WEBVTT

00:00:11.791 --> 00:00:14.208
Das ist immer wieder erstaunlich.

00:00:14.208 --> 00:00:19.416
Und deswegen lande ich auch immer wieder
bei Händel und bei den Oratorien.

00:00:19.416 --> 00:00:25.791
Dass gerade diese biblischen Stoffe und
die alttestamentarischen Stoffe

00:00:25.833 --> 00:00:29.541
im Grunde das ganze archetypische Material
für die Themen haben,

00:00:29.875 --> 00:00:32.875
die auch für uns noch auf dem Tisch liegen.

00:00:42.833 --> 00:00:48.166
Hinzu kommt diese unglaubliche Emotionalität,
mit der das transportiert wird,

00:00:48.208 --> 00:00:51.916
also dass man wirklich körperlich erlebt.

00:00:52.583 --> 00:00:55.875
Was heißt das Älterwerden, was heißt das,

00:00:57.375 --> 00:00:59.291
etwas nicht mehr zu können?

00:01:16.833 --> 00:01:22.041
In jeder Familie gibt es
dieses unglaublich komplexe,

00:01:22.416 --> 00:01:30.416
unsichtbare Gitterwerk aus Abhängigkeiten,
aus Kräfteverhältnissen.

00:01:30.500 --> 00:01:33.625
Das hat für mich sehr viel
mit der Urfunktion von Theater zu tun.

00:01:33.625 --> 00:01:41.208
Das Theater im besten Fall
eine Reflexionshilfe sein kann.

00:01:42.166 --> 00:01:47.041
Der eigenen Position im Leben,

00:01:47.541 --> 00:01:52.541
die man, weil man zu sehr involviert
ist, gar nicht bemerkt

00:01:53.041 --> 00:01:56.458
und über so einen Außen Blick oder durch
so eine Spiegelwirkung

00:01:56.458 --> 00:02:01.000
manchmal vielleicht schlagartig
sich bewusst machen kann.

00:02:24.291 --> 00:02:25.458
Händel ist mein Gott.

00:02:25.458 --> 00:02:30.666
Diese Amplituden-Ausschläge.
Wenn dann da auch mal ein Liebesduett

00:02:31.000 --> 00:02:34.000
kurz aufflirrt, dann ist es

00:02:34.166 --> 00:02:37.166
von unglaublicher Schönheit
und gleichzeitig

00:02:37.875 --> 00:02:42.166
eine Minute später
ist man in der größten Verzweiflung.

00:02:42.166 --> 00:02:45.333
Also diese Amplituden sind enorm.

