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Lucrezia Borgia

Konzertante Aufführung Oper mit Prolog in zwei Akten von Gaetano Donizetti Libretto von Felice Romani nach Victor Hugos gleichnamigem Drama in italienischer Sprache

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Die historische Lucrezia Borgia war die Tochter von Rodrigo Borgia, dem späteren Papst Alexander VI. Viermal wurde sie verheiratet. Das erste Mal mit elf Jahren. Politische und inzestuöse Gründe brachten ihr Scheidungen, Verwitwung und Wiederverheiratungen. Ihr zweiter Ehemann behauptete später, wahrer Hintergrund der Scheidung sei Blutschande gewesen, die Lucrezias päpstlicher Vater und ihr Bruder Cesare ungestört mit ihr treiben wollten. Mit der vierten Ehe kam Alfonso I. d’Este von Ferrara ins Spiel. Am Hofe von Ferrara versammelte Lucrezia die berühmtesten Künstler und Gelehrten des 16. Jahrhunderts um sich. Als der Papst starb und sich weitere familiäre Unglücksfälle häuften, soll sich Lucrezia zurückgezogen und dem religiösen Leben gewidmet haben. Nichtsdestotrotz starb sie kurz nach der Geburt ihres neunten Kindes. Donizettis Oper spielt in der Ferrara-Zeit der begehrten Schönheit der Renaissance, die ebenso klug wie gefährlich gewesen ist und Leidenschaften auszuleben verstand. »Lucrezia Borgia« brachte dem Komponisten neben »Lucia di Lammermoor« den größten Erfolg seines Lebens – trotz nicht enden wollender Konflikte. Zunächst einmal gab der Librettist Felice Romani das Libretto so spät an Donizetti, dass dieser in höchster Eile komponieren musste. Ungeachtet des Zeitdrucks wurden Änderungen verlangt: Von den Zensoren bezüglich Personage und Konfliktstrukturen, seitens der Primadonna aus Eitelkeit – eine an Koloraturen reiche finale Cabaletta wurde gebraucht – eine schwierige Aufgabe für Donizetti, dessen Titelheldin über der Leiche ihres ermordeten Sohnes und Geliebten zusammenbricht. Um die Handlung erfassbar zu vermitteln, beginnt die Oper mit einem ausführlichen Prolog. Persönlich-private Konflikte bestimmen den Handlungsverlauf. Machtfragen und politische Ränke sind in den Hintergrund gedrängt. Damit gerät das Episodische zu vielfach verwickelten Abläufen. Klarheit über die Zusammenhänge schafft Donizetti u.a. auch dadurch, dass das Maskenfest im Prolog und das Hoffest im Finale eine spiegelbildliche Klammer aus Festtrubel und Totengesang bilden. Das Publikum reagierte enthusiastisch, die Kritik verhalten. Die Zensur gab keine Ruhe, so dass für weitere Aufführungen Personen, Schauplätze und Werktitel umbenannt wurden. Schließlich erhob Victor Hugo Einspruch gegen die Opernfassung, und das Stück kam in Paris 1845 unter dem Titel »La rinnegata« heraus. Doch schon früher hatte Donizetti selbst Änderungen vorgenommen – ein verändertes Finale, eine Arie an Stelle eines Duetts, Chor statt Finalcabaletta u.v.m.

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