Goto Navigation
Bannerbild

Notre Dame

Er heißt Schmidt und bekam zu diesem nicht gerade ungewöhnlichen Familiennamen den ebenso häufig vorkommenden Vornamen Franz. Woraus einer seiner Lehrer, der weltbekannte polnische Pianist und Komponist Theodor Leschetizky (Teodor Leszetycki) eine Glosse über den sich nicht anpassen Wollenden machte: «Wenn einer Schmidt heißt, soll er nicht Künstler werden.» Der junge Mann wurde Künstler und hat das Feld bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts um seinen Namen bereichert.

Der 1874 in Pressburg geborene Franz Schmidt machte jedoch keineswegs auf Grund der Namenskombination häufig negative Lebenserfahrungen. Die resultierten daraus, dass er sich beispielsweise keinem Autoritarismus unterwarf, die Uraufführung seines Opernerstlings «Notre Dame» 1906 der Direktor der Wiener Hofoper Gustav Mahler trotz Wertschätzung ablehnte, er als Solocellist im Wiener Hofopernorchester, wie man heute sagt, «gemobbt» wurde und die Gage eines zweiten Cellisten erhielt, sich in explosiver Stimmungslage im Kollegenkreis der Wiener Philharmoniker, wo er parallel tätig war, bewegte, ihm im Zusammenhang mit dem erstarkenden Nationalsozialismus politische Nähe vorgeworfen wurde, seine erste Ehe mit einer unheilbaren Geisteskrankheit seiner Frau endete, die gemeinsame Tochter nach der Geburt ihres ersten Kindes starb. Frühzeitig litt er an nervösen Herzbeschwerden, die sich zu schwerer Herzkrankheit entwickelten.

Die andere Seite seines Lebens ist von Erfolg und hoher Anerkennung als Komponist von Sinfonien, Kammermusik, Orgelwerken, einem Oratorium und zwei Opern sowie als Pädagoge in den Fächern Klavier, Kontrapunkt, Komposition gekennzeichnet und privat von einer glücklich verlaufenden zweiten Ehe.

Der österreichische Komponist Franz Schmidt (1874-1939) erhielt hohe Auszeichnungen, darunter den «Franz-Josefs-Orden» und die Ehrendoktorwürde (Dr.phil. h.c.) der Universität Wien.

1951 gründete sich in Wien die «Franz Schmidt-Gesellschaft» zur Förderung und Analyse des Lebenswerks und der Erforschung der Biografie des Komponisten.

Hörer von Wunschkonzerten kennen aus der Oper «Notre Dame» nach Victor Hugos Roman «Der Glöckner von Notre Dame» («Notre-Dame de Paris») das «Zwischenspiel» vor der dritten Szene des 1. Aktes. Schmidt hatte es fertig und 1903 uraufgeführt, bevor an die Komposition der Oper (Uraufführung 1914) überhaupt zu denken war. Es beinhaltet die motivischen Kernthemen der Protagonisten – der Zigeunerin Esmeralda und jener Männer, die die Schuld für das Desaster ihres Lebens auf sie abwälzen. Carmen und Salome haben in Esmeralda eine ungleiche Schwester bekommen. Ungleich, weil Esmeralda eher Spielball statt bewusste Provokateurin von Männerfantasien ist.