Oper

Die Zauberflöte

Wolfgang Amadeus Mozart

Deutsche Oper in zwei Aufzügen Libretto von Emanuel Schikaneder

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

 
Info
  • 19:00 – 21:50 Uhr
  • Pause nach 65 Minuten

  • Ort:  Semperoper Dresden

  • Werkeinführung (kostenlos)
  • 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung im Opernkeller

  • Führungen in der Semperoper
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    • 19:00 – 21:50 Uhr
    • Pause nach 65 Minuten

    • Ort:  Semperoper Dresden

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      • Führungen in der Semperoper

        Von der Königin der Nacht beauftragt, ihre Tochter Pamina zu befreien, machen sich Prinz Tamino und der Vogelfänger Papageno auf den Weg in das Reich des mächtigen Herrschers Sarastro. Es stellt sich heraus, dass Sarastro weniger böse denn weise ist und zudem voraussagt, dass Pamina und Tamino füreinander bestimmt sind. Bevor jedoch der Held in den Tempel der Weisheit aufgenommen und der Prinz und die Prinzessin zu wahrhaft liebenden Menschen werden können, müssen noch eine Reihe von Prüfungen bestanden werden. Mit der Unterstützung von drei Knaben, einer Zauberflöte und einem magischen Glockenspiel stellen sie sich, auf der Suche nach Weisheit und Liebe, allen Hindernissen und Gefahren. Für seine Dresdner Inszenierung der 1791 uraufgeführten Oper »Die Zauberflöte« wählte Regisseur Achim Freyer die Ästhetik der schon zu Mozarts Zeiten beliebten Kasperl-, Zauber- und Märchenoper. 

        Handlung

        Am Anfang steht eine Aufgabe, der Weg besteht aus Prüfungen, das Ziel ist Reife – und Liebe. Ist es ein Märchen? Oder eine Parabel? Oder doch das geheime Testament der Freimaurer?

        Kaum eine Oper bietet so zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten wie die »Zauberflöte«. Von Wolfgang Amadeus Mozart im Jahre 1791 in Wien uraufgeführt, war sie von Anfang an die beim Publikum beliebteste, bekannteste und daher bis heute meistgespielte Oper schlechthin.

        Der Regisseur Achim Freyer hat die Zauberflöte mittlerweile jeweils unter ganz neuen Perspektiven in Hamburg, zu den Salzburger Festspielen und zuletzt in Schwetzingen (koproduziert mit der Opera national du Rhin Strasbourg) inszeniert. Diese seine letzte »Zauberflöten«-Inszenierung, vielleicht seine märchenhafteste, kommt nun nach Dresden. Eine zentrale Rolle spielen in dieser Inszenierung die drei Türen zu den – für Tamino zunächst verschlossenen – Tempeln der Natur, der Weisheit und der Vernunft. Um sie entfaltet sich der das ganze Werk durchziehende Antagonismus der Welten von Sarastro und Königin der Nacht.

        Ein Antagonismus, der sich mit erfolgreich bestandener Feuer- und Wasserprobe zu einer utopisch erträumten Gemeinsamkeit auflöst. »Die Widersprüche und die Dialektik in diesem Werk: die gute, trauernde Mutter, die aber nur Theater spielt und die die böse Frau wird, die den Sonnenkreis erringen möchte, den ihr Mann dem ungerechten Sarastro gegeben hat. Dieser Sarastro, der von den heiligen Hallen spricht, in denen man keine Rache duldet und gleichzeitig rächt und von Rache spricht. Das sind die Absurditäten und Widersprüche, die unser Leben täglich aufweist, und dass jede Ideologie, sowohl die der Königin als auch die des Sarastro Halbheiten sind, halbe Welten, halbe Wahrheiten, die immer zur Katastrophe führen und zu Kriegen und Zerstörung. Die Liebe ist das einzige Mittel zu versöhnen, uns zusammenzubringen und zu vereinen.

        Das ist die Utopie in diesem Werk, dass ein Tamino und eine Pamina als geistige und seelische Ebene, wie Papageno und Papagena als sinnliche- körperliche Naturebene, die Kraft haben, diese Gegensätze zu vereinen, Mann und Weib, oder zivilisierte Welt und die Achse des Bösen, menschlich zu vereinigen und zu friedlichen Ergebnissen zu führen. Darum machen wir Kunst und müssen Gott sei Dank ständig damit leben, weil uns Amor nicht in Ruhe lässt.« (Achim Freyer)

        Die Kindheit bewahren

        Zauberei, Magie, das Wunderbare haben in der Oper eine lange Tradition. Zu den bevorzugten Stoffen des Barock gehörten Geschichten mit phantastischen Elementen: Einerseits antike Vorlagen wie Ovids »Metamorphosen«, Homers »Odyssee« und Vergils »Aeneis«, andererseits die damals sehr populären Ritterromane von Ludovico Ariost »Orlando furioso« aus dem Jahre 1516, Torquato Tasso (»Gerusalemme liberata«, 1581) und Garcia Rodriguez de Montalvo (»Amadis de Gaula«, 1508). Im 18. Jahrhundert kamen als Quelle für Opernstoffe – vor allem in der französischen Opéra comique – so genannte »Féeries«, Feenmärchen mit Liebesgeschichten, hinzu. Zu diesen Quellen zählt auch Christoph Martin Wielands 1778 erschienene Sammlung »Dschinnistan, oder auserlesene Feen- und Geistermaehrchen«, auf die Emanuel Schikaneder beim Verfassen des Librettos der »Zauberflöte« zurückgegriffen hat.

        Zahlreiche in der Handlung dieser Oper verwendete Motive sind in den hier aufgeführten Märchen vorgebildet. Ebenfalls seit den Anfängen der Oper wird über die Berechtigung dieser irrationalen Elemente heftig gestritten. Ihren Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung während der Aufklärung: In seinem »Versuch einer kritischen Dichtkunst« hält der Schriftsteller und Theoretiker Johann Christoph Gottsched, vom französischen Rationalismus beeinflusst, am Postulat der »Wahrscheinlichkeit« fest und fordert unter Berufung auf die Lehre von der Nachahmung der Natur den Verzicht auf das Wunderbare, da es dem Intellekt widerspräche. Die kindliche Märchenwelt mit den Zauberinstrumenten Flöte und Glockenspiel, dem Tischlein-Deck-Dich, der alten Frau, die sich in ein junges Mädchen verwandelt etc. bildet allerdings nur eine, die märchenhafte Ebene der »Zauberflöte«.

        Ein zweite, die dem Sarastro-Reich zuzuordnen ist, versinnbildlicht die Utopie des ausgehenden 18. Jahrhunderts, nämlich die Entstehung einer bürgerlichen Gesellschaft, die auf der Herrschaft der Vernunft basiert. Erzählt wird auf dieser Ebene die Geschichte vom Sieg des Sonnenreiches über das Königreich der Nacht. Dass das Licht der Sonne dabei symbolisch für die helle Vernunft steht, wie eben auch die Nacht für dunkle Triebe, Unwissenheit und Verrat, bedient die Symbolik der Utopie der Aufklärung. Fasziniert beschließt Tamino, sich den Prüfungen der Sarastro-Bruderschaft zu stellen, um von den Eingeweihten aufgenommen zu werden.

        Der Prüfungsweg steht für die Initiation, das Erwachsenwerden, aber auch für die Entwicklung aus der Unmündigkeit hin zu einem aufgeklärten Menschen. Am Ende wird Tamino, der Prinz, dessen Herkunft niemand kennt, mit den Normen vertraut, in die Welt der Erwachsenen eingegliedert. Er hat seinen Platz in der Gesellschaft gefunden. Schikaneder und Mozart aber führen uns den zweischneidigen Charakter des Erwachsenwerdens vor, denn Sarastros Reich ist alles andere als ein idealer aufgeklärter Staat. Die Priester übertrumpfen sich in frauenfeindlichen Äußerungen, es gibt Sklaven, die Eingeweihten nehmen den Tod der Kandidaten während der Initiation in Kauf. So ist es kein Wunder, dass der »Naturmensch« Papageno sich mit seinem gesunden Menschenverstand den Prüfungen widersetzt. Tamino dagegen ist ein gelehriger Schüler, er übernimmt sofort die Ansichten der Eingeweihten und bringt Pamina durch das ihm auferlegte Schweigen an den Rand des Selbstmordes. Wenn Tamino und Pamina am Ende der Oper von den Eingeweihten aufgenommen werden, ist allen apotheotischen Gesängen zum Trotz ein Moment der Desillusionierung zu spüren. In Achim Freyers Inszenierung endet die Geschichte in Trümmern, dem Ergebnis des Krieges zwischen Sarastro und der Königin der Nacht.

        Friedlich, nach bestandenen Prüfungen vereinen sich dagegen die Vertreter der nachfolgenden Generation: Pamina und Tamino ebenso wie Papagena und Papageno sind die eigentlichen Sieger der Geschichte, weil sie auf ihre Liebe vertrauen und so die ideologischen Gegensätze der Elterngeneration überwinden. Denn für sie gilt nicht die ausschließliche Entscheidung für den Tag oder für die Nacht. Helle Vernunft und dunkle Natur hinterlassen beide ihre Spuren in den Figuren. Der große Autor Erich Kästner bringt es auf den Punkt: »Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Früher waren sie Kinder, dann wurden sie erwachsen, aber was sind sie nun? Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.«

        Sophie Becker und Hans-Georg Wegner

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