Oper

La juive / Die Jüdin

Oper in fünf Akten von Fromental Halévy

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Keine weiteren Vorstellungen in dieser Spielzeit.

Selbst Richard Wagner, für seine Kollegenschelte berüchtigt, war voll des Lobes und bescheinigte Halévy »Musik zu schreiben, wie sie aus den innersten, gewaltigsten Tiefen der reichsten menschlichen Natur hervorquillt«.
Euphorische Begeisterung, doch auch harsche Ablehnung begleiteten »La juive« seit ihrer Uraufführung 1835 an der Pariser Grand Opéra. Kein Wunder bei dem Stoff – Fromental Halévy, selbst Jude, thematisiert einen christlich-jüdischen Konflikt. In Konstanz, am Vorabend des Konzils von 1414, das die Christen einigen soll, erfahren der jüdische Goldschmied Eléazar und seine Tochter Rachel immer wieder Anfeindungen. Die Situation eskaliert als offenbart wird, dass Rachels Geliebter nicht, wie er behauptet hat, ein jüdischer Künstler namens Samuel, sondern der mit einer Nichte des Kaisers, Eudoxie, verheiratete katholische Fürst Léopold ist. Auf Beziehungen zwischen Juden und Christen steht der Tod. Um den Geliebten zu retten, klagt Rachel sich selbst an und wird gemeinsam mit ihrem Vater verurteilt. Doch was Eléazar seiner Tochter vorenthält: Sie ist eigentlich ein christliches Findelkind, das er aus den Trümmern eines brennenden Hauses gerettet und aufgezogen hat.
Halévys Welterfolg verschwand, wie so viele andere Werke, während der Zeit der Nationalsozialisten von der Bühne. Jossi Wielers und Sergio Morabitos Inszenierung, die 2008 an der Staatsoper Stuttgart Premiere hatte und jetzt an die Semperoper übertragen wird, nimmt eine entscheidende Neuinterpretation vor, die Eléazars auf den ersten Blick verwerfliche Entscheidung, Rachel nicht über ihre Identität aufzuklären, in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt …

Handlung

Erster Akt

In Konstanz, an einem Feiertag. Mit einem Tedeum und einem Volksfest soll der Sieg Léopolds über die Hussiten gefeiert werden.
Als aus der Werkstatt des jüdischen Goldschmieds Eléazar das Geräusch von Hammerschlägen dringt, lässt der Amtmann Ruggiero ihn festnehmen. Eléazar erklärt, als Jude nicht an christliche Feiertage gebunden zu sein; zudem habe er seine Söhne auf christlichen Scheiterhaufen verloren. Ruggiero will ihn zur Hinrichtung abführen lassen, als Kardinal Brogni erscheint. Eléazar kennt Brogni aus Rom: Vor vielen Jahren war er dort Richter gewesen und hatte Eléazar aus der Stadt verbannt. In den geistlichen Stand war Brogni erst getreten, nachdem er bei einem Brand Frau und Tochter verloren hatte. Heute soll er in Konstanz das Konzil zur Einigung der Christenheit eröffnen. Eléazar wird von Brogni begnadigt, da dieser hofft, die Juden durch Milde für den christlichen Glauben zu gewinnen.

Als jüdischer Maler Samuel verkleidet, bringt Léopold Rachel ein Ständchen. Sie lädt ihren heimlichen Geliebten für den Abend in das Haus ihres Vaters zur Pessachfeier ein.

Während die weibliche Stadtbevölkerung den Maskenzug vorbereitet, erfreut sich die männliche am Wein, der statt Wasser aus den Brunnen fließt.
Ruggiero entdeckt Rachel und ihren Vater auf den Stufen der Kirche und fordert alle auf, die Händler nach Christi Vorbild aus dem Tempel zu jagen, woraufhin die angetrunkene Volksmenge die Juden im Bodensee ertränken will. Da stellt sich der als Jude verkleidete Léopold schützend vor Rachel. Sergeant Albert erkennt ihn als einziger. Zum Staunen aller befiehlt er der Wache, das Leben der bedrohten Juden zu schützen.
Der Festzug beginnt.


– Pause –

Zweiter Akt

Im Hause Eléazars wird das Pessachfest begangen. Rachel beobachtet, wie Samuel (alias Léopold) das ihm angebotene Stück ungesäuerten Brotes zu Boden fallen lässt. Als es klopft verbirgt sich die kleine Gemeinde. Es ist Eudoxie, die Frau Léopolds, die für ihren Gemahl einen Schmuck zur Feier seines Sieges kaufen möchte. Eléazar verpflichtet sich, die Kette am nächsten Tag bei ihr abzugeben. Nach dem Weggang der Gäste wartet Rachel voll böser Ahnungen auf die Rückkehr Samuels, dem sie ein heimliches Treffen zugesagt hat. Als er kommt, gesteht er, dass er Christ ist. Das Gesetz ahndet die Liebe zwischen einem Christen und einer Jüdin mit dem Tod. Sie entscheiden sich zur gemeinsamen Flucht. Eléazar tritt ihnen in den Weg. Rachel besänftigt seinen Zorn. Als Eléazar bereit ist, Léopold als Schwiegersohn zu akzeptieren, flieht dieser.


Dritter Akt


Eudoxie hat für die Siegesfeier zu Ehren ihres Mannes ein Ballett einstudiert, in dem sie selbst die Hauptrolle spielt. Rachel ist Léopold heimlich gefolgt. Sie lässt sich von Eudoxie in der Rolle der »Sklavin« besetzen. So will sie Klarheit über Léopolds Identität und seine Verbindung zu Eudoxie gewinnen.

Die Siegesfeier beginnt. Auf ihrem Höhepunkt legt Eudoxie ihrem Mann die von Eléazar gebrachte Kette um. Da tritt Rachel dazwischen und klagt Léopold des Verhältnisses mit ihr, einer Jüdin, an. Kardinal Brogni spricht den Kirchenbann über Léopold und verflucht die beiden Juden.


– Pause –


Vierter Akt

Eudoxie beschwört die eingekerkerte Rachel, ihre Aussage zurückzunehmen und dadurch das Leben ihres Mannes zu retten. Auch Kardinal Brogni erscheint und verspricht der jungen Frau, zu der er eine starke Neigung empfindet, seine Hilfe. Dazu versucht er, ihren Vater zur Konversion zu überreden. Eléazar lehnt empört ab. Stattdessen werde er sich an Brogni rächen: dessen neugeborene Tochter sei aus dem Feuer von einem Juden gerettet worden und am Leben. Jede weitere Auskunft verweigert Eléazar jedoch und weidet sich an Brognis Qualen.

Allein zurückgeblieben erinnert sich Eléazar, wie ihm Brognis Kind von Gott anvertraut wurde und er sein ganzes Leben Rachels Wohlergehen widmete. Seinem Christenhass will er Rachel nicht opfern: Er schwört seiner Rache ab. Doch als er das Pogromgeschrei in den Straßen hört, glaubt er zu verstehen, was Gott von ihm verlangt: gemeinsam mit seiner Tochter im Tode Zeugnis abzulegen für den Gott Israels.


Fünfter Akt


Das Volk freut sich auf die öffentliche Hinrichtung der Juden.
Ruggiero verliest das Urteil: Léopold wurde begnadigt. Eléazar protestiert vergeblich; seine Tochter hat ihre Beschuldigung dementiert.

Eléazar gelingt es auch angesichts seines bevorstehenden Todes nicht, Rachel die Wahrheit über ihre Herkunft zu sagen. Stattdessen macht er sie auf die Möglichkeit aufmerksam, durch die Taufe begnadigt zu werden. Rachel lehnt ab.

Brogni fleht Eléazar an, ihm den Verbleib seiner Tochter zu verraten, was dieser auch tut – im Augenblick ihrer Hinrichtung.

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