ドメニコ・サッロ/ルチア・ロンケッティ
Zu einem Text von Pietro Metastasio dreht sich die Handlung um den
Impresario Nibbio und die allürenhafte, launische Sängerin Dorina, die
Nibbio zum Star seines neuen Theaters machen möchte. Zunächst zögert
Dorina, mit dem Unbekannten in die Fremde zu ziehen, doch als Nibbio ihr
anbietet, die Bedingungen des Vertrages vollkommen frei festzulegen,
siegt die Diva in ihr. Mit einem Vertrag in der Tasche, der ihr
ausnahmslos Hauptrollen, zudem regelmäßige Geschenke und andere
Annehmlichkeiten zusichert, folgt Dorina dem Impresario.
Die komische Beziehungskonstellation eines alternden Theaterdirektors
und einer aufstrebenden, selbstbewussten Sängerin griff nicht nur
Domenico Sarro auf. Mal unter dem Titel »L’ impresario delle Canarie«,
mal als »L’impresario e la cantante« wurde »Dorina e Nibbio« immer
wieder neu belebt.
Nie im Leben hätte er eine Satire geschrieben – doch wurde sein Intermezzo »Dorina e Nibbio« gleich mehrfach vertont. Den sinnentleerten, hoch artifiziellen Gesang seiner Zeit verachtete er – doch zählte der Kastrat Farinelli, der eben diesen Stil verkörperte, zu seinen engsten Freunden. Pietro Metastasio, hoch angesehener Wiener Hofdichter des 18. Jahrhunderts und einer der bedeutendsten Librettisten bis heute, ist von inneren Zweifeln und Widersprüchen zerrissen. In »Contrascena« nehmen diese geisterhaft Gestalt an, materialisieren sich die Gedankensplitter und treten in einen Dialog mit dem Poeten.
Die italienische Komponistin Lucia Ronchetti schreibt eigens für die Dresdner Inszenierung von »Dorina e Nibbio« ein Intermezzo im Intermezzo zu sechs Stimmen. Basierend auf Metastasio-Briefen und der Form des Madrigalgesanges verflicht sie die barocke Lebenswelt mit der Musiksprache der Gegenwart.