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Tosca

Fotogallerie für Tosca - Insgesamt 5 Fotos.

Oper in drei Akten von Giacomo Puccini
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Ausführliche Inhaltsangabe

Sie werden beobachtet und merken es nicht. Sie werden verfolgt und halten sich für autark. Alles bleibt zu lange ein Spiel, das sie nach den falschen Regeln spielen – die Diva Floria Tosca und der Maler Mario Cavaradossi. Ihre Geschichte fängt scheinbar harmlos an und endet tödlich.

Rom. 17./18. Juni 1800

Zwischen der ersten Meldung von Napoleons Niederlage in der Schlacht bei Marengo bis zum Eintreffen der zweiten Meldung von dessen Sieg über die österreichischen Truppen und der Flucht des politischen Gefangenen Cesare Angelotti aus der Engelsburg in Rom: Mit dieser Flucht beginnt die Handlung des Musikdramas.
Cesare Angelotti rettet sich in die Kirche Sant’Andrea della Valle, in der ihm seine Schwester, die Marchesa Attavanti, Kleidung hinterlegt hat. Hier arbeitet Cavaradossi an einem Bildnis der Maria Magdalena. Er hilft dem Flüchtling und verschweigt das zunächst vor seiner Geliebten, der Sängerin Tosca, einer Frau voll Eifersucht und Abneigung gegenüber Republikanern. Baron Scarpia jagt als Polizeichef den politischen Gegner Angelotti und stellt als Mann der berühmten Tosca nach. In der Kirche findet er mit dem Fächer der Attavanti ein Indiz für die Fluchthilfe, die Angelotti an diesem Ort zuteil geworden sein muss und spielt sein Spiel der Macht: Er weckt Toscas Eifersucht, verhaftet und foltert Cavaradossi und macht sich Tosca gefügig. Die will nichts anderes als Mario retten und meint, Scarpia überlisten zu können. Sie erwirkt das Versprechen einer Scheinhinrichtung Cavaradossis und tötet Scarpia, als er sich ihrer bemächtigen will. Doch Scarpias Macht erweist sich als eine über den Tod hinausgehende. Die Scheinhinrichtung Cavaradossis ist eine Täuschung. An der Leiche des getöteten Geliebten blickt Tosca der Realität ins Auge und stürzt in den Tod.
Die Geschichte dieser drei leidenschaftlichen Menschen ereignet sich inmitten politischer Unruhen und ständiger Umbrüche in Italien. Die historischen Ereignisse existieren und lassen die Zeit der Handlung genau orten. Es ist der 17. Juni 1800, als Angelotti aus der Engelsburg flieht, Cavaradossi gefoltert wird, Tosca Scarpia tötet, und der 18. Juni 1800, als Cavaradossi im Morgengrauen hingerichtet wird und Tosca sich das Leben nimmt.

An konkreten historischen Orten Roms und vor dem Hintergrund einer konkreten politischen Situation läuft eine fiktive Geschichte mit fiktiven Figuren ab:

Die Hauptakteure haben gewisse Ähnlichkeiten mit dem Profil der einen und anderen historischen Persönlichkeit, historisch verbürgt ist nur der politische Gefangene Angelotti, einstiger Konsul der Republik Rom, jetzt Verfolgter, weil Adel und Klerus auf Siegeszug sind.
Die Schauplätze in der Stadt Rom sind authentisch: Kirche Sant’ Andrea della Valle mit rechtem Seitenschiff Capella Lancelotti, Palazzo Farnese, Engelsburg. Trotzdem lädt Puccini nicht zum Historienspektakel mit Sightseeing ein. Vor dem Hintergrund historischer Ereignisse und Schauplätze stehen Menschen, die sich inmitten politischer Kräftefeldern privat-menschlich verhalten (Tosca/Cavaradossi) oder politische Handlanger mit persönlichen Motiven sind (Scarpia).

»Tosca« ist auch eine Künstlergeschichte

Der Maler Cavaradossi arbeitet in der Kirche an einem Fresko. Auf Toscas gesangliche Mitwirkung greift das Königshaus anlässlich der Siegesfeier über Napoleon Bonaparte und die ihn unterstützende italienische Bevölkerung zurück. Nicht jeder Künstler bekommt derartige Gelegenheiten. Folglich müssen Tosca und Cavaradossi begnadete Künstler sein. Ihr besonderer Status rettet beide nicht vor der privat motivierten Verfolgung und dem Zugriff des Polizeichefs Scarpia.
Tosca und Cavaradossi gehen zugrunde, weil sie nicht realisieren, dass die Gesetze nicht nur für andere gelten sondern auch für sie. Sie rechnen nicht damit, ernsthaft in Schwierigkeiten mit der Obrigkeit, sprich Geheimpolizei, geraten zu können. Die Sängerin hält ohnehin zu Monarchie und Klerus, der Maler macht keinen Hehl daraus, mit der Opposition zu sympathisieren. Er ist als Anhänger der Ideen Voltaires, einem der Wegbereiter der Französischen Revolution, bekannt. Beide gehen von einer Freiheit aus, die sie nicht haben – und sind tödlich verwundbar.

Nach dem Schauspiel »La Tosca« von Victorien Sardou schuf Puccini ein Gleichnis der Welt, in der sich der Mensch nicht vor den politischen Strukturen der Macht und den Intrigen ihrer Hüter bewahren kann. Tragisch für Cavaradossi ist, dass er nicht zugrunde geht, weil er als Voltaireianer einem politischen Gesinnungsgenossen das Leben zu retten versucht, sondern weil er für Scarpia Mittel zum Zweck ist, an Tosca heranzukommen. Toscas Tragik besteht im Verlust an Wirklichkeitssinn. Sie meint, die Realität ließe sich wie eine Bühnenhandlung lenken. Scarpia gelingt es, sie mit ihren eigenen Mitteln aus theatralem Spiel und Täuschung zu besiegen, weil er sich der Klaviatur der tatsächlichen Machtstrukturen bedient. Shakespeares und Verdis Jago (»Otello«) hat mit ihm eine noch schwärzere Seele als Nachfolger gefunden. Ausgestattet mit dem Status und den Machtinstrumenten des Systems ist er in der Lage, willkürlich öffentlich zu handeln. »Folteroper« wurde das 1900 uraufgeführte Werk u.a. genannt. Puccini fing das Zeitkolorit und die Gesellschaftsskepsis der Jahrhundertwende mit einer Form ein, die die Bravour der klassischen Arie in ihrer Anfälligkeit für falsche Idylle mit expressionistischen Möglichkeiten verband. Dass ständig eine Situation durch eine andere gestört wird, die Schreie Cavaradossis aus der Folterkammer integriert sind, lässt Puccinis kritischen Blickwinkel auf die Gesellschaft wie die Opernform erkennen.
Tosca – der misslungene Versuch, dem Leben auszuweichen. Scarpia – Salomes älterer Bruder, der »vor Kälte glüht« (Johannes Schaaf). Die Opernform – ein am neuen Medium Film orientierter Krimi. Die Musik – wirkungsvolle italienische Oper.

Dresdens erste »Tosca«

Nach der Uraufführung am 14. Januar 1900 am Teatro Costanzi Rom fand die deutsche Erstaufführung am 21.10.1902 unter Ernst von Schuch an der Hofoper Dresden statt. Wahrscheinlich war der Komponist anwesend, worüber es unterschiedliche Angaben in den biografischen Quellen gibt. Tosca Irene Abendroth, Cavaradossi Karel Burian (Carl Burrian), Scarpia Karl Scheidemantel.

Puccinis 150. Geburtstag

Am 22. Dezember 2008 jährte sich Puccinis Geburtstag zum 150. Mal. Wenn auch Kurt Tucholsky 1931 in der »Weltbühne« Puccini »den Verdi des kleinen Mannes« nannte, wissen wir heute um das Fehlurteil. Die an Puccini kritisierte Oberfläche ist keine Oberflächlichkeit. In der Partitur steht, was unter der Oberfläche brodelt: Die Ursachen der Erscheinungen, die Zusammenhänge der Motive und Irrtümer der Figuren, die die Personen selbst nicht durchschauen, wohl aber das Publikum.

Übersicht

Fotogalerie

Klaus-Florian Vogt (Mario Cavaradossi), Tomislav Lucic (Cesare Angelotti)|Tosca|© Matthias Creutziger

Video

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