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Fausts Verdammnis / La damnation de Faust

Dramatische Legende in vier Teilen von Hector Berlioz Bühnensprache: französisch mit deutschen Übertiteln

Подробное содержание

Faust empfindet die Welt, er lebt sie nicht. Sein Bezug zu ihr ist ein ästhetischer. Mephisto treibt ihn durch irdische und transzendente Realitäten, inszenierte und tatsächliche Katastrophen. Faust hält sich aus allem heraus. Mephisto handelt an Stelle von Faust und forciert Situationen. Dazu gehört auch die Liebe. Als Faust Moral zeigt, um Margarete zu retten, liefert er sich per Vertrag Mephisto aus – und lässt sich weiterhin willenlos lenken. Mephistos Experiment Faust ist gelungen. Er und Faust sind zwei Seiten einer Möglichkeit menschheitsgeschichtlicher Desaster. Goethes »Faust« ist ein kulturelles Nationalheiligtum der Deutschen. Komponisten, gleich welcher Nationalität, die diesen Stoff für eine Oper wählen, setzen sich von vornherein dem Vergleich mit der Universalität des Goetheschen Werkes aus. Die Dimensionen um die Geschichte des den Sinn des Daseins erforschenden Faust und seine Begegnung mit Margarethe bilden den Maßstab für die Akzeptanz eines musikalischen Werkes.
Der Name des Komponisten und mit diesem sein kompositorisches OEuvre gelten zwar als Lockruf für den Opernbesuch, als Bewertungsmaßstab für das Erlebte reichen sie dennoch nicht aus. Librettisten und Komponisten begeben sich gegenüber Publikum und Kritik in ein nahezu eklektizistisches Spannungsverhältnis. Einerseits gilt, auch mit einer »Faust«-Oper den musikalischen Erwartungen an die Gattung und neuer Originalität der Interpretation zu entsprechen, und andererseits ist der tiefschichtige geistige Anspruch der dichterischen Vorlage zu wahren. Gesucht wird die Adäquanz von gesichertem Wissen und gängiger Form bei gleichzeitiger Impulsgebung für Betrachtungsweise und Gattungsspezifik. Wer kann den objektiv kaum definierbaren Beurteilungsmustern schließlich entsprechen?
Vor Berlioz vertonte den Stoff Louis Spohr, nach ihm mit bis heute nachhaltigstem Erfolg Charles Gounod, außerdem Arrigo Boito und Ferruccio Busoni. Hanns Eisler kam erst gar nicht dazu, weil schon das Libretto als Verunglimpfung des Goetheschen Erbes kritisiert wurde. Goethe erklärte Eckermann: «Die Deutschen … machen sich durch ihre tiefen Gedanken und Ideen, die sie überall suchen und hineinlegen, das Leben schwerer als billig … Da kommen sie und fragen, welche Ideen ich in meinem Faust zu verkörpern gesucht. Als ob ich das selber wüsste …!»
Was und wer ist nun eigentlich Faust? Hector Berlioz, maßgeblicher Mitautor des Librettos zu seiner Oper, stellt die Kehrseite des Erkenntnis suchenden und dabei auch irrenden Menschen dar. Die liegt in der Distanz zu einem Leben ohne Tiefgang, das des Lebens nicht wert ist. Das macht Faust tatenlos, beziehungsunfähig, unerlöst einsam. Auch Goethes Faust ist schuldbeladen, am Ende wird seine unsterbliche Seele dennoch in den Himmel geführt. Hier gilt das Prinzip der Aufklärung, dass nichts über das Streben nach Erkenntnis geht. Der Weg des Berliozschen Fausts führt geradewegs in die Hölle. Doch als die erschien ihm auch die Realität.
Berlioz hatte es von Anfang an schwer – das Interesse an »Fausts Verdammnis« war spärlich. Dabei wären durchaus die Weichen für einen Erfolg vorstellbar gewesen. Fasziniert von der französischen Übersetzung des Goetheschen Werkes schrieb er zunächst eine Schauspielmusik und sandte die Partitur an Goethe. Der zeigte sich interessiert und gab die Partitur an Carl Friedrich Zelter. Auf dessen vernichtendes Urteil hin hielt sich Goethe zurück. Berlioz beschäftigte sich weiterhin mit dem Stoff und begann fast zwanzig Jahre später mit der Arbeit an »Fausts Verdammnis«. Die Uraufführung fand unter seinem Dirigat 1846 konzertant statt. Erst 1893 gab es die szenische Erstaufführung in Monte Carlo. Berlioz, der 1869 starb, hatte nie an diese Möglichkeit gedacht. Sein »Faust« war keine Oper. Die »Dramatische Legende in vier Teilen« ist in zwanzig Szenen gegliedert, entspricht in den ersten Teilen dem formalen Aufbau einer Nummernoper, um schließlich in eine surreale Ebene überzugehen, in der sich Raum und Zeit auflösen und die Realität in vielschichtig übereinander gelagerte Wirklichkeiten übergeht. Die Theaterbühnen waren darauf 1846 noch nicht vorbereitet.

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Fausts Verdammnis/ La damnation de Faust
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