Freischütz im Visier

Etwas Würdiges zu schaffen!

Damals sah die Opernlandschaft in Elbflorenz noch völlig anders aus als heute: Grundsätzliche Entscheidungen über den Bau von Theatern, deren inhaltliche Spielplanausrichtung oder die Beauftragung von private Theatertruppen unterlagen als höchster Instanz dem Königlichen Hof. So erhielt der Impresario Pietro Moretti ab 1744 das Privileg, ein »kleines Opernhaus« zu errichten, das im Laufe der Jahrzehnte mehrfach umgebaut wurde, schließlich bis zu 800 Zuschauer fassen konnte und letztendlich 1841 dem Neubau der Ersten Semperoper wich.

In diesem »Morettischen Theater« traten seit dem 18. Jahrhundert namhafte europäische Theatergesellschaften auf – beispielsweise die Bondini, Seconda oder Seyler – und präsentierten vor allem italienische Opern, die ohnehin damals die Spielpläne in ganz Europa dominierten. Hier fanden z.B. die Dresdner Erstaufführungen von Mozarts »Così fan tutte« oder »Die Zauberflöte« beide in italienischer Sprache statt. 

Auf der rechten Elbseite, unweit des heutigen Diakonissenkrankenhauses, befand sich das Sommertheater »Auf dem Linkeschen Bade«. In dieser Erholungsresidenz mit angefügtem Freiluftbad erlebte das Publikum ausgewählte Schauspiele und deutsches bzw. französisches Opernrepertoire. Gerade die inhaltliche Ausrichtung, die die Vorstadtbühne zum wichtigen Gegenpol des »Kleinen Hoftheaters« machte, bewährte sich in der durchaus vielfältigen Dresdner Theaterlandschaft über Jahrzehnte. 

Einschneidende historische Ereignisse, wie die Napoleonischen Befreiungskriege (ab 1813-1815) oder die Folgen des »Wiener Kongresses«, gingen natürlich auch nicht spurlos an dem von König Friedrich August I. regierten Sachsen vorbei. Dieser Monarch, der sich politisch wankelmütig mit Napoleon verbündet hatte und nach der verlorenen Völkerschlacht in Kriegsgefangenschaft geriet, hinterließ ein militärisch und wirtschaftlich geschrumpftes Land. Sachsen konnte zwar seinen Status als Königreich bewahren, allerdings nur als finanziell erschöpfter Kleinstaat. Massive Einsparungen auch in der Kulturlandschaft wurden nötig, in deren Folge die italienische Oper, die Hofkapelle und das deutsche Schauspiel zu einer »Staatsanstalt« zusammengefasst wurden. Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft 1815 beließ König Friedrich August I. zwar diese Fusion der unterschiedlichen »Sparten«, verfügte jedoch, dass die »Staatsanstalt« nunmehr wieder eine höfische Einrichtung werden solle.

Er setzte den künstlerisch versierten Grafen Heinrich Vitzthum von Eckstädt als Generaldirektor ein, der sich als weitsichtiger Beamter und Förderer der deutschen Musik erwies: Für neue Impulse in der Spielplanpolitik plädierend, nahm er ab 1816 verstärkt Kontakt zu einem Künstler auf, der die Dresdner Musikhistorie maßgeblich beeinflussen sollte: zu Carl Maria von Weber. In einem Brief vom 19. August 1816 akzeptiere dieser Eckstädts Angebot, als »Königlicher Kapellmeister« die »Direktion der deutschen Oper« zu übernehmen: »…um an dem Aufblühen einer deutschen Kunstanstalt tätig mit zuhelfen, und unter Ihrer Leitung und Stütze etwas Würdiges zu schaffen, biete ich den tätigsten Eifer aus vollem Herzen an.« Mit dieser Zusage wurde ein neues Kapitel der Dresdner Operngeschichte aufgeschlagen …

Katrin Böhnisch