vorbereitungen, über handwerkliche Arbeiten im Atelier, bis hin zu Vorstellungsdiensten und dem Schminken und Frisieren von Sänger*innen.

Besonders wichtig ist Wilfrid Gradic, die Künstler*innen zu unterstützten und ihnen zu helfen, in neue Rollen zu schlüpfen und sich auf der Bühne wohlzufühlen.

Jede Produktion bietet dabei neue Herausforderungen und Überraschungen, wie die blutigen Effekte in Dietrich W. Hilsdorfs Inszenierung von Gaetano Donizettis »Lucia di Lammermoor«.

Jungen Menschen, die Interesse am Beruf des Maskenbildners haben, empfiehlt Wilfried Gradic, zur Orientierung ein zwei- bis dreiwöchiges Praktikum zu absolvieren.

Musikwunsch: »Mondscheinmusik« aus Richard Straussʼ Oper »Capriccio« mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Rudolf Kempe

Pausengespräch vom 16. Mai mit Peter Theiler, Intendant der Semperoper Dresden

Beim zweiten »Pausengespräch« treffen sich Johann Casimir Eule, Chefdramaturg, und der Intendant der Semperoper Peter Theiler. Ausgehend von der aktuellen pandemiebedingten Lage geht es um den Schock der Schließung, Verletzlichkeit, die Frage nach der Bedeutung der Kultur und wie sich die Semperoper fit für die nächste Spielzeit macht.

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Während der Bau der Semperoper still – und für das Publikum verschlossen – über dem Theaterplatz thront, geht es im Inneren alles andere als ruhig zu …

Intendant Peter Theiler ist zusammen mit den Kolleg*innen der Geschäftsführung und des Direktoriums im permanenten Austausch darüber, wie die Auswirkungen der Pandemie aufgefangen werden können. Mit den geplanten Neuproduktionen »Madama Butterfly«, »Don Carlo«, der Uraufführung »Die andere Frau«, dem Ballett-Mehrteiler »Vier letzte Lieder« sowie der Revue »Wie werde ich reich und glücklich« fallen allein vier Premieren aus, für die es neue Termine und Probenmöglichkeiten zu finden gilt.

Seit Kurzem kann wieder unter Einhaltung strenger Hygiene-Regeln mit dem Proben begonnen werden. Und mit der Rückkehr der Künstler*innen aller Sparten ins Haus kehrt bereits wieder so etwas wie Normalität ein. 
Deutlich wurde in den vergangenen Wochen, wie verletzlich wir alle sind, selbstverständlich Geglaubtes über Nacht in Frage gestellt wird – und dass Kunst und Kultur als identitätsstiftendes »Lebensmittel« für unsere Gesellschaft, für Dresden, von zentraler Bedeutung sind und nicht vernachlässigt werden dürfen.

Für den Bereich der Bühnentechnik hat die erzwungene Spielpause allerdings etwas Gutes: Der Technische Direktor Jan Seeger kann dringend erforderliche Revisions- und Erneuerungsarbeiten umsetzen oder vorziehen, und so die Semperoper fit für nächste Saison machen.

Als »Wunschmusik« hat Peter Theiler die Ouvertüre zu »Guillaume Tell/Wilhelm Tell« von Gioachino Rossini mitgebracht. Auch wenn die »Tell«- Premiere nun der verschobenen »Madama Butterfly« weichen muss, und in einer späteren Spielzeit gezeigt werden wird: der musikalische Apell für Selbstbestimmung und Freiheit bleibt ein Herzensanliegen.

Musikwunsch: Ausschnitt aus der Ouvertüre zu »Guillaume Tell« von Gioachino Rossini mit dem Orchestra dell’Academia Nazionale di Santa Cecilia, Roma unter der Leitung von Antonio Pappano.

Pausengespräch vom 14. Mai mit Stepanka Pucalkova, Ensemblemitglied der Semperoper

Zum Auftakt der Reihe »Pausengespräche« sprechen unser Dramaturg Kai Weßler und die Mezzosopranistin Stepanka Pucalkova aus dem Opernensemble über Prag in Zeiten von Corona, die Situation von Opernsänger*innen und über die Pläne der Sängerin in den nächsten Monaten. 

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Stepanka Pucalkova hat die Zeit der Quarantäne in Prag verbracht und erlebt ihre Heimatstadt derzeit von einer ganz neuen Seite: Plötzlich sind die Plätze und Straßen wie leergefegt.

Für Künstler*innen ist die Situation in Tschechien gerade sehr schwierig, denn die staatliche Unterstützung ist nur bis Juni eingeplant.

Die Sängerin vermisst die Semperoper, wo sie in diesen Tagen eine Reihe von wichtigen Debüts gehabt hätte und bedauert besonders, dass ihre Vorstellungen von »Eugen Onegin« an der Seite von Rolando Villazón ausfallen müssen. Sie hofft aber, bald wieder musizieren und Theater spielen zu können. Immerhin: Die Zeit der Quarantäne ist auch eine Zeit der intensiven Arbeit an neuen Partien. 

Ein besonderes Projekt, das im Mai hätte geprobt werden sollen, ist die Uraufführung von Torsten Raschs Oper »Die andere Frau«. Stepanka Pucalkova arbeitet gerade intensiv an der Rolle der Hagar in dieser Oper über eine biblische Dreiecksgeschichte. In einem der kommenden Pausgespräche werden wir im Interview mit dem Komponisten Torsten Rasch mehr über dieses Projekt erfahren.

Ergänzende Links:

Biografie von Stepanka Pucalkova auf semperoper.de

Website von Stepanka Pucalkova

Stückseite »Die andere Frau«

Musikwunsch: Antonín Dvorák »Kdyz mne stara matka« aus »Zigeunerlieder«, gesungen von Anna Netrebko