WEBVTT

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»Die Frau ohne Schatten« ist ein Märchen. Ein Märchen für Erwachsene. Ein bisschen wie »Die Zauberflöte«.

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Es gibt das einfache Paar, so wie Papageno und Papagena und dann gibt es das hohe Paar, Kaiserin und Kaiser, wie Tamino und Pamina.

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Jedes Paar geht eine Prüfung durch in diesem Stück.

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Ich würde auch wirklich sagen, es gibt drei Paare in diesem Stück: es gibt die Kaiserin und den Kaiser, die Färberin und den Färber und es gibt die Amme und die Kaiserin.

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Was ich interessant finde bei der Kaiserin ist diese Entwicklung, die sie macht.

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Sie ist diese Person, die quasi durch das Stück geht und lernt.

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Was ist Empathie, was ist Liebe, was ist Eifersucht, was ist Neid.

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Am Schluss, wo die Kaiserin sich von der Amme löst, sagt sie auch, sie möchte hierbleiben.

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Die Amme ist eine Pendlerin zwischen den Welten. Das wird sehr deutlich gleich in der ersten Szene, wenn sie von ihren Erfahrungen berichtet, die sie in der Menschenwelt gemacht hat.

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Es gibt da so eine wunderbare Textstelle im 3. Akt, wo sie sagt:

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»Wimmelnd wie Aale, schreiend wie Adler, schändend die Erde!«

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Aktuell betrachtet, politisch nicht ganz von der Hand zu weisen. Was ich dann interessant finde an diesem Stück, ist auch diese verschiedene Sichtweise auf das, was jetzt ein Mensch ist.

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Das Stück wird oft als Emanzipationsstück der Frauen gesehen.

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Diese Frage stellen wir uns ja immer noch jeden Tag, auch wenn wir jetzt 2024 haben und nicht 1919, wo das Stück rauskam.

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Ich finde das sehr interessant, dass das damals zwei Männer, schon wieder, Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, eine quasi »Frauen-Oper« zusammen erschaffen haben.

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Das Stück ist so reich, dass man, wenn man es auf die Bühne bringt, sich entscheiden muss. Möchte ich jetzt den Fokus auf Beziehungen legen, möchte ich den Fokus auf die Frage legen: Was ist Mensch sein? Was bedeutet Mensch-Sein?

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Ich glaube, die Botschaft ist trotzdem von dem Stück, dass man als Mensch ist, was man aus sich macht und auch in Beziehungen.

