Freischütz im Visier

Auf Lebenszeit!

Als der Dresdner Generaldirektor Heinrich Graf Vitzthum von Eckstädt 1816 auf Carl Maria von Weber aufmerksam wurde, waren bereits mehrere wichtige Musikstädte an diesem aufstrebenden Künstler interessiert. So wollte ihn u.a. Graf von Brühl an die Königlichen Schauspiele in Berlin verpflichten. Doch Graf Vitzthum von Eckstädt, der von Webers künstlerischen und menschlichen Qualitäten überzeugt war, kämpfte energisch für dessen Engagement an die Dresdner Hofoper. Gemeinsam mit ihm wollte er hier ein sogenanntes Deutsches Departement gründen, mit dem Ziel, neben der Aufführung von französischen und italienischen Werken, auch deutsche Opern im Spielplan zu etablieren. Dieses ambitionierte Anliegen entsprach ähnlichen Bestrebungen in anderen Teilen Deutschlands und war vor allem aus dem historischen Kontext zu verstehen. Nach den kriegerischen Unruhen der napoleonischen Fremdherrschaft erstarkte in der bürgerlichen Gesellschaft die Sehnsucht, in der Kunst einen identitätsstiftenden Anker zu finden und die zumeist fremdsprachige Opernliteratur auch zu verstehen. Neue Sujets wurden für die Bühne bearbeitet, darunter deutsche Märchen, Sagen und Volkslieder.

Die Gründung und Weiterentwicklung eines Deutschen Departements reizte Carl Maria von Weber so sehr, dass er sich letztendlich für ein Engagement an der Dresdner Hofoper entschied. Am 14. Dezember 1816 willigte Friedrich August I. ein, ihn als »Musikdirektor« anzustellen – zunächst für ein Jahr. Allerdings musste Weber enttäuscht erkennen, dass ihn diese Position hierarchisch eine Stufe unter seinen Kollegen Francesco Morlacchi stellte, der die unangefochtene Position des Hofkapellmeisters der Italienischen Oper innehatte.

Vehement argumentierte Weber bei der Generaldirektion, dass der Wert des »jeweiligen Leiters der Oper« durch dessen »Ehrenstufe« bemessen würde, und erkämpfte sich bereits einige Wochen nach seinem Amtsantritt den ersehnten und gleichstellenden Titel als »Königlicher Kapellmeister«.

Wer hätte gedacht, dass Webers Bekenntnis zu seiner Dresdner Position danach noch einmal auf die Probe gestellt werden würde? Im Sommer 1817 nahm der Berliner Graf von Brühl erneut Kontakt zu ihm auf mit dem Ziel, ihn als Königlichen Kapellmeister abzuwerben. Hin- und hergerissen schrieb Weber an seine Braut Caroline Brandt, er fühle sich »wie der Esel zwischen den Heubündeln«. Die Vorteile für Berlin lägen auf der Hand: mehr Sicherheit, mehr Geld und mehr Prestige. In beiden Städten gäbe es gleichermaßen »viel Verdruß mit meinen Collegen«, aber in Dresden sei »die deutsche Oper ein Departement für sich« und das, »was ich thue« ist »mein Werk«. Die Berliner Gedankenspiele zerschlugen sich.

Am 13. September 1817 wurde Carl Maria von Weber von Friedrich August König von Sachsen zum Königlichen Kapellmeister »auf Lebenszeit« ernannt, wie das Faksimile belegt. Damit war der Weg bereitet.

Katrin Böhnisch

Faksimile

Von GOTTES Gnaden Friedrich August
König von Sachsen&c.
Wohlgebohrne und Veste, Räthe, liebe getreue.
Wir haben Uns
entschloßen, den Capellmeister von Weber,
nach Ablauf seines dermaligen einjährigen Contracts,
mithin vom 1sten Januar 1818 an, mit Fortreichung seines zeit-
herigen Gehalts von jährlich Ein Tausend Fünf Hundert Thalern,
auf Lebenszeit in Unsere Dienste zu nehmen; und ihm, ne-
ben Befreiung von dem einmonatlichen Gehalts-Abzuge zur
Prämien-Caße, eine Gratification von Zwey Hundert Tha-
lern zur Hälfte in Caßen-Billets, aus dem Landeszahlamte
abreichen zu laßen.
Wir begehren daher gnädigst, ihr wollet demgemäs
das Nöthige anordnen und daran Unsern Willen und
Meinung vollbringen, die Wir euch mit Gnaden gewogen
verbleiben.
Gegeben zu Dresden, am 13.n September 1817.
Friedrich August.

[links:] An das Geheime Finanz-Collegium, den Capellmeister von Weber betreffend,
[rechts:] Detlev Graf von Einsiedel. praes[entiert]. den 15. Septbr: 1817 eod[dem] die [= an ebendem Tag]
Johann Christoph Kriebitzsch