Der Mut zahlte sich für Stephen Oliver aus, Thomas Manns bekannte Novelle »Mario und der Zauberer« als Vorlage zu nehmen, sich von ihr nicht »einschüchtern« zu lassen und daraus eine Oper zu machen, ohne Autor und Text musikalisch bebildernd hinterherzujagen. Der Engländer Stephen Oliver, einer der führenden Opernkomponisten seiner Zeit, verfasste mit »Mario und der Zauberer« ein dramatisch äußerst dicht gestaltetes Libretto und komponierte eine Musik dazu, die sich auf raffinierte Weise mit universellen Themen wie Täuschung, Verführung, Willensfreiheit und (kultureller) Prägung auseinandersetzt.
Auf dem Sommerurlaub an der italienischen Küste lastet nicht nur klimatisch etwas unangenehm Drückendes: Eine ungute kulturelle Spannung zwischen Einheimischen und Gästen liegt in der Atmosphäre, die sich schließlich in Fremdenfeindlichkeit entlädt, als die kleine Tochter einer deutschen Mutter für einen kurzen Moment nackt am Strand zu sehen ist – der Eklat ist perfekt, die Entzweiung der Strandgäste in »Wir«, die Italiener, und »Ihr«, die Deutschen, ist offengelegt. Wiederum gemeinsam sitzt man dann allerdings in einem Boot, als der unheimliche Magier Cipolla während seiner Show sämtliche Gäste für sich einnimmt. Einen Schritt geht er jedoch zu weit, als er den Kellner Mario öffentlich vorführt, indem er dessen Gedanken an eine unerwiderte Liebe zu lesen meint und ihn zu einem Kuss verführt und ihn kurzzeitig glauben macht, er, der abstoßend hässliche Zauberer, sei die erträumte Geliebte …
Mit der 1988 uraufgeführten Oper legte Oliver ein kammermusikalisch besetztes Werk vor, das seinen Sinn für szenische Musik verdeutlicht, die Rollen und wechselnden Atmosphären treffend charakterisiert und das mit seinen Mitteln die bestechende Parabel über die Manipulierbarkeit des Menschen zu Mitläufern durch dunkle Verführer darstellt.
Libretto von Stephen Oliver, basierend auf der gleichnamigen Novelle von Thomas Mann
Ab 12 Jahren
In Semper 2
Gesamtdauer 1 Stunde 30 Minuten
Premiere am 22.11.2012
Musikalische Leitung: Markus Henn
Inszenierung: Manfred Weiß
Bühnenbild und Kostüme: Kattrin Michel
Licht: Jens Klotzsche
Dramaturgie: Stefan Ulrich
Signora Angiolieri: Sabine Brohm
Die Mutter: Christel Lötzsch
Die Tochter: Nina Bennert
Ein Bürger der Stadt: Bernd Könnes
Der Bürgermeister: Gerald Hupach
Guiscardo: Allen Boxer
Cipolla: Markus Butter
Mario: Christopher Kaplan
Projektchor: Studierende der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden