Oper

Probenbeginn »chasing waterfalls«

Animation von zwei schwarzen, virtuellen Gesichtshälften, in deren Mitte ein silberfarbenes virtuelles Gesicht erscheint. Im Hintergrund Zahlen und Zeichen von Computercode.

Zum Ende der laufenden Spielzeit beginnen in der Semperoper die Proben für die Uraufführung der Oper »chasing waterfalls«, die am 3. September 2022 als erste Premiere die Spielzeit 2022/23 eröffnen wird. »chasing waterfalls« (das heißt in etwa »Unfassbares fassen wollen«) erzählt die Geschichte einer realen Person, verkörpert von der norwegischen Sopranistin Eir Inderhaug, die sich plötzlich in einer virtuellen Spiegelwelt mit ihren selbsterschaffenen sogenannten »digital twins«, den digitalen Zwillingen, wiederfindet. Diese agieren, interpretiert von Simeon Esper, Jessica Harper, Tania Lorenzo, Julia Mintzer und Sebastian Wartig, als eigenständige Persönlichkeiten, die sich schließlich sogar gegen die reale Person verbünden – bis eine Künstliche Intelligenz in das Geschehen eingreift …

Das Aufsehenerregende an dieser Uraufführung ist dabei, dass Künstliche Intelligenz nicht nur Thema der Handlung ist, sondern auch am Entstehungsprozess der Oper beteiligt war und auf der Bühne als kreativ agierender Teil der Inszenierung zu erleben sein wird: Die Partitur ist eine Co-Komposition von Angus Lee zusammen mit dem Berliner Studio for Sonic Experiences kling klang klong. Während Angus Lee die Szenen 1 bis 4, 6 und 7 »klassisch« komponierte, schrieb kling klang klong die elektronische Musik für Szene 5 unter Verwendung neuronaler Netzwerke und erstellte den KI-Charakter. Auch die Autorin Christiane Neudecker schrieb das Libretto im Austausch mit verschiedenen Text- und Sprachmodellen.

Zudem wird erstmals in der Operngeschichte eine Künstliche Intelligenz live auf der Bühne kurze Musikabschnitte eigenständig komponieren und mit computergenerierter Stimme singen. Dafür wurde das Programm mit der Stimme von Eir Inderhaug gespeist, und wird als acht Meter hohe Lichtskulptur aus LED-Panels auf der Bühne visualisiert. Nicht zuletzt macht ein realer Wasserfall die technisch revolutionäre Oper zu einem besonderen Erlebnis. 

Das Publikum ist ebenfalls eingeladen, interaktiv bei der Erstellung der Szenografie mitzuwirken: Besucher*innen können vor jeder Aufführung freiwillig mittels 3D-Face-Scan ihre Gesichter aufnehmen lassen, die mithilfe Künstlicher Intelligenz inszenierungsgerecht verändert in das Bühnenbild integriert werden.

Ins Leben gerufen wurde das cross-mediale Opernprojekt »chasing waterfalls« vom Regisseur und Medienkünstler Sven Sören Beyer. Gemeinsam mit dem Berliner Künstlerkollektiv phase7 performing.arts widmet sich Beyer seit 1999 performativen Inszenierungen und Installationen, in denen er anhand neuester Innovationen das Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine auslotet. Die Uraufführung ist eine Koproduktion der Semperoper Dresden mit phase7 performing.arts und dem New Vision Arts Festival Hongkong in Zusammenarbeit mit dem Studio for Sonic Experiences kling klang klong, ermöglicht durch die Unterstützung des Projektpartners T-Systems MMS und der Sächsischen Semperoper Stiftung. Nach der Premiere am 3. September und zwei weiteren Aufführungen in der Semperoper am 8. und 11. September 2022 wird »chasing waterfalls« beim New Vision Arts Festival in Hongkong zu erleben sein.

Termine und Karten

Bildmotiv © Studio Eigengrau/Hajo Rehm